Ingo Baumgardt, Leuze Electronic: 
„Auf der Hannover Messe gehen wir mit Profinet an den Start. Im Juli folgt die Version mit Ethernet/IP-Interface.“

Ingo Baumgardt, Leuze Electronic:
„Auf der Hannover Messe gehen wir mit Profinet an den Start. Im Juli folgt die Version mit Ethernet/IP-Interface.“ Leuze

Herr Baumgardt, nach den passiven Verteilern für schaltende Sensoren folgt jetzt zur Hannover Messe ein aktiver IO-Link-Master. Die erste aktive Komponente im IO-Link-Portfolio, neben Sensoren?

Der kompakte IO-Link-Master der Baureihe MD 748i verfügt über die Gehäuse-Schutzklasse IP67 und ist für die gleichen Arbeitsumgebungen wie die Sensoren selbst ausgelegt. Er stellt vier IO-Link-Ports mit M12-Steckverbindern zum Anschluss von Sensoren oder Aktuatoren zur Verfügung. In Verbindung mit unseren schaltenden oder messenden Sensoren ergeben sich deutliche Vorteile für den Anwender: Die schaltenden Sensoren lassen sich über ihren inte­grierten Webserver direkt über die Steuerung ansprechen und konfigurieren. Und bei den messenden Sensoren stellt IO-Link eine einfache, digitale Alternative zu den bisher üblichen analogen Schnittstellen und deren höheren Verdrahtungsaufwand dar.

Was veranlasst Sie zu diesem Schritt? Es gibt doch genügend Anbieter von IO-Link-Komponenten.

Das ist richtig. In der Zwischenzeit gibt es für die meisten Steuerungssysteme IO-Link-Master der Systemhersteller. Auch wenn alle IO-Link-Komponenten durch einheitliche Freigabetests in ihrer Komptabilität getestet sind, werden wir immer wieder damit konfrontiert, dass Kunden gerne Komponenten, Beratung und Service aus einer Hand möchten. IO-Link ist für viele immer noch ein relativ neues Thema und das Know-how in den Firmen noch nicht sehr ausgeprägt. Daher suchen die Unternehmen nach einem Ansprechpartner, der sowohl die Master als auch die Geräte im Programm hat.

Kann man sich bei den Modulen überhaupt vom Wettbewerb noch deutlich abheben?

Die Differenzierung entsteht durch die abgestimmte Funktion von IO-Link-Mastermodul und den angeschlossenen Sensoren. Dabei spielt der integrierte Webserver eine zentrale Rolle. Damit kann der Anwender alle Parameter konfigurieren, ohne dass eine zusätzliche, modulspezifische Software auf dem Programmiergerät installiert werden muss. Der Webserver des IO-Link-Masters ist über TCP/IP adressierbar. Dies stellt einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung intelligente Fabrik dar und bietet die Möglichkeit einer einfachen Gerätekonfiguration, Validierung und Diagnose.

Der IO-Link-Master hat die Schutzart IP67, die meisten Installationen sind aber in IP20 ausgeführt.

Auch dieser Situation tragen wir Rechnung. Varianten zur Montage auf einer DIN-Schiene sind bereits in der Entwicklung. Diese Module haben sogar acht IO-Link-Ports mit Schraubklemmen. Der Anschluss an Profinet erfolgt über RJ45-Steckverbinder.

Sie erwähnten die Kompatibilität. Wie steht es damit bei komplexeren, messenden IO-Link-Sensoren aus?

Neben dem verfügbaren vierkanaligen IO-Link-Master in IP67, ist eine IP20-Version mit acht IO-Link-Ports in der Entwicklung.

Neben dem verfügbaren vierkanaligen IO-Link-Master in IP67, ist eine IP20-Version mit acht IO-Link-Ports in der Entwicklung. Leuze

Grundsätzlich werden alle IO-Link-Geräte (Sensoren, Aktuatoren, Master) nach einheitlichen Testprozeduren freigegeben. Das stellt die Kompatibilität sicher. Darüber hinaus besteht der Wunsch nach einheitlicher Funktionalität in den Geräten. Daher wurde das Smart-Sensor-Profil entwickelt, das Grundfunktionen spezifiziert, zum Beispiel einheitliche Diagnosekanäle festlegt.

Aktuell verfeinern wir im IO-Link-Konsortium das Smart-Sensor-Profil. Dabei entstehen spezifische Profile für einfache schaltende Sensoren, mit und ohne Tastweiteneinstellung. Dieses Profil vereinheitlicht auch die Bedienung, etwa das Teachen der notwendigen Schaltschwellen.

Kurz vor der Fertigstellung steht auch das Profil für messende Sensoren. Darin definiert ist, dass Distanzsensoren einheitlich codierte Messwerte in Millimetern ausgeben, sodass ein SPS-Programm keine Umrechnungen mehr vornehmen muss, beziehungseise beim Wechsel auf einen anderen Sensortyp keine Programmanpassungen mehr notwendig sind.

Wird damit eine Austausch-Kompatibilität zwischen Herstellern möglich, das Fernziel vieler Anwender?

Funktional lässt sich somit ein Gerätetyp gegen ein anderes Gerät tauschen, sofern es den Profilspezifikationen entspricht. Normalerweise überwacht ein IO-Link-Master, ähnlich einem Feldbusmaster, die Identität der angeschlossenen Devices, um sicherzustellen, dass die einmal validierte Anlagenkonfiguration nicht verändert wird. In der Maschinensteuerung müsste daher zumindest die Identität des neuen Sensors angepasst werden, oder die Validierungsfunktion des Masters deaktiviert sein. Das würde den Wunsch nach Flexibilität erfüllen.

Gibt es Bewegung hinsichtlich der seit Jahren diskutierten Safety-Erweiterung?

Die Spezifikation für IO-Link-Safety ist sehr weit fortgeschritten und beinhaltet außer dem Protokoll auch den Physical Layer, der die speziellen Belange der sicherheitsgerichteten Anwendungen erfüllt ‒ die Rückwärtskompatibilität zu OSSD-Signalen sowie der M12- Anschlusstechnik eingeschlossen. Um auch bei dem Thema Safety die Unabhängigkeit von bestehenden Feldbuslösungen zu bewahren, wurde das IO-Link-Protokoll um wenige Überwachungsfunktionen erweitert und so eine sichere Kommunikation erreicht. Diese Erweiterungen müssen nun noch den ‚proof of concept‘ durchlaufen, dann können wir die Spezifikation verabschieden.

Hat das Thema Industrie 4.0 Einfluss auf die weiteren Entwicklungen von IO-Link, etwa auf die Wireless-Schnittstelle?

IO-Link ist ein fundamentaler Baustein der Industrie 4.0. Steht doch die Kommunikation zwischen Maschinen und deren Komponenten im Mittelpunkt jeder Diskussion. Mit IO-Link hat der Anwender jetzt die unschätzbare Möglichkeit, über eine standardisierte, digitale Schnittstelle neben Prozessdaten auch Diagnose- und Monitoring-Daten aus der untersten Feldebene zu beziehen und seine Applikation bei Bedarf neu zu konfigurieren.

 Hannover Messe 2016: Halle 9, Stand G76