Viel versprechende Aussichten für Automobilzulieferer: Wie auf dem 5. Internationalen Forum Abgastechnik Ende Januar in Nürtingen deutlich wurde, wächst das weltweite Marktvolumen für Abgasnachbehandlung bis 2015 auf rund 30 Milliarden Euro. Die aktuellen Herausforderungen, aber auch die Chancen für die Automobilindustrie standen auf dem Forum im Mittelpunkt von 20 Vorträgen und Diskussionen.


Über 250 Abgasexperten aus 20 Ländern nahmen teil. In seinem Auftaktreferat verteidigte Dr. Reinhard Schulte-Braucks von der Europäischen Kommission die Notwendigkeit von Abgasgrenzwerten. Gleichzeitig betonte er, dass sich seine Behörde entgegen aller Vorwürfe um gesetzliche Regulierungen bemühe, die zum Wachstum der Automobilindustrie beitrügen. Wie Prof. Werner Müller, Experte für Verbrennungskraftmaschinen und Vorsitzender des Forums, ausführte, setzten die verschärften Abgasgrenzwerte die Automobilhersteller und Zulieferer unter enormen Druck, die Brennverfahren und Methoden zur Abgasnachbehandlung weiter zu entwickeln. „Der Dieselmotor wird nur durch Abgasnachbehandlung die gesetzlichen Anforderungen an Partikel- und Stickoxidemissionen erfüllen können“, ist sich der Experte sicher.


Dennoch würde der Dieselmotor seine Position als Fahrzeugantrieb mit dem niedrigsten CO2-Emissionspotenzial verteidigen. Er sei eine wirkliche Alternative zu Hybridkonzepten, niedriger im Verbrauch sowie einfacher und günstiger in der Herstellung. „Diesel wird in den USA zunehmend erfolgreicher – eine riesige Chance für deutsche Hersteller.“ Wie viel versprechend die Aussichten vor allem für Zulieferer sind, verdeutlichte Stephan Krubasik, Associate bei der Unternehmensberatung A.T. Kearney. Er legte eine Studie vor, nach der der globale Abgasnachbehandlungsmarkt jährlich um elf Prozent wachsen werde. 2015 werde er ein Volumen von 30 Milliarden Euro erreichen.


„Die Abgasnachbehandlungsindustrie sollte sich auf einen dynamischen Markt einstellen“, sagte Krubasik. Hauptmärkte seien Europa und Nordamerika, China komme in einigen Jahren hinzu. Ab 2014 würden weltweit alle Fahrzeuge mit Partikelfilter und NOx-Nachbehandlung ausgerüstet sein. Die Entwicklung sei dann vorrangig auf CO2-Ziele gerichtet. So groß die Chancen für Zulieferer, so heikel seien die Folgen für Automobilhersteller: „Für OEMs ergeben sich gewaltige Anforderungen im Hinblick auf Kosten, Technologie und Produktstrategie. Sie müssen künftig mit doppelten Kosten für Motoren und Abgasnachbehandlung rechnen“, so Krubasik.