Herr Domberg, nach den M12-Steckverbindern für Daten und Power im letzten Jahr folgt nun M8 in der D-Kodierung. Ist das für

"M8 wird sich für Ethernet im Feld durchsetzen."

„M8 wird sich für Ethernet im Feld durchsetzen.“ Harting

Harting der Einstieg in ein weiteres Marktsegment?

Matthias Domberg: Wir sind schon seit vielen Jahren mit M8-Steckverbindern für die Sensor/Aktor-Anbindung am Markt, beispielsweise unseren feldkonfektionierbaren Steckverbindern mit Schneidklemme auf Basis der IDC-Technik.

Für welche Anwendungsfälle ist das Steckerbild D-kodiert gedacht?

Matthias Domberg: Die existierenden M8-Lösungen in 3- oder 4-poliger Ausführung sind alle nicht Ethernet-tauglich. Sie spielen in Verbindung mit I/O-Boxen bei der Sensor/Aktor-Anbindung eine zentrale Rolle. Mit Industrie 4.0 muss Ethernet aber zwingend bis an kleinste Komponenten geführt werden können. In diesem Umfeld komme ich mit dem RJ45-Stecker aber nicht mehr zurecht. Genau dort sehen wir neben dem M12-Steckverbinder auch verstärkt den M8 für Ethernet-Anwendungen. Dafür ist der 4-polige M8 D-kodiert gedacht: Fast-Ethernet bis 100 Mbit/s. Dazu braucht es eine Schirmanbindung und ein auf die Signalintegrität abgestimmtes Kontaktdesign.

Industrie 4.0 schlägt also durch bis auf die Verbindungstechnik!

Matthias Domberg: Das Thema spielt eine große Rolle und forciert Trends: Zum einem wird der Grad an Automatisierung in der Industrie weiter zunehmen – und damit die Ethernet-basierte Kommunikation zwischen Teilnehmern in einer Applikation. Denn in der Feldebene werden künftig immer mehr und kleinere Sensoren zur Prozessüberwachung eingesetzt, die nicht mehr über ein Bussystem, sondern über Ethernet kommunizieren, vor allem über Profinet. Hier sehe ich zukünftig den M8 D-kodiert als Geräte- oder Sensor/Aktor-Schnittstelle inklusive der entsprechenden Verkabelung. Unsere Vision ist denkbar einfach: Ethernet von der Cloud bis in die Feldebene.Zum anderen gibt es den Trend zur Miniaturisierung: Die Geräte werden immer kompakter und smarter. Daraus resultieren wiederum begrenzte Platzverhältnisse an den Geräten, die uns als Hersteller zwingen, kleinere Steckverbinderlösungen zu entwickeln. Unsere Antwort darauf heißt M8 D-kodiert!

Ist der Steckverbinder einfach durch Downsizing der bestehenden M12-Varianten entstanden?

Matthias Domberg: Interessante Frage. Technisch betrachtet ist der M8 D-kodiert nicht besser oder schlechter als ein M12 D-kodiert. Der M12 setzt heute schon Kontakte mit 1 mm Durchmesser ein. Unglücklicherweise wurde für den M8 ein anderes Kontaktmaß gewählt. Deswegen konnten wir nicht einfach auf bestehende Komponenten zurückgreifen. Wir mussten einen neuen Isolierkörper entwickeln, neue Kontaktgeometrien und ich brauche natürlich auch eine zuverlässige Schirmanbindung.

Passen wenigstens die bisherigen M8-Steckereinsätze zur Mechanik des M8 D-kodiert?

Matthias Domberg: Bedauerlicherweise die auch nicht. Für den M8 D-kodiert gibt es mit der IEC 61076-2-114 eine eigene Norm, die nach aktuellem Stand zwei Steckgesichter beschreibt, den M8 in der D-Kodierung, mit einem Kontaktdurchmesser von 0,8 mm sowie die P-Kodierung mit einem Kontaktdurchmesser von 1 mm. Beide kombinieren Kommunikation und Power in einem Kabel. Der M8 D-kodiert soll künftig primär für Ethernet-Anwendungen eingesetzt, während der M8 mit P-Kodierung ausschließlich für EtherCat P-Anwendungen vorgesehen ist.

Wenn es um die Größe geht, wie viel kleiner baut denn der M8?

Matthias Domberg: Die Einsparung in der Fläche bei dem M8-Leiterplattenadapter liegt bei etwa 20 Prozent im Vergleich zum M12. Wichtiger ist, dass sich das Rastermaß für den Leiterplattenadapter verringert. Das reduziert den Abstand benachbarter Steckverbinder auf einer Frontplatte um rund 20 Prozent. Es passen also mehr Steckverbinder auf die vorhandene Fläche eines Switches, der künftig ebenfalls deutlich kompakter sein wird.

"Kompaktere Geräte brauchen logischerweise auch kleinere Stecker."

„Kompaktere Geräte brauchen logischerweise auch kleinere Stecker.“ Harting

Ist das in der Praxis gut beherrschbar? Bei den typischen M8 I/O-Verteilern artet ein Steckerwechsel meist zur Fusselei aus.

Matthias Domberg: In Puncto ‚Fusselei‘ haben Sie recht. Die Baugröße des M8-Steckverbinders ist nicht das Problem. Viel spannender wird die Suche nach einer einfacheren Lösung für die Verriegelung des Steckverbinders. Die aktuelle Schraubverriegelung ist zwar akzeptiert aber nicht unbedingt anwenderfreundlich im Servicefall. Es wird zum korrekten Verriegeln immer noch ein Werkzeug benötigt.

Sie arbeiten also an Push/Pull-Varianten?

Matthias Domberg: Ja, es wird eine Lösung mit einem alternativen Verriegelungs­mechanismus geben. Die positiven Erfahrungen, die wir beim M12-Steckverbinder mit der Push/Pull-Verriegelung gemacht haben, werden wir auf die Baugröße M8 übertragen.

Worauf kommt es bei der Miniaturisierung an?

Matthias Domberg: Es hilft Niemandem, wenn die Stecker immer kleiner werden und sich dadurch schwerer konfektionieren lassen. Unsere Kunden brauchen am Ende des Tages eine Lösung, die zum einen zuverlässig und robust ist und zum anderen handhabbar bleibt. Daher haben wir uns zunächst für eine umspritzte Lösung entschieden, um zusammen mit einem Leiterplattenadapter eine durchgängige Lösung bereitzustellen.

Sind die M8-Stecker bei den Abmessungen überhaupt noch vor Ort an der Maschine konfektionierbar?

Matthias Domberg: Das müssen sie sein, daran kommen wir nicht vorbei. Und mit unserem Harax-Schneidklemmanschluss haben wir das entsprechende Know-how. Bei den Standard-M8-, M12- oder 7/8“-Rundsteckverbindern haben wir damit Erfahrungen sammeln können. Deshalb wird es auch zukünftig eine M8 D-kodierte Variante mit Schneidklemmanschluss geben.

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