Wie bereits in den Vorjahren war auch das 5. Entwicklerforum Akkutechnologien, das am 18. und 19.4.2012 in Aschaffenburg stattfand, ein absolutes Highlight für die Branche, denn es gab jede Menge praxisnahe Infos – bei weitem nicht nur für Entwickler! Veranstalter war wiederum Batteryuniversity.eu. Im Gegensatz zu den Vorjahren, wo unter anderem auch die systematische Substition von NiCd sowie ein Migrationspfad über NiMH hin zu Akkus auf Lithium-Basis stets eine gewichtige Rolle spielte, gab es in diesem Jahr nur ein Thema: Akkus auf Lithium-Basis und ihre Infrastruktur vom Laden über die Überwachung und das Batterie-Management bis zu Themen wie Sicherheit, Liefersituation, Recycling, Anwendung(en) etc.

Sven Bauer (BMZ): „Verlassen Sie sich nie auf nur einen Zellenhersteller. Versuchen Sie immer, zwei oder drei Zellen aus verschiedenen Regionen der Welt zu verwenden“

Sven Bauer (BMZ): „Verlassen Sie sich nie auf nur einen Zellenhersteller. Versuchen Sie immer, zwei oder drei Zellen aus verschiedenen Regionen der Welt zu verwenden“Alfred Vollmer

Ein Highlight gab es gleich zu Beginn, als Sven Bauer, Geschäftsführer der BMZ GmbH sowie von batteryuniversity.eu,  in seiner lockeren Art die wahren Probleme der Branche ansprach. So gab er den Industriekunden den folgenden Tipp: „Verlassen Sie sich nie auf nur einen Zellenhersteller. Versuchen Sie immer, zwei oder drei Zellen aus verschiedenen Regionen der Welt zu verwenden“, um so stets die Belieferung sicher zu stellen.

Den nach den Laptops/Netbooks/Handys weltweit zweitgrößten Markt für Batterien, der gleichzeitig der größte Batteriemarkt Europas ist, gab es vor fünf Jahren noch nicht: der Markt für E-Bikes und Pedelecs. Dieses Jahr sollen Sven Bauer zufolge eine Million E-Bikes in Europa verkauft werden; davon ist Deutschland der größte Markt, der zweitgrößte ist Holland. „Damit haben die E-Bikes die Power-Tools auf Platz 3 verwiesen.“

Safety

Bauer berichtet aus der Praxis, dass es bei Zwischenfällen mit Li-Ionen-Batterien bisher stets „verhältnismäßig wenig Tote und Schwerverletzte, immer nur Leichtverletzte gegeben“ hat. Den Grund dafür sieht Bauer in der Größe der Geräte: Wenn ein Laptop, Handy oder Akkuschrauber zu heiß wird, lege man das Gerät beiseite – eine Handlung, die sich als schwierig erweise, wenn man gerade in einem Elektroauto säße. „Wenn ein Auto anfängt zu brennen, und Sie kommen nicht mehr heraus, ergibt sich eine ganz andere Thematik.“ Für „alles, was Sie näher am Körper tragen, was Sie nicht direkt wegwerfen können“ gelte jetzt eine „extreme Verschärfung der EU“: „Sie müssen jetzt eine Wahrscheinlichkeitsberechnung machen, und Sie müssen sich selbst anzeigen, wenn der dritte Brand bei einem Produkt aufgetreten ist. Dann sagt Ihnen Vater Staat, wie Sie den Recall gestalten müssen.“

Obwohl Bauer per se sehr innovationsfreudig ist, hat er dennoch stets auch die kommerzielle Seite voll im Blick: „Versuchen Sie, nie der erste zu sein; versuchen Sie, der zweite zu sein. Der Erste, der Lithium-Ionen ins Fahrzeug bringt, hat das Problem, dass jede Fachzeitschrift und jede TV-Station darauf anspringt.“ Wenn es dann erst einmal mehrere Zwischenfälle wie beispielsweise Brände gegeben habe, sinke das besondere Interesse der Medien und die Menschen nähmen die durchaus bedauerlichen Zwischenfälle als normale Unwägbarkeit hin.

Elektrofahrzeuge

Außerdem ließ Bauer in punkto E-Fahrzeuge Zahlen sprechen: „Es wurden in Deutschland bisher erst zirka 1800 Elektrofahrzeuge angemeldet; davon 108 durch Privatpersonen.“ Allerdings geht er davon aus, dass sich diese Situation in den nächsten Jahren beachtlich verändern wird – unter anderem weil die Branche das Ziel habe, den Preis für Li-Akkus von derzeit 500 US-$/kWh bis zum Jahr 2020 auf 200 US-$/kWh zu senken.

Einen wichtigen Tipp gab er den insgesamt über 700 Besuchern dann nach seiner Analyse der Liefersituation noch mit auf den Weg: Aus Sicherheitsgründen gelte die Regel, keine großen Zellen einzusetzen: „Warum? Sie können eine 100-Ah-Zelle nicht safety-seitig handlen bei einem internen Kurzschluss.“ Ergo: Eine große Anzahl relativ kleiner Zellen wird uns noch lange beschäftigen.