Nach vier Jahren sind die Projekte im Rahmen von Urban jetzt quasi abgeschlossen.

Nach vier Jahren sind die Projekte im Rahmen von Urban jetzt quasi abgeschlossen. UR:BAN

Den Verkehr der Zukunft sicherer und effizienter zu gestalten – dies hatten sich die Partner der Forschungsinitiative Urban zum Ziel gesetzt. Urban steht für „Urbaner Raum: Benutzergerechte Assistenzsysteme und Netzmanagement“. 31 Partner (siehe Kasten am Ende des Beitrags) entwickelten gemeinsam neue Fahrerassistenz- und Verkehrsmanagementsysteme für die Stadt.

Damit soll ein erheblicher Beitrag zur Erhöhung der Sicherheit im Straßenverkehr geleistet werden. Ziel ist es, die Anzahl der Verkehrsunfälle zu reduzieren und deren Schwere zu verringern. Bei der offiziellen Abschlusspräsentation zum Ende der vierjährigen Forschungsaktivitäten zeigten die Beteiligten zahlreiche Exponate sowie etwa 50 Demonstrationsfahrzeuge.

Vehicle in the Loop: Während der Fahrer mit einem realen Fahrzeug auf einer breiten Fahrbahn (zum Beispiel auf einer Verkehrsübungsfläche) fährt, sieht er in seiner Brille das rechts oben sichtbare live errechnete Bild der Testsituation – auch wenn er den Kopf dreht.

Vehicle in the Loop: Während der Fahrer mit einem realen Fahrzeug auf einer breiten Fahrbahn (zum Beispiel auf einer Verkehrsübungsfläche) fährt, sieht er in seiner Brille das rechts oben sichtbare live errechnete Bild der Testsituation – auch wenn er den Kopf dreht. UR:BAN

Kognitive Assistenz

Der Themenschwerpunkt Kognitive Assistenz präsentierte neuartige Systeme für den typischen Stadtverkehr wie Gegenverkehr bei Engstellen oder Spurwechsel mit kleinen Lücken. Auch das Notausweichen bei gefährlichen Situationen mit Fußgängern und Radfahrern konnten die Besucher der Abschlusspräsentation live erleben. Notwendig für die komplexen Verkehrssituationen in der Stadt ist eine zuverlässige Umgebungserfassung aller Verkehrsteilnehmer; diese umfasst erstmalig auch die Fußgängerabsichtserkennung.

So zeigte Audi beispielsweise ein System, das vor einem Hindernis automatisch bremst und dieses umfährt – und zwar mit einer Lenkwinkelreduktion von bis zu 75° – eine Überlagerungslenkung mit einem zweiten Lenkaktor macht’s möglich. Durch Einzelradabbremsung erzielte das Unternehmen zusätzlich eine Lenkwinkelreduktion um 20°. Sehr komplex ist auch die von Continental gezeigte Erkennung von Fußgängern und Einkaufswagen mit automatischem Ausweichen, wenn Bremsen allein nicht ausreicht. Die nächste Stufe ist dann das Erkennen verletzlicher Objekte. Wenn Bremsen nicht mehr ausreicht, rammt das Fahrzeug dann lieber einen Einkaufswagen, um so einen Rollstuhlfahrer oder Fußgänger zu verschonen.

Um Simulationsmodelle besser erstellen zu können, blendet dieses System das Verhalten des realen Fußgängers in eine virtuelle Fahrsituation ein.

Um Simulationsmodelle besser erstellen zu können, blendet dieses System das Verhalten des realen Fußgängers in eine virtuelle Fahrsituation ein. Alfred Vollmer

Mensch im Verkehr

Im Arbeitsbereich Mensch im Verkehr, dem dritten Themenschwerpunkt, stand der Mensch in all seinen Rollen als Teilnehmer im städtischen Verkehr im Mittelpunkt. Zur Erforschung des menschlichen Verhaltens entwickelten die Unternehmen neue Methoden und Systeme, welche die Absichten des Fahrers zum Beispiel aufgrund seiner Kopfbewegung rechtzeitig erkennen und ihm helfen, die Herausforderungen des Stadtverkehrs erfolgreich zu meistern. In realitätsnahen Simulationsumgebungen und Demonstratorfahrzeugen waren zudem neuartige Konzepte für die Mensch-Maschine-Interaktion zu sehen. Ein wesentlicher Punkt war dabei auch das sogenannte Warndilemma: Der Fahrer sollte nicht mit Warnungen belästigt (überwarnt) werden.

Vernetzte Verkehrssysteme

Auch Systeme zur Umfahrung von Staus sowie zur effizienteren Fahrweise im aktuellen Verkehrsfluss stehen bei Urban auf der Agenda.

Auch Systeme zur Umfahrung von Staus sowie zur effizienteren Fahrweise im aktuellen Verkehrsfluss stehen bei Urban auf der Agenda. Alfred Vollmer

Im Themenschwerpunkt Vernetzte Verkehrssysteme präsentierten die Beteiligten unter anderem die Fahrzeugfunktion Ampelassistenz im realen Verkehrsgeschehen. Dabei fuhr entweder das Fahrzeug teilautomatisiert durch eine Kreuzung oder der Fahrer erhielt Empfehlungen für das ideale Überqueren der Kreuzung. Die unterschiedlichen Funktionen wie Kreuzungslotse, Grüne-Welle-Assistent und Verzögerungsassistent arbeiteten dabei in diversen Versuchsfahrzeugen.

MAN demonstrierte beispielsweise ein Lkw-HMI zur Längsdynamikregelung, das die Ampelphasen auswertet und dann entsprechende Infos zum Ausrollen vor einer Ampel gibt. In einem anderen Projekt erhielten Verbrenner- und E-Fahrzeuge jeweils individuell auf den Motortyp zugeschnittene Routenempfehlungen, um so möglichst effizient zu fahren. Die smarte Kreuzung arbeitet mit Radarsensorik und erkennt auch Radfahrer, während der Kreuzungslotse Einsatzfahrzeuge mit eingeschaltetem Sondersignal aus 300 m Entfernung erkennt und entsprechend die Ampel auf grün schaltet.

Projekt UR:BAN

31 Partner aus Automobil- und Zulieferindustrie, Elektronik- und Softwarefirmen, Universitäten, Forschungsinstitute und Städte haben sich im Verbundprojekt UR:BAN zusammengeschlossen. In gemeinsamer Forschungsarbeit entwickeln sie bis Anfang 2016 neue Fahrerassistenz- und Verkehrsmanagementsysteme für die Stadt. Besondere Beachtung findet dabei der Mensch in seinen vielfältigen Rollen im Verkehrssystem – als Fahrer, Fußgänger, Radfahrer oder Verkehrsplaner.
Das Gesamtbudget für die Forschungskooperation beträgt 80 Millionen Euro. Rund 50 % davon trägt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi).
Beteiligt sind, Audi, BMW (AG und Group Forschung und Technik), Bosch, BAST (Bundesanstalt für Straßenwesen), drei Divisionen von Continental, Daimler, DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt), Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, Gevas Software, Heusch/Boesefeldt, Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlands, Ifak Magdeburg, MAN, Opel, PTV Group, IKA (Institut für Kraftfahrzeuge) der RWTH Aachen, Landeshauptstadt Düsseldorf, Stadt Kassel, TU Braunschweig, TU Chemnitz, TU München, TomTom Development Germany, Transver, Universität der Bundeswehr München, die Universitäten Duisburg-Essen, Kassel und Würzburg sowie die Volkswagen AG. Als Unterauftragnehmer arbeiten zudem zahlreiche Universitäts- und Forschungsinstitute sowie kleinere und mittelständische Unternehmen in den Projekten mit.
Weitere Informationen finden Sie unter www.urban-online.org