Bild 1: Nicht nur im „Connected Golf“ ist die Anbindung von Smartphones per MirrorLink, Android Auto (Google) und Car Play (Apple) möglich.

Bild 1: Nicht nur im „Connected Golf“ ist die Anbindung von Smartphones per MirrorLink, Android Auto (Google) und Car Play (Apple) möglich.Volkswagen

Wer auf der CES nach Infotainment-Lösungen Ausschau hielt, der spürte es deutlich: Die Autos von morgen werden zum Teil erheblich andere Bedienkonzepte haben als aktuelle Fahrzeuge. Diese Umstellung auf neue Bedienkonzepte erfolgt mit einem für die Automobilindustrie gigantischen Tempo. So zeigte Atmel unter anderem seine Konzeptstudie Avantcar 2.0 – eine Mittenkonsole zur Demonstration von Zugangssystemen, Vernetzung im Auto, Mikrocontrollern, Audio-Streaming per Ethernet-AVB sowie von Produkten zur Authentifikation per Kryptographie. Diese zweite Demo-Generation kommt ganz ohne mechanische Knöpfe aus und nutzt statt dessen aktive Touchscreens mit Touch-Buttons, Slidern und mehr Elementen, die auch gebogen sein können (Bild 4).

Bild 2: Bei Continental waren OLED-Displays in verschiedenen Variationen zu sehen – auch mit gebogener Anzeigefläche.

Bild 2: Bei Continental waren OLED-Displays in verschiedenen Variationen zu sehen – auch mit gebogener Anzeigefläche.Alfred Vollmer

Stephan Thaler, der bei Atmel für Avantcar 2.0 und Touchtechnologien zuständig ist, betonte, dass der Demonstrator auch auf Näherungsgesten reagiert, weil dabei auch die QTouch-Technologie zum Einsatz kommt. Atmel fertigt in den USA ja bereits Nano-Touch-Strukturen für gebogene Consumer-Displays mit einem Radius ab 4 mm und will die Automotive-Qualifikation dieser Xsense genannten Technologie bis Ende 2015 abschließen. Im Gegensatz zu Standard-ITO-Strukturen sind die Xsense-Strukturen 75 % kleiner und dreimal so schnell. Die passenden Bibliotheken für Slider, Wheels und andere Elemente hat Atmel bereits, aber Stephan Thaler erwartet „frühestens in drei bis vier Jahren“ Autos mit Xsense-Technologie auf den Straßen (Bild 4).
Continental zeigte sogar ein gebogenes OLED-Display, das nach Angaben von Helmut Matschi, Mitglied des Vorstands und Leiter der Division Interior, „die Anforderungen für den Betrieb in Automobilen erfüllt und viele Jahre lang funktioniert“. Bis zur Serienreife vergehe aber noch mindestens ein Jahr. Bei der Integration des gebogenen OLED-Displays in ein Instrumenten-Cluster verschwanden die Ränder zwischen den einzelnen Elementen, was eine beeindruckende optische Anmutung ermöglicht (Bild 2).

Bild 3: Im Gegensatz zu Standard-ITO-Strukturen sind die Xsense-Touch-Strukturen von Atmel 75 % kleiner und dreimal so schnell, wobei der minimale Radius 4 mm beträgt.

Bild 3: Im Gegensatz zu Standard-ITO-Strukturen sind die Xsense-Touch-Strukturen von Atmel 75 % kleiner und dreimal so schnell, wobei der minimale Radius 4 mm beträgt.Alfred Vollmer

Produkte aus der Forschung

Harman zeigte auch einige Exponate aus der Forschungsabteilung, die frühestens in ein paar Jahren serienreif sein werden. So könnte eine Kamera den Fahrer erkennen und individualisierte Profile nutzen, wobei das Infotainment-System adaptiv lernt. Mit dem Sprachkommando „spiel etwas härteres“ könnte das System beim Hören der Band Led Zeppelin auf Musik von Aerosmith wechseln. Interessant wird es, wenn zwei bekannte Personen auf den vorderen Sitzen Platz nehmen, denn dann versucht das System, Musik zu finden, die dem Geschmack beider entspricht, sodass beispielsweise Queen und CCR ein guter Kompromiss sein könnte.

Bild 4: Harman arbeitet an einem Dreh-Drücksteller mit veränderbarem Durchmesser, die neue Formen der haptischen Rückmeldung ermöglicht.

Bild 4: Harman arbeitet an einem Dreh-Drücksteller mit veränderbarem Durchmesser, die neue Formen der haptischen Rückmeldung ermöglicht.Alfred Vollmer

Per Kameratechnologie ermittelt Harman auch, ob der Fahrer auf das Head-up-Display (HUD) oder auf die Straße beziehungsweise wo er auf die Straße schaut. Damit sollte auf den Sprachbefehl „Welches Gebäude ist das?“ die korrekte Antwort für das gerade betrachtete Gebäude folgen. Neben dem HUD befand sich in der Mittelkonsole ein voll automotive-qualifiziertes 15,6-Zoll-Display von Nippon Seiki, das Harman unter QNX betrieb. Außerdem zeigte Harman, wie sich inkrementelle Sicherheits-Updates mit der entsprechenden Systemsteuerung OTA (over the air) abwickeln lassen.

Bild 5: Visteon zeigte ein völlig neues Konzept für effiziente Updates über die Luftschnittstelle.

Bild 5: Visteon zeigte ein völlig neues Konzept für effiziente Updates über die Luftschnittstelle.Alfred Vollmer

Visteon löst das OTA-Problem übrigens per Multicast-Live-Streaming über LTE; so lassen sich große Datenmengen in kurzer Zeit an sehr viele Empfänger verteilen (Bild 5).
Texas Instruments hat etwa 50 % seiner Ausstellungsfläche den Automotive-Applikationen gewidmet – und das auf einer Messe, die sich mehrheitlich den Consumer-Produkten aller Couleur widmet. Zu den Technologiedemos bei TI zählten unter anderem ein Birdseye-Kamera-System, ADAS- und EPS-Demos. Ziemlich eindrucksvoll war auch eine Demo zur haptischen Rückmeldung, aber das Highlight auf dem TI-Stand war für die Redaktion ganz klar das HUD auf DLP-Basis (mit Mikrospiegeln), das Bilder in faszinierender Qualität liefert.

Bild 6: General Motors führt in den USA jetzt OnStar per LTE ein, um Zusatzdienste zu ermöglichen; auch für die entsprechende Markteinführung in Europa hat GM schon konkrete Pläne.

Bild 6: General Motors führt in den USA jetzt OnStar per LTE ein, um Zusatzdienste zu ermöglichen; auch für die entsprechende Markteinführung in Europa hat GM schon konkrete Pläne.General Motors

TI denkt daran, auch das Einspiegeln der Bilder aus der Rückfahrkamera per DLP-HUD in die Windschutzscheibe zu ermöglichen. Nach Angaben von Christoph Gromann, Business Development Manager DLP Products Automotive bei TI, sollen bereits 2016 Serienfahrzeuge mit DLP-HUD auf den Straßen unterwegs sein.