Das nickeldotiere Originallot SN100C gehört zum meistverwendeten Wellenlot Europas und wurde in der neuesten Ausgabe der DIN EN ISO 9453:2014 als Alloy 403 (Sn99,25Cu0,7Ni0,05) zum internationalen Standard erhoben.

Das nickeldotiere Originallot SN100C gehört zum meistverwendeten Wellenlot Europas und wurde in der neuesten Ausgabe der DIN EN ISO 9453:2014 als Alloy 403 (Sn99,25Cu0,7Ni0,05) zum internationalen Standard erhoben. Balver Zinn

Den Mitarbeitern mit der Arbeit auch die Verantwortung zu delegieren war das Credo von Vater Josef Jost (m.) und ist heute Teil der Unternehmensphilosophie und Erfolgsrezept: Balver Zinn wird in heute in dritter Generation von Josef (l.) und Gregor Jost (r.) geleitet.

Den Mitarbeitern mit der Arbeit auch die Verantwortung zu delegieren war das Credo von Vater Josef Jost (m.) und ist heute Teil der Unternehmensphilosophie und Erfolgsrezept: Balver Zinn wird in heute in dritter Generation von Josef (l.) und Gregor Jost (r.) geleitet. Balver Zinn

Die Anfänge von Balver Zinn nehmen sich noch bescheiden aus, doch von da ging es stetig bergauf.

Die Anfänge von Balver Zinn nehmen sich noch bescheiden aus, doch von da ging es stetig bergauf. Balver Zinn

Mit der rasanten Expansion wurde auch ein größerer Produktionsstandort notwendig. Im Jahr 1990/91 startete das Unternehmen mit der Lotdrahtfertigung Ba-Ti-Loy, wodurch ein Jahr später der Bau der Zinkdrahtfertigung mit Lagerhalle erforderlich wurde.

Mit der rasanten Expansion wurde auch ein größerer Produktionsstandort notwendig. Im Jahr 1990/91 startete das Unternehmen mit der Lotdrahtfertigung Ba-Ti-Loy, wodurch ein Jahr später der Bau der Zinkdrahtfertigung mit Lagerhalle erforderlich wurde. Balver Zinn

Die Söhne Josef (l.) und Gregor (r.) traten die Nachfolge des vom Vater Josef Jost (m.) aufgebauten Unternehmens an.

Die Söhne Josef (l.) und Gregor (r.) traten die Nachfolge des vom Vater Josef Jost (m.) aufgebauten Unternehmens an. Balver Zinn

1976 hieß das Unternehmen noch „Josef Jost Zinn- und Metallgroßhandel“. Der sperrige Firmenname wurde sieben Jahre später in die heutige Namensgebung umgewandelt: Balver Zinn.

1976 hieß das Unternehmen noch „Josef Jost Zinn- und Metallgroßhandel“. Der sperrige Firmenname wurde sieben Jahre später in die heutige Namensgebung umgewandelt: Balver Zinn. Balver Zinn

Es war ein riesiger Vertrauensvorschuss, den Vater Josef Jost seinen beiden Söhnen Josef und Gregor gab, als er sich dauerhaft aus seinem Unternehmen verabschiedete und dessen Weiterführung in andere Hände legte: „Dass er zuversichtlich war, dass wir es schaffen, sein Unternehmen, das er aufgebaut hat, in seinem Sinne, seinen Grundsätzen und Philosophien weiterzuführen, zeigt deutlich welch großen Wert er darauf legte, dass Menschen unter seiner Ägide eigenverantwortlich arbeiten“, erinnert sich der heutige kaufmännische Geschäftsführer Josef Jost an die Stabsübergabe. Dass man sich vier Jahrzehnte später als „Global Player“ auf dem Weltmarkt positionieren würde, hatten er und sein Bruder bei der Eintragung ins Handelsregister und der damit einhergehenden Grundsteinlegung von Balver Zinn im sauerländischen Hönnetal nicht wirklich fest eingeplant – aber genau so ist es gekommen: Balver Zinn gehört zu den mittelständischen Unternehmen, die sich dank innovativer Produkte und motivierter Mitarbeiter bei ihren Kunden weltweit einen Namen gemacht haben. „Unser Vater hat den Mitarbeitern mit der Arbeit auch die Verantwortung delegiert“, resümiert Jost das Erfolgsgeheimnis, das auch er selbst weiterverfolgt: „Diese Einstellung ist Teil unserer Unternehmensphilosophie und auch Teil meines persönlichen Führungsstils. Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mitarbeiter in seinem Beruf seine Exzellenz suchen und verantwortungsvoll damit umgehen kann.“

