Mit der Umsetzung der im Jahr 2006 in Kraft getretenen Europäischen RoHS-Richtlinie zur Einschränkung gefährlicher Substanzen (Restriction of Hazardous Substances) sorgten die Gesetzgeber dafür, dass sich die Verwendung des Schwermetalls Blei in der Elektronik auf ein Minimum reduzierte. Blei war bis zu diesem Zeitpunkt ein wesentlicher Bestandteil des Lötmetalls, das bei der Herstellung von Leiterplatten verwendet wurde. Rein technisch betrachtet stellt der Verzicht auf das Blei in Lötmetallen kein Problem dar. Zinn-Silber- oder Zinn-Silber-Kupferlegierungen lassen sich als bleifreie Alternativen zu den früher verwendeten Zinn-Blei-Verbindungen praktisch überall einsetzen. Auf Grund ihres höheren Schmelzpunktes, der stärkeren Oberflächenspannung und einer geringeren Benetzungsgeschwindigkeit auf metallischen Oberflächen kommen in bleifreien Lötmetallen jedoch andere Flussmittel zum Einsatz. Darüber hinaus muss beim bleifreien Löten mit höheren Temperaturen gearbeitet werden. Dadurch können in der Praxis Probleme entstehen, die oft nicht ausreichend beachtet werden. Die Rede ist hier vom Lötdampf, der bei Temperaturen oberhalb von 300 °C gesundheitsschädliche Stoffe freisetzen kann.

Bleifrei ist nicht schadstofffrei

Der Verzicht auf das Blei im Lötmetall bedeutet nicht, dass beim Löten keine gesundheitsgefährdenden Substanzen mehr freigesetzt werden können. Das Blei, das erst bei Temperaturen über 1000 °C verdampft, spielt beim Lötdampf ohnehin praktisch keine Rolle. Die Quelle möglicher Gefahren sind vielmehr die Flussmittel – und davon enthält bleifreies Lötmetall nicht weniger, sondern prozentual sogar mehr als bleihaltiges. Die höheren Löttemperaturen führen außerdem zu einem stärkeren Verdampfen. Der dabei entstehende Lötdampf enthält neben Wasserstoff und Säuren zum Teil auch Formaldehyd sowie Feinstaub. Der Feinstaub besteht aus lungengängigen Kleinstpartikeln, die neben Anteilen der Lötmetalle vor allem die Flussmittel enthalten – das sind meist natürliche oder synthetische Harze, Säuren und halogenhaltige Aktivatoren wie beispielsweise Adipin- oder Bernsteinsäure. Eindeutige wissenschaftliche Belege für eine langfristig gesundheitsschädigende Wirkung der Dämpfe gibt es zwar nicht – doch wer täglich an seinem Arbeitsplatz Lötdämpfen ausgesetzt ist, kennt Probleme wie Kopfschmerzen, brennende Augen oder Geschmacksirritationen meist aus eigener Erfahrung.

Absaugen ist besser: Der beim Löten entstehende Dampf kann gesundheitsschädigende Substanzen und lungengängigen Feinstaub enthalten.

Absaugen ist besser: Der beim Löten entstehende Dampf kann gesundheitsschädigende Substanzen und lungengängigen Feinstaub enthalten.

„Viele Arbeitgeber ergreifen aus diesen Gründen die Initiative und wollen den Arbeitnehmern, die in ihrem Unternehmen mit Lötarbeiten betreut sind, einen angenehmen und nicht gesundheitsbelastenden Arbeitsplatz zur Verfügung stellen“, erläutert Holger Engelbrecht, Produktmanager des Elektronik-Distributors Reichelt Elektronik und Spezialist für Löttechnik. Diese Entwicklung zeige sich bei Reichelt an der kontinuierlichen Nachfrage nach technischen Lösungen für das Absaugen von Lötdämpfen. „Lötdampfabsaugungen mit mehrstufigen Filtersystemen in unterschiedlichen Filterklassen helfen zuverlässig gegen unangenehme Dämpfe und gefährlichen Feinstaub“, merkt Engelbrecht weiter an. Der Einsatz dieser Systeme sei in Deutschland zwar bisher nicht gesetzlich vorgeschrieben, werde aber von den Berufsgenossenschaften generell empfohlen. Die von Skeptikern aufgeführten Argumente, dass Absaugvorrichtungen den gewohnten Arbeitsablauf behindern würden und außerdem zu teuer seien, lässt Engelbrecht nicht gelten. „Wer einmal mit einem Absaugsystem gearbeitet hat, wird nicht mehr darauf verzichten wollen“, ist sich der Experte sicher. Neben hochpreisigen Premiumlösungen sind auch leistungsfähige aber deutlich kostengünstigere Lösungen zum Absaugen und Filtern der Lötdämpfe zu haben. So können auch kleinere Unternehmen mit vergleichsweise geringen Investitionsvolumen die Qualität ihrer Lötarbeitsplätze verbessern.

Ein Beispiel für solche Lösungen mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis sind die Absaug-Systeme des taiwanesischen Herstellers Xytronic. Das im Jahr 1980 in Taipeh gegründete Unternehmen blickt auf eine jahrzehntelange Erfahrung in der Entwicklung und Produktion temperaturgesteuerter Lötsysteme zurück und bietet ebenfalls ein breites Spektrum an Lösungen zum Absaugen und Filtern von Lötdämpfen an. Xytronic produziert sowohl leistungsstarke Systeme für professionelle Anwender als auch einfache, sehr kostengünstige Lösungen für den privaten Bereich.

Lötdämpfe professionell absaugen und filtern

Die Lötdampf-Absauganlage Xytronic HV-2 FES ist ein für den professionellen Einsatz ausgelegtes System mit variabler Lüfterdrehzahl, die Lötdämpfe an bis zu zwei Lötarbeitsplätzen gleichzeitig absaugen und die Luft filtern kann. Der Luftdurchsatz pro Stunde liegt bei großzügig dimensionierten 350 m3. Der leistungsstarke, wartungsfreie Pumpenmotor saugt die Lötdämpfe über Absaugtrichter effizient aus dem Umfeld des Lötarbeitsplatzes ab. Die bis zu zwei Trichter sind mit jeweils einem 250 cm langen Schlauch mit 75 mm Durchmesser mit der kompakten Basiseinheit verbunden, die sich problemlos unter dem Arbeitsplatz platzieren lässt. Trotz der hohen Lüfterleistung der Absauganlage liegt das Geräuschniveau unterhalb von 50 dB.

Die abgesaugten Lötdämpfe werden durch ein dreistufiges Filtersystem aus Vorfilter, Hepa-Filter und Aktivkohlefilter geleitet und dabei von Giftstoffen und dem lungengängigen Feinstaub gereinigt. Die Filter lassen sich bei Bedarf mit wenigen Handgriffen auswechseln. Die Austauschfilter hat Reichelt Elektronik ebenfalls im Sortiment.

Leistungsfähige Lösungen für individuelle Anwendungen

Neben der professionellen Lötdampf-Absauganlage hat der Distributor auch preiswerte Xytronic-Lösungen für Lötarbeitsplätze im Programm. Diese sind für Anwender ausgelegt, die nur gelegentlich zum Lötkolben greifen oder im Hobby- und Privatbereich genutzt werden. Diese erreichen zwar nicht dieselbe Leistung, können aber trotzdem deutlich zu einer Reduzierung der problematischen Lötdämpfe beitragen. Der Lötdampfabsauger 426 DLX erzielt einen Luftdurchsatz von 120 m3/h und filtert den abgesaugten Lötdampf mit einem leicht wechselbaren Aktivkohlefilter.

Einfache Absaugsysteme wie der Xytronic Lötdampfabsauger 426 DLX eignen sich für die Hobbywerkstatt.

Einfache Absaugsysteme wie der Xytronic Lötdampfabsauger 426 DLX eignen sich für die Hobbywerkstatt. Reichelt Elektronik

„Aus unserer Sicht sollte jeder die Möglichkeit haben, sich vor unangenehmen und unter Umständen gesundheitsschädigenden Lötdämpfen zu schützen“, betont Holger Engelbrecht. Die Bandbreite im Angebot des Elektronikdistributors reicht deshalb von einfachen Filtersystemen bis hin zu Zero-Smog-Lötdampfabsaugsystemen, weshalb er resümierend anmerkt. „Dem von den Berufsgenossenschaften und dem Institut für Arbeitssicherheit der BfA dringend empfohlenen Einsatz von Lötdampfabsaugern steht damit nichts mehr im Wege.“