VDA-Präsident Matthias Wissmann: „Die Batterie ist der entscheidende Schlüssel zur Elektromobilität“

VDA-Präsident Matthias Wissmann: „Die Batterie ist der entscheidende Schlüssel zur Elektromobilität“

„Die deutsche Automobilindustrie begrüßt, dass die Bundesregierung mit dem ‚Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität’ die strategisch wichtige Herausforderung Elektromobilität aufgreift und voranbringt“, betonte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), in Berlin auf der Nationalen Strategiekonferenz Elektromobilität, die von vier Bundesministerien (Wirtschaft, Verkehr, Umwelt, Forschung) veranstaltet wird. „Nur ein gemeinsames und ganzheitliches Vorgehen von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Energieversorger führt zum Erfolg.“

In der Öffentlichkeit werde die Vision des emissionsfreien Verkehrs rund um das Elektrofahrzeug breit diskutiert. Dabei würden zum Teil überzogene Erwartungen geweckt, betonte Wissmann: „So rasch, wie manche meinen, wird dieser alternative Antrieb nicht in der Großserie verfügbar sein. Allerdings wird intensiv daran gearbeitet. Unter Fachleuten ist jedoch klar, dass mindestens in den nächsten zehn Jahren der optimierte Verbrennungsmotor – Benziner ebenso wie Clean Diesel – noch das Rückgrat der individuellen Mobilität bleiben wird. Das sollte deutlich gesagt werden. Denn eines können wir uns in der jetzigen Situation nicht leisten: Die Kunden zusätzlich zu verunsichern.“

Wer heute ein Neufahrzeug mit geringem Verbrauch sucht, trifft nach Angaben des VDA auf ein großes Angebot: Mehr als 80 Modelle deutscher Marken benötigen weniger als 5 l/100 km, das entspricht einem CO2-Wert von weniger als 130 g/km. Allein in diesem Jahr haben die deutschen Automobilhersteller die CO2-Emissionen der Neufahrzeuge um über 3 Prozent gesenkt. „Wir kommen damit bei der CO2-Reduzierung deutlich schneller voran als unsere Wettbewerber“, unterstrich Wissmann.

Der Elektroantrieb habe durch seinen hohen Wirkungsgrad und seine Null-Emissionen ohne Zweifel ein großes Potenzial für den effizienten Energieeinsatz, gerade in den Ballungsregionen. Zur Umsetzung seien allerdings noch einige Voraussetzungen notwendig: Die Verfügbarkeit von leistungsfähigen Energiespeichern, der Aufbau einer standardisierten Infrastruktur zum Laden der Fahrzeuge, die Bereitstellung von umweltfreundlicher regenerativer Energie, die Akzeptanz des Kunden für Elektrofahrzeuge, die Incentivierung von Elektrofahrzeugen sowie verlässliche politische Rahmenbedingungen.

Der VDA-Präsident betonte: „Die Batterie ist der entscheidende Schlüssel zur Elektromobilität.“ Die bisherigen Speicher waren zu schwer, zu schwach und zu teuer. Jetzt sei, so Wissmann, mit der Lithium-Ionen-Batterie die Lösung in Sicht: „Diese Speichertechnik bedeutet einen Quantensprung, der bei Energie- und Leistungsdichte sowie Langlebigkeit allen bisher verwendeten Technologien weit überlegen ist. Wer hier die Nase vorn hat, sichert die Märkte der Zukunft.“ Deshalb sei es so wichtig, dass die Politik die Grundlagenforschung auf diesem Feld finanziell unterstützen. (Einen entsprechenden Kommentar hierzu finden Sie auch im Editorial der electronica-Sonderausgabe der AUTOMOBIL-ELEKTRONIK, die bereits Anfang November erschien.)

Die deutsche Automobilindustrie treibt zusammen mit der Batterieindustrie die Entwicklung von immer kleineren, leichteren und preiswerteren Lithium-Ionen-Batterien voran. Wissmann betonte: „Wir stehen aber noch am Anfang dieser Technologie.“ Jetzt müssten in Deutschland die technologische Basis und entsprechende Produktionsstätten geschaffen werden. Es werde daher ein Aktionsplan benötigt, der die Forschungsaktivitäten in Deutschland im Bereich der Batteriezellen und zur Lithium-Ionen-Batterie erheblich verstärkt, den Aufbau von Prüfkapazitäten und Serienlieferanten am Standort Deutschland voran treibt und die technologische Entwicklung zur Erhöhung von Langlebigkeit, Kostenreduzierung, Standfestigkeit und Speicherdichte beschleunigt.

Die vom Forschungsministerium eingesetzte und auf einen Zeitraum von vier Jahren aufgeteilte Summe von 60 Millionen Euro im Projekt „Lithium-Ionen-Batterie-LIB 2015“ sei sicherlich ein erster Schritt in die richtige Richtung. Dem müssten allerdings weitere folgen, wie z. B. die Einrichtung eines Innovationszentrums für Batterietechnologie, um eine Keimzelle der Batterietechnologie am Standort Deutschland zu schaffen. „Im weltweiten Wettlauf gilt es aufzuholen“, betonte Wissmann und wies darauf hin, dass die FuE-Investitionen für Energiespeicher in Japan bei über 200 Millionen Dollar liegen.

Die Automobilindustrie habe auch unter dem Dach des VDA die Aktivitäten zur Entwicklung dieser Basistechnologie für das Elektrofahrzeug erheblich voran getrieben. Wissmann: „Es wird jedoch die Kraft aller benötigt, um diese Schlüsseltechnologie am Innovationsstandort Deutschland zu etablieren und zur Serienreife im Elektrofahrzeug zu entwickeln.“

So müsse etwa eine neue Infrastruktur zur kundenfreundlichen Betankung des Fahrzeugs mit Strom europaweit über einheitliche Schnittstellen verfügen, einfach, sicher und zuverlässig bedienbar sein sowie ein transparentes Abrechnungssystem haben. Zudem sei der Wettbewerb sicherzustellen.

Wissmann unterstrich: „Voraussetzung ist also die Standardisierung der Schnittstellen zwischen Infrastruktur und Fahrzeug, die auf europäischer technologischer Basis schnellstmöglich umgesetzt werden muss. Rasches Handeln ist angesagt. Und natürlich sollte die regenerative Erzeugung von Strom Voraussetzung für eine nachhaltige Elektromobilität sein.“

Auf dem Kongress stellen zudem verschiedene Hersteller und Zulieferer – darunter BMW, Daimler, Volkswagen und Continental – sowie Energieversorgungsunternehmen ihre Aktivitäten im Bereich Elektromobilität im Rahmen eines Messestandes vor. (av)