Schritt für Schritt in die Zukunft

Als „Josef Jost Blei- und Zinnschmelzerei Metallgroßhandel“ ging Balver Zinn im Jahr 1976 inklusive Produktionshalle und Bürogebäude als Einzelunternehmen an den Start. Indes musste der gleichnamige Gründer keineswegs bei null anfangen, sondern konnte auf ein fundiertes Know-how aufbauen, war die Familie Jost doch bereits Ende des 19. Jahrhunderts in der Metallverarbeitung tätig. Das Gespür und die Liebe zu Metall waren Triebfeder für die rasante Expansion. So vollzog sich in den Jahren 1977 und 1984 der erste Produktionsausbau und in den Jahren 1986/87 der Bau der Zinkgießerei sowie der Verwaltung im Gewerbegebiet des Ortsteils Balve-Garbeck. Im Jahr 1983 erfolgte die Umfirmierung auf „Balver Zinn KG Josef Jost“ und im Jahr 1999 in die bis heute aktuelle Rechtsform „Balver Zinn Josef Jost GmbH & Co. KG“.

Das Unternehmen, das sich zunächst mit speziellen Produkten aus Zinn einen Namen in der Branche gemacht hatte, entwickelte sich stetig weiter. Als sich das Unternehmen Anfang der 1980er Jahre im Bereich der Oberflächenveredelung auf die Verzinkung fokussierte, gewann man weltweit operierende Unternehmen aus verschiedenen Branchen für sich: Das waren allen voran Kunden aus der Automobil-Zulieferindustrie, der Hausgerätebranche und der Medizintechnik. Der einseitig oder beidseitig aufgebrachte Zinküberzug schützt das Stahlblech der Gehäuse einerseits dauerhaft gegen Korrosion und bildet andererseits einen sehr guten Haftgrund für die anschließende Lackbeschichtung. Auch beim Bau von Stahlseilbrücken und vielen weiteren Anwendungsgebieten mit hohen Oberflächenanforderungen kommt das Zink von Balver Zinn zum Einsatz. Es wird in Abhängigkeit vom Bedarf des Kunden in Form von Platten, Knüppeln oder als Schüttgut geliefert.

Der ursprünglich für den Hersteller namensgebende Werkstoff Zinn, der weiterhin für Konservendosen und in der Elektrotechnik benötigt wird, wurde durch die Zink-Anoden inzwischen auf Platz zwei verdrängt. Heute stellt Balver Zinn am Standort Balve-Garbeck sowohl Zink- als auch Zinn-Legierungsprodukte her, wobei als Verfahren der Kokillen- und der Strangguss, das Walzen und das Ziehen von Draht sowie das Pressen und Konfektionieren von Anoden zum Einsatz kommen. Im zweiten Werk werden einerseits chemische Produkte wie Pasten und Flussmittel hergestellt, andererseits Zinn-Legierungen sowohl gegossen als auch recycelt. Außerdem sind hier das Labor sowie die Abteilung Forschung und Entwicklung ansässig. Gleiches gilt auch für den Produktionsstandort im niederländischen Breda.

Eintauchen in die Löttechnik

Was zeichnet also einen Global Player aus? Nicht nur die Fähigkeit, sich als Mittelständler erfolgreich am internationalen Wettbewerb zu beteiligen. Vielmehr gilt es, den Takt in Form von Technik, Qualität und Innovation anzugeben und dadurch eine Vormachtstellung einzunehmen. Den Abstand zum Wettbewerb auszubauen, gelang den Brüdern mit der Lotdrahtfertigung Ba-Ti-Loy ab 1990/91, an die sich die erste Qualitätsmanagement-Zertifizierung nach DIN 9000/9002 anschloss. „Verantwortung zu delegieren, schafft die notwendigen Freiräume, um das Unternehmen für die Zukunft auszurichten“, kommentiert Josef Jost den Meilenstein in der noch jungen Firmengeschichte. Im Jahr darauf erfolgte der Bau der Zinkdrahtfertigung und ab 1994 wurde in eine Lagerhalle investiert.

Das Gespür für die künftigen Kundenanforderungen bewog Josef Jost auch, sich frühzeitig kompetente Technologiepartner zu suchen. So kam es, dass bereits zwei Jahre nachdem die erste Umweltmanagement-Zertifizierung nach DIN 14001 erfolgte, Balver Zinn im Jahr 2002 mit dem japanischen Lotmaterialienhersteller Nihon Superior kooperierte. Damit hatte Jost klar einen Trumpf in der Hand, denn die Elektronikfertiger mussten sich der bleifreien EU-Richtlinie beugen, die im Jahr 2006 in geltendes Gesetz umgewandelt wurde: Nihon Superior gilt als der Erfinder des Lotes SN100C und Balver Zinn war mit dem Coup einer der ersten Lizenznehmer dieser bleifreien Legierung. Der enge Schulterschluss mit dem japanischen Hersteller trieb die Pionierarbeit von Balver Zinn auf diesem Gebiet voran. Mit der Folge, dass sich das Unternehmen nunmehr in der Lage sah, den „Markt für bleifreie Lotmaterialien im großem Maßstab in unserem Sinne zu steuern, um die eigene Position weiter ausbauen und konsolidieren zu können“, betont Jost und merkt weiter an: „Inzwischen ist es nicht nur gelungen, den ehemaligen Exoten zu etablieren – heute ist das nickeldotierte Originallot SN100C das meistverwendete Wellenlot in Europa.“

