Motor, Leistungselektronik und Getriebe sind in der E-Achse kompakt in einer Einheit kombiniert und treiben unmittelbar die Achse des Autos an. „Bosch bringt mit der E-Achse das All-in-one-Prinzip in den Antrieb“, sagt Dr. Rolf Bulander, Geschäftsführer von Robert Bosch und Vorsitzender des Unternehmensbereichs Mobility Solutions. In dem neuen Antrieb sieht der Automobilzulieferer enormes Geschäftspotenzial. Der Grund dafür ist eine hohe Flexibilität der Komponente, die einen großen Markt erschließt.

E-Achse

All-in-One-Elektroachse von Bosch. Bosch

Die Leistung des Antriebs kann sich zwischen 50 Kilowatt und 300 Kilowatt bewegen und ist somit auch geeignet, um große Fahrzeuge wie SUV rein elektrisch anzutreiben. Das Drehmoment an der Achse des Fahrzeugs kann zwischen 1 000 und 6 000 Newtonmetern liegen. Der Antrieb kann sowohl an Vorder- als auch an Hinterachsen von Hybriden und Elektroautos verbaut werden. Eine elektrische Achse mit einer Leistung von 150 Kilowatt wiegt etwa 90 Kilogramm und damit wesentlich weniger als bisherige Einzelkomponenten zusammen.

Der neu entwickelte elektrische Antrieb soll für das Unternehmen den Massenmarkt für Elektromobilität erschließen und dem Konzern zur Marktführerschaft verhelfen. Das Unternehmen hat bereits Erfahrung in der Produktion von Elektromotoren, Achsantrieben und mit der Leistungselektronik gesammelt. Von der E-Achse erhofft sich Bosch Milliardenumsätze allein mit diesem Bauteil.

E-Achse soll Entwicklungszeiten verkürzen

„Die E-Achse ist der Start-up-Antrieb für Elektroautos – auch bei etablierten Autoherstellern“, sagt Bulander. „Diese sparen sich damit teure Entwicklungszeit und können Elektrofahrzeuge deutlich schneller auf den Markt bringen.“ Da Bosch den Antrieb an die Bedürfnisse des Autoherstellers anpasse, könnten zeitaufwendige Neuentwicklungen beim Kunden entfallen. Muster der elektrischen Achse werden derzeit mit Kunden getestet. Der Marktanlauf in Großserie ist für 2019 geplant.

Doch dieses Einsparungspotenzial kann auch bestehende Arbeitsplätze bei den OEM gefährden und betroffene Gewerkschaften alarmieren. So bewegte ein wochenlanger Arbeitskampf zum Fortbestehen des Daimler-Standorts Untertürkheim jüngst die Unternehmensspitze zu der Zusicherung, dass Batterien und Antriebssysteme für Elektroautos auch künftig in Eigenregie dort gebaut werden.