Underwriters Laboratories (UL), 1894 als unabhängige Organisation gegründet, untersucht und zertifiziert Produkte in Bezug auf deren Sicherheit. Eine UL-Zulassung erleichtert den Eintritt in den kanadischen und US-amerikanischen Markt. In den verschiedenen Zulassungsarten und deren Akzeptanz bei den Prüfern gibt es jedoch große Unterschiede. Bevor eine UL-Zulassung angestrebt wird, sollten daher Inhalte sowie Vor- und Nachteile der jeweiligen Zulassungsart bekannt sein.

Problem vorprogrammiert

Werden beispielsweise in einer Fabrikhalle mehrere Maschinen aufgestellt und mit einer PUR-ummantelten Schleppkettenleitung verkabelt, hat diese eine Zulassung nach UL-Recognized AWM-Style oder UL-Listed CMX. Das Material PUR eignet sich zwar sehr gut für permanent bewegte Leitungen mit langer Standzeit und langer Lebensdauer, erfüllt jedoch nicht die im US-amerikanischen Markt üblichen, hohen Anforderungen an die Flammwidrigkeit. Daher empfiehlt sich PUR nur für die Verkabelung in der Maschine, nicht aber zur Verkabelung zwischen den Maschinen. Das Problem besteht darin, dass die Leitungen beispielsweise am Boden in Kabelschächten oder über Kabeltragschienen verlegt werden. Diese Verlegart fällt unter die Gebäudeverkabelung (CM/CMG) und muss einen Bündelbrandtest erfüllen. Bei der so genannten Pritschenverlegung wird eine hohe Flammwidrigkeit verlangt. So würde ein für die Prüfung zuständiger Fire Marshal zwar die Verkabelung in der Maschine abnehmen, jedoch nicht die zwischen den Maschinen. Für den Maschinenbauer kann das teure Folgen haben, denn das verbaute Kabel wäre komplett oder teilweise wieder zu entfernen und zum Beispiel durch eine PVC-Ausführung zu ersetzen, die UL-Listed CMG zugelassen ist.

Der kleine Unterschied

US-amerikanische Prüfer unterscheiden zwischen der UL-Listed Norm und dem Prüfsiegel UL-Recognized. UL-Listed-Norminhalte sind allgemein bekannt und genießen für die Verkabelung in Gebäuden, von Werksausrüstungen und für die Feldverkabelung von Maschinen und Anlagen eine höhere Akzeptanz. Wiederkehrende Normen haben die Prüfer meist sogar im Kopf und können bei Abnahmen schnell entscheiden. Maschinen- und Anlagenbauer profitieren in diesem Fall von signifikanten Zeiteinsparungen und erheblich geringeren Prüf- und Abnahmekosten.

Hinter UL-Recognized verbergen sich hunderte AWM-Styles (Appliance Wiring Material), die unter der Yellow Card zu finden sind. Die Yellow Card ist ein Ausweis von der UL, der die vorhandenen AWM-Styles eines Herstellers ausweist. Diese Zulassungsart ist vergleichbar mit der VDE-Registernummer. Die Zulassung wird nach folgendem Schema vergeben:

  • Ein Produkt für die Maschinen-/Geräteverdrahtung wird mit Angaben zur Applikation bezüglich Spannungsebene, Flammwidrigkeit, Temperaturbereich usw. bei UL eingereicht.
  • Die Behörde prüft dieses Produkt hinsichtlich der Anforderungen und erteilt einen vorhandenen AWM-Style, wenn die Paramater passen.
  • Ist das nicht der Fall, wird ein neuer AWM-Style erlassen.

Aufgrund der zahlreichen AWM-Styles sind den Prüfern die zugehörigen Klassifizierungen nicht immer auf Anhieb bekannt. Die erforderliche Recherche kann bei 50 bis 80 verschiedenen Kabeln pro Maschine sehr aufwändig werden. Unter Umständen gibt es dann noch ein Kriterium, das die Abnahme verhindert. In der Folge muss umgerüstet und eine neue Zulassung beantragt werden, was einen hohen Zeit- und Kostenaufwand verursachen kann.

Handlungsempfehlungen

Einkäufer oder Techniker sollten daher immer zuerst auf die UL-Listed Norm setzen. Sie ist auf dem Kabel einfacher zu überprüfen und es kann eine schnellere Abnahme erfolgen. Erst wenn keine entsprechende Norm zu finden ist, empfiehlt sich die Suche nach einem passenden AWM-Style.