Aus Standardlot wird internationale Norm

Das Standardlot wurde inzwischen als Alloy 403 (Sn99,25Cu0,7Ni0,05) in die neueste Ausgabe der DIN EN ISO 9453 aufgenommen. In dieser Norm wurde der maximal zulässige Bleigehalt für Lote auf maximal 0,07 Prozent (statt 0,1 Prozent) gesenkt. In diesem Zusammenhang warnt Balver Zinn ausdrücklich vor Imitaten, die diesen Grenzwert überschreiten. Neben der patentgeschützten bleifreien Lotlegierung SN100C bietet das umfangreiche Portfolio weitere Lote und Lotpasten, Massivdrähte und Reinzinn-Anoden sowie viele verschiedene Produkte für die elektronische und galvanische Industrie. Innerhalb der Sparte Oberflächenveredelung bildet auch die Produktion von Chrombad-Anoden einen wichtigen Teilbereich. Diese Bleilegierungs-Anoden kommen in der Galvanik zur Verchromung zum Einsatz. Sie finden aber auch bei vielen anderen Aufgabenstellungen ihre Anwendung, bewirken sie aufgrund hochqualitativer Fertigungsprozesse eine sehr hohe Reinheit und Gleichmäßigkeit der Materialien. Als weitere Ausgangsmaterialien im Bereich Oberflächenveredelung sind die Sputter-Targets zu nennen. Diese Werkstoffe werden – je nach Kundenanforderung – in Form von Planar-Targets hergestellt.

Im November 2013 entschloss sich der Hauptlizenznehmer Balver Zinn mit Erlaubnis der Nihon Superior, Sublizenzen für das Originallot SN100C an ausgewählte Lothersteller zu vergeben. Das Unternehmen ging auf zwei Marktteilnehmer zu, die einen gleichbleibenden und sauberen Prozess garantieren konnten. Diese beiden Unternehmen produzieren seither SN100C nach dem noch einige Jahre gültigen Patent und vertreiben die Legierung weltweit, mit Ausnahme von Großbritannien und Irland.

Einstieg in die Flussmittelindustrie

„Um ein Unternehmen fit für die Zukunft zu machen, muss man es kontinuierlich weiterentwickeln“, bekräftigt Josef Jost mit Blick auf einen weiteren Meilenstein in der Unternehmensgeschichte. Im September 2007 erfolgte der Zukauf von Cobar Europe mit Sitz im niederländischen Breda samt deren US-Division Cobar Solder Products. Während der überwiegende Anteil des Auslandsgeschäftes von Balver Zinn über Distributoren erfolgt, dienen die Cobar-Standorte Breda in der niederländischen Provinz Nordbrabant und Little River im US-Bundesstaat South Carolina als firmeneigene Vertriebsstandorte, die die Kunden im Benelux-Markt einerseits und im US-Markt andererseits mittels eines Vertreternetzwerks bedienen. Das Kernabsatzgebiet Deutschland wird zu 80 Prozent im Direktvertrieb vom Stammsitz Balve aus bearbeitet. Balver Zinn und Cobar werden zwar weiterhin als eigenständige Unternehmen geführt – der Auftritt der beiden Marken lässt jedoch klar erkennen, dass sie zusammengehören.

SMT Hybrid Packaging 2016: Halle 7, Stand 320

Mittelständischer Global Player

In den vergangenen 40 Jahren stieg Balver Zinn sukzessive zu einem der weltweit größten Produzenten von Spezialprodukten der Elektrotechnik auf: Bleifreies Lot, Lotpasten und hochwertige Verchromungsanoden sowie Draht und Flussmittel sind die stabilen, zukunftsorientierten Standbeine, die das Unternehmen heute tragen. Das Familienunternehmen, das heute in dritter Generation von Josef und Gregor Jost geleitet wird, engagiert sich bei verschiedenen sozialen und kulturellen Projekten in der Region. Mit über 42 Mio. Euro Umsatz und gut 100 Mitarbeitern ist das Unternehmen für die kommenden Jahre gut gerüstet.