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In Laptops, Autos oder Minikraftwerken im Eigenheim können Brennstoffzellen die Energieversorgung revolutionieren. Im Leistungsbereich um die zwei Kilowatt setzt jetzt ein Hubwagen Maßstäbe, den ein Entwicklungskonsortium unter der Federführung des Forschungszentrums Jülich nun zur Produktreife führt. Der eigens dafür konzipierte Antrieb mit Direktmethanol-Brennstoffzellen (DMFC) soll sich „ideal für diesen Nischenmarkt eignen“. Auf der E-World-Messe in Essen wird er nun vorgestellt.

„Unsere Prototypen laufen im dynamischen Betrieb unter realen Arbeitsbedingungen bereits 500 Stunden“, erläutert Projektleiter Jürgen Mergel vom Forschungszentrum Jülich. In dem Hubwagen der Firma Jungheinrich erzeugt die DMFC den notwendigen Strom direkt aus flüssigem Methanol.
Die 2 kW Leistung reichen aus, um die bisher verwendeten Batterien im Hubwagen zu ersetzen. Stundenlange Standzeiten zum Laden der Batterien entfallen, da der Methanoltank binnen weniger Minuten wieder aufgefüllt werden kann.
Außerdem produzieren die Brennstoffzellen keine Schadstoffe und können daher ideal in
geschlossenen Lagerhallen genutzt werden, in denen Hubwagen zum Transport von Paletten und Stückgut dienen.

Konkurrenz aus Japan und Korea, wo ebenfalls an solchen Direktmethanolsystemen geforscht wird, fürchten die Jülicher Entwickler nicht. „Wir sind weltweit führend in diesem Kilowattbereich“, sagt Prof. Detlef Stolten, Direktor am Jülicher Institut für Energieforschung. „Und durch die frühzeitige Einbindung von Industriepartnern konnte vermieden werden, dass diese deutsche Spitzenforschung auf dem Weg zum innovativen
Produkt stecken bleibt.“ Neben Jungheinrich aus Hamburg sind die Firmen Ritter Elektronik aus Remscheid, AKG aus Kassel und Ebmpapst aus Landshut maßgeblich an der Entwicklung des Brennstoffzellen-Hubwagens beteiligt.

Mit diesem Konsortium wird nun die letzte Hürde bis zum Sommer 2009 in Angriff genommen. Gefördert mit Mitteln des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) soll die wartungsfreie Betriebszeit des DMFC-Systems auf 3000 Stunden gesteigert werden. Danach hält es Jürgen Mergel für möglich, zusätzlich zum Hubwagen auch elektrisch angetriebene Golfwagen und Motorroller („Scooter“) mit den Jülicher Brennstoffzellen auszustatten.

Der Erfolg dieses Entwicklungskonsortiums kann auch ein weiteres System aus der Jülicher Ideenschmiede entscheidend beeinflussen. Nach viel versprechenden Ergebnissen mit Apparaten zur Reformierung, Gasreinigung und Entschwefelung können die leicht verfügbaren Flüssigtreibstoffe Diesel und Kerosin den Wasserstoff für Brennstoffzellen liefern – und diese haben ein großes Potenzial für einen weiteren Nischenmarkt: die Stromversorgung an Bord von Fahrzeugen, Yachten und Flugzeugen. (av)