Übersicht der UL-Listed Typen

Übersicht der UL-Listed Typen Helukabel

Dennoch haben AWM-Styles auch Vorteile: Sie sind speziell auf eine Anwendung zugeschnitten, denn nicht jede Applikation passt in die UL-Norm. Eine Holzbearbeitungsmaschine stellt andere Anforderungen an die Verkabelung als eine metallverarbeitende Maschine oder die Mechanik von Robotern. Es ist wichtig zu wissen,  welche konkreten Anforderungen für eine Applikation erfüllt werden müssen und wie die Installationsmöglichkeiten bei unterschiedlichen Anbietern in Nordamerika aussehen. Das unterscheidet sich eventuell sogar von Bundesstaat zu Bundesstaat. Zu empfehlen ist auch, die vorgesehene Applikation mit den Installateuren zu diskutieren. Die richtige Auswahl lässt sich nur treffen, wenn alle Anforderungen der Applikation bekannt sind.

Beispiel Schleppkettenleitung: Die richtige Auswahl des Kabels

Eine Schleppkettenleitung soll in UL ausgeführt werden. Dafür können standardmäßig PUR- oder PVC-Qualitäten gewählt werden,  die PVC-Qualität als CM- oder CMG-Listed, die PUR-Qualität in AWM-Style oder als CMX-Listed. Letztere erfüllt jedoch nur den Einzelkabelbrandtest, sodass sich brandtechnisch kein Vorteil ergibt. Während den Prüfern bei der CMX-Norm sofort die relativ schwache Brandprüfung bekannt ist, ist bei dem AWM-Style eine Recherche nötig.

UL-Listed CMG zertifiziertes Profinetkabel

UL-Listed CMG zertifiziertes Profinetkabel Helukabel

Setzt man die CMG-Schleppkettenleitung mit PVC-Mantel ein, wird diese Leitung in der Kette zwar nicht so lange halten wie die PUR-Leitung, das Kabel lässt sich aber auch in der Pritsche verlegen. Prüfer werden diese Variante eher abnehmen.

Nordamerikanisch-europäische Divergenz

Europäische und nordamerikanische Zulassungen sind leider nicht immer konform, da sie historisch gewachsen sind. Bei den Europäischen Zulassungen haben die Inhaltsstoffe Priorität, zum Beispiel der Anteil an risikoreichen Weichmachern oder die Bleifreiheit (RohS oder REACH). So müssen beispielsweise Kabel, die in Gebäuden verlegt werden, halogenfrei sein und/oder eine geringe Rauchdichte oder Toxizität aufweisen. Bei amerikanischen Zertifizierungen steht die Flammwidrigkeit an erster Stelle.

UL-Listed bei Datenleitungen

Datenleitungen werden in der Norm UL444 beschrieben. Je nach Anwendungsfall und Flammwidrigkeit gibt es die Normzuordnung CMP, CMR, CM, CMG und CMX. Das Portfolio für Datenleitungen umfasst diverse PVC-Varianten CM oder CMG UL-Listed (Bündelbrandtest), aber auch AWM-Style UL-Recognized (vertikaler oder horizontaler Einzelbrandtest). Gleiches gilt für FRNC-Ausführungen (Flame Retardant Non-Corrosive). Für die PUR-Varianten stehen CMX UL-Listed oder UL-Recognized zur Verfügung. Beide sind nur mit vertikalem oder horizontalem Einzelbrandtest möglich. Kabel mit einem PE-Mantel für Außen- oder Erdverlegung haben keine Flammwidrigkeit und daher auch keine UL-Zertifizierung. PUR kann in der Flammwidrigkeit keinen Bündelbrandtest bestehen, verfügt aber über zahlreiche chemische und mechanische Resistenzen. In der Kettenanwendung hat die Leitung im Vergleich zu PVC-basierenden Werkstoffen eine höhere Lebensdauer. Wichtig ist jeweils die auf die Anwendung exakt abgestimmte Auswahl.

Unterschiede in den zulassungsarten

Während die Inhalte der UL-Listed Norm weitgehend bekannt und akzeptiert sind, verbergen sich hinter dem Prüfsiegel UL-Recognized zahlreiche AWM-Styles, die bei der Prüfung eine aufwändige Recherche verlangen. Zeit- und Kosten bei der Prüfung lassen sich sparen, wenn Produkte, Maschinen und Anlagen der UL-Listed Norm entsprechen. Für spezielle Applikationen, die in der Norm keine Entsprechung finden, bietet sich das UL-Recognized Prüfsiegel an.