Angesichts jüngster Ereignisse in der weltweiten Finanzwirtschaft werden die Auswirkungen auf die Realwirtschaft auch im Bereich der Elektronikindustrie zunehmend spürbar. Neben zu erwartenden Mengenrückgängen kommen auch die Preise weiter unter Druck, wodurch Volumsaufträge zukünftig in Österreich nur noch in Ausnahmefällen gefertigt werden können. Tendenziell war zwar bereits in den letzten Jahren ein Abwandern von Volumsaufträgen nach Asien zu beobachten, der Trend wird aber durch die zunehmend spürbare Wirtschaftkrise nochmals beschleunigt.

Diese Entwicklungen, die in den letzten Wochen durch viele Gespräche mit Kunden der AT&S (www.ats.net) bekräftigt wurden, erfordern kapazitätsmäßige Anpassungen am Standort Leoben-Hinterberg. Mit diesen Anpassungen soll der Standort Leoben-Hinterberg als Technologietreiber und als Spezialist für Prototypen- und schnelles Geschäft für die AT&S Gruppe bestmöglich abgesichert werden. Für diese Neuausrichtung des Standortes werden rund 3 Mio. € investiert. Von den Kapazitätsanpassungen sind am Standort 293 eigene Mitarbeiter und 159 Leiharbeiter betroffen; somit wird der Mitarbeiterstand von derzeit 1 370 auf 918 Mitarbeiter verringert.

Die Produktionskapazitäten – gemessen in produzierter Leiterplatten-Fläche – werden mit diesem Schritt von derzeit ca. 215 000 auf zukünftig 130 000 m² angepasst. Einige der in Leoben-Hinterberg nicht mehr nutzbaren Maschinen werden im neuen Werk in Indien zum Einsatz kommen und die dortige Investitionssumme um etwa 7,4 Mio. € reduzieren.

Die Restrukturierungskosten werden in Summe 20,4 Mio. € betragen und teilen sich auf Kosten des Personalabbaus, Gebäudeabschreibungen und sonstige Anpassungskosten auf. Die genauen Kosten werden erst nach Ausarbeitung eines Sozialplanes mit der Belegschaftsvertretung fest stehen. AT&S rechnet damit, die ersten Kündigungen bis zum Ende des Jahres 2008 auszusprechen, sodass der Personalabbau mit Ende des Geschäftsjahres 2008/09 im Wesentlichen abgeschlossen sein sollte.

Das Werk Leoben-Hinterberg wird in Zukunft primär den europäischen Markt bedienen und in der verbleibenden HDI-Volumsfertigung Produkte für die Bereiche Mobile Devices und Automotive erzeugen. Darüber hinaus werden an dem Standort innovative Projekte wie etwa Hermes (Integration von aktiven Bauteilen in das Innere der Leiterplatte im Volumsgeschäft) forciert, um so die technologische Führerschaft der AT&S-Gruppe abzusichern. Die bereits auf den europäischen Markt, insbesondere auf das Industrial-Geschäft, ausgerichtete schnelle Produktion und Fertigung kleinerer Serien, Prototypen und Spezialprodukten soll auch in Zukunft weiter wachsen. Der Geschäftsbereich Industrial wuchs im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres zum Vergleichszeitraum des Vorjahres um satte 16 %.