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Im Weltmaschinenumsatz steht China mit einem im Jahr 2012 generierten Umsatz von 678 Mrd. Euro an einsamer Spitze.
China unternimmt gemäß seinem aktuellen Fünfjahresplan konsequent große Anstrengungen, um zügig von Low-Tech- in High-Tech-Bereiche aufzusteigen.

Festgezurrt im aktuellen Fünfjahresplan, unternimmt China nun konsequent große Anstrengungen, um zügig von Low-Tech- in High-Tech-Bereiche aufzusteigen. Mit einem Volumen von rund 17 Mrd. Euro ist China nicht nur der größte Exportmarkt des deutschen Maschinenbaus, sondern mit einem Umsatzvolumen von 678 Mrd. Euro (2012) auch der mit Abstand größte Maschinenproduzent der Welt. Im Vergleich: Das Umsatzvolumen des deutschen Maschinenbaus lag bei 248 Mrd. Euro (2012). Das Wachstum war in den letzten Jahren rasant. Allein in den Jahren 2008 bis 2012 hat der chinesische Maschinenbau seine Produktion mehr als verdoppelt.

„Diese Entwicklungen müssen wir sehr ernst nehmen und auch sehen, welche Konsequenzen sich daraus für den deutschen Maschinenbau ergeben“, mahnte VDMA-Präsident Dr. Reinhold Festge anlässlich der Vorstellung der Studie der Impuls-Stiftung des VDMA „Strategien des chinesischen Wettbewerbs und Implikationen für den deutschen Maschinenbau“. Die Impuls-Stiftung des VDMA hatte EAC-Euro Asia Consulting beauftragt, die Strategien des chinesischen Wettbewerbs in acht Sparten des Maschinenbaus (Werkzeugmaschinen, Textilmaschinen, Thermoprozesstechnik, Kompressoren, Druckluft- und Vakuumtechnik, Pumpen, Holzbearbeitungsmaschinen, Gießereimaschinen sowie Hütten- und Walzwerkeinrichtungen) entlang der Wertschöpfungskette genauer zu analysieren. Insgesamt wurden 319 Interviews in 122 ausgewählten chinesischen Unternehmen geführt. „Die Chinesen bewerten den Technologieabstand zum deutschen Maschinenbau realistisch – dennoch: Im wachsenden mittleren Marktsegment und im Service sind sie stärker – und das mittelfristig nicht nur in China. Darin liegt der Kern ihrer Internationalisierungsstrategie, auf die die deutsche Industrie Antworten finden muss“, erläutert Daniela Bartscher-Herold von EAC-Euro Asia Consulting.

East meets West – und umgekehrt?

Laut Impuls-Studie planen mehr als die Hälfte der chinesischen Wettbewerber einen gezielten Ausbau der Exportaktivitäten in den nächsten fünf Jahren. In der „ersten Welle“ stehen südostasiatische Exportmärkte und Indien im Fokus. Ab 2015 sollen in einer „zweiten Welle“ auch Europa und Amerika mit Maschinentechnologien aus dem mittleren Marktsegment penetriert werden. Für den deutschen Maschinenbau bedeuten die Studienergebnisse, dass trotz noch bestehender Technologie- und Qualitätsvorteile ein akuter Handlungsbedarf in der Überprüfung der einzelnen Wertschöpfungsstrategien im China-Konzept besteht.

EAC kommt zu dem Ergebnis, dass das größte Potenzial für den deutschen Maschinenbau in China im mittleren Technologiesegment liegt. „Auf dieses Segment müssen die deutschen Unternehmen ihr Angebot verstärkt ausrichten und ihre Produkte noch besser an die Kundenbedürfnisse anpassen. Das kann auch einmal Mut zu Good enough bedeuten“, betonte der VDMA-Präsident. Denn mit Hilfe dieser „Good enough“-Strategie konnten sich chinesische Hersteller erfolgreich im mittleren Marktsegment positionieren und hier auch gegenüber technologisch hochwertigeren Maschinen und Anlagen ausländischer Hersteller behaupten. Die Technologielücke im oberen Marktsegment ist für den Großteil der chinesischen Marktteilnehmer jedoch nach wie vor zu signifikant, um in naher Zukunft erfolgreich eine valide Marktposition zu erreichen, so das Ergebnis der Studie. „Die deutschen Unternehmen dürfen sich nicht an die Spitze der Technologiepyramide abdrängen lassen“, warnte der VDMA-Präsident. „Dort ist der Markt zu klein. Der chinesischen Bottom-up-Strategie müssen wir eine Top-down-Strategie entgegensetzen.“ Das gelte auch vor dem Hintergrund einer verstärkten Preissensitivität im chinesischen Markt. „Wenn wir das mittlere Technologiesegment nicht ausreichend bedienen, verlieren wir sukzessive Marktanteile und überlassen den Markt ganz den chinesischen Wettbewerbern“, bilanzierte Festge.

Auswirkungen auf die hiesige Elektronikfertigung

Für Dr. Eric Maiser, Geschäftsführer von VDMA Productronic, hat diese Entwicklung durchaus Auswirkung auf die hiesige Elektronikfertigungs-Landschaft, vor allem als Zulieferer des Branchensegments Industrieelektronik: „Es bleibt abzuwarten, inwiefern sich das Prinzip „Good enough“ tatsächlich in den Köpfen des Mittelstands eintrichtern lässt“, führt er aus. Demnach müssen sich die Deutschen von ihrer Detailverliebtheit verabschieden, um sich den Rang im internationalen Wettbewerb nicht streitig machen zu lassen: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht vom mittleren Segment weggedrängt werden“, mahnt er, denn: „Da es sich um eine von oben verordnete Strategie handelt, wird China aggressiv auftreten, um dieses Ziel zu erreichen.“