Ein Blick in die Ausstellung der COG-Veranstaltung Anfang Dezember 2011 in Frankenthal.

Ein Blick in die Ausstellung der COG-Veranstaltung Anfang Dezember 2011 in Frankenthal.COG Deutschland

Die COG stellt Fachleuten ein Forum für den Informationsaustausch bereit, ermöglicht die gemeinsame Nutzung von Daten und bietet durch moderne Recherche-methoden Zugang zu diversen vorhandenen Informationen. Besonders hohen Zuspruch erfreuen sich dabei die an wechselnden Verstaltungsorten stattfindenden vierteljährlichen Meetings. Hier werden nach dem „Best Practice“-Prinzip nicht nur die teils recht unterschiedlichen Lösungsansätze der Mitglieder zu verschiedenen Themen diskutiert. Die Treffen bieten den Anwesenden auch die sonst eher seltene Chance, sich von Herstellern, Distributoren und Dienstleistern aus erster Hand über deren Obsolescence-Strategien informieren zu lassen. So wurde im Dezember des vergangenen Jahres in Frankenthal unter anderem auf die Speicherauswahl unter Obsolescence-Gesichtspunkten eingegangen. Ein Experte des Speicherspezialisten Memphis Electronic gab beispielsweise Tipps, woran man „exotische“ Speichergrößen und -techniken mit erhöhtem Obsolescense Risiko erkennt. Ein weiterer Gastvortrag befasste sich mit der künftigen Abkündigungs- und Informationsstrategie der Firma Maxim Integrated Products, nachdem das Unternehmen 2011 nach jahrzehntelanger konsequenter Non-Obsolescence-Politik überraschend von dieser bis zu diesem Zeitpunkt manifestierten Vorgehensweise abgerückt ist. Außerdem wurde von der Firma pk components an Praxisbeispielen demonstriert, wie sich die von der COG entwickelte und als künftiger einheitlicher Standard vorgeschlagene SMART Product Change Notification in der Bauteile-Distribution schon heute zum Nutzen aller Beteiligten umsetzen lässt. Das von einer COG-Arbeitsgruppe erarbeitete und kontinuierlich weiter optimierte Smart PCN-Format – SMART steht für Sicher + Methodisch + Akzeptiert + Realisierbar + Transparent – hat vorrangig zum Ziel, die bisher üblichen Mehrfachbearbeitungen der PCNs und EOLs künftig ganz zu eliminieren oder zumindest zu minimieren. Durch die neue Methodik, die eine weitestgehend automatische Verarbeitung der Informationen ermöglicht, reduziert sich der manuelle Aufwand um 75 %.

Der Nutzen einer COG-Mitgliedschaft

Warum sollte man Mitglied in der COG Deutschland werden und was ist der Nutzwert? Diese Frage stellten wir dem Gründungsmitglied und Stellvertretenden Vorsitzenden Volker Goller auf der einmal im Jahr stattfindenden COG Expo, auf der sich die Dienstleistungsanbieter unter den COG-Mitgliedern mit ihren professionellen Obsolescence-Lösungen einem breiterem Fachpublikum präsentieren. „Es sind die vielfältigen Möglichkeiten, sich zu Obsolescence-Themen wie beispielsweise Abkündigungen, Versorgungsschwierigkeiten etc. auszutauschen und sich untereinander mit Lösungen weiterzuhelfen.“ Die Anregung, sich mit der Obsolescence-Thematik überhaupt strukturiert und geordnet auseinanderzusetzen, komme übrigens hauptsächlich aus unteren und mittleren Managementebenen, also von Entwicklern und Einkäufern, so die Erfahrung von V. Goller. „Das obere Management ist sich erstaunlicherweise oft gar nicht richtig bewusst, welche Risiken das Thema Obsolescense für ein Unternehmen darstellen kann. Und dass die Mitarbeit in der COG eine kostengünstige fortlaufende Weiterbildung für die mit diesen Risiken befassten Personenkreis darstellt.“

Volker Goller, Stellvertretender Vorsitzender COG (Component Obsolescence Group) Deutschland e.V., Radevormwald.

Volker Goller, Stellvertretender Vorsitzender COG (Component Obsolescence Group) Deutschland e.V., Radevormwald.COG Deutschland

„Da die Elektronik aufgrund ihrer Allgegenwertigkeit zentrales Thema ist, geht es in der  COG sehr viel um Halbleiter. Und da sind wiederum aktive Bauelemente, speziell Prozessoren, weil da auch noch die Software-Entwicklung dranhängt, von großer Bedeutung. Obsolescence-Probleme können aber auch völlig außerhalb der Elektronik auftreten“, gibt V. Goller zu Bedenken: „Wenn ein für das Zusammenfügen bestimmter mechanischer Komponenten vorgesehener Kleber nicht mehr lieferbar ist, klingt das erstmal furchtbar banal. Aber die Suche nach einem neuen Kleber, der genau die gleichen chemischen und mechanischen Eigenschaften hat, kann sich wesentlich aufwändiger gestalten, als man gemeinhin glaubt.“

Macht die COG-Mitgliedschaft unabhängig von Brokern? Hierzu meint V. Goller: „Nein, das ist auch nicht unser Ziel. Es gibt durchaus einige hochspezialisierte, in jeder Hinsicht absolut seriöse Broker, die einem tatsächlich mit ihren Dienstleistungen helfen können. Einige sind inzwischen sogar Mitglied in der COG. Für uns gilt: Wer im Obsolescence-Management eine glaubhafte Rolle spielen will, muss gewisse Kriterien erfüllen, ganz unabhängig von der Branche. Wer diese Kriterien erfüllt, ist als Mitglied oder Partner der COG gern gesehen, unabhängig davon, ob er nun Hersteller, OEM, EMSler, Distributor oder Broker ist.“

Gar nicht gern gesehen sind bei der COG hingegen Unternehmen, die ihr Geld mit äußerlich kaum vom Original zu unterscheidenden gefälschten Bauteilen verdienen und dabei oft sogar die Gefährung von Menschenleben billigend in Kauf nehmen. „Die Fälschungen haben in jüngerer Zeit extrem zugenommen“, beobachtet V. Goller mit Sorge. Er weist darauf hin, dass in einem medizinischen Gerät, einem Auto oder Flugzeug schon ein einziges gefaktes Bauteil fatale Folgen haben könne. „Wir haben deshalb inzwischen sogar eine eigene Arbeitsgruppe, die gemeinsam nach Mitteln und Wegen sucht, wie man Fälschungen besser und frühzeitiger erkennen kann. Unter anderem gibt es COG-Mitglieder, die speziell Dienste, wie beispielsweise Röntgenuntersuchungen anbieten, die zweifelsfrei feststellen können: „ja, das Bauteil ist gefälscht“, um so entsprechende Gegenmaßnahmen treffen zu können.“  Darüber hinaus versuche man die Mitglieder dadurch zu schützen, dass man jegliche Information über gefälschte Komponeten sammle und auf den Mitgleider vorbehaltenen Bereichen der COG-Webseite veröffentliche. „Durch diesen ständig wachsenden Datenpool konnte vermutlich schon einiges Unheil verhindert werden. Dieser unkomplizierte, hocheffizente Informationsaustauch unter Gleichgesinnten ist es auch, was unsere Mitglieder an der COG so schätzen“, ist sich Goller sicher.