China ist der Oliver-Wyman-Studie zufolge der weltweit viertgrößte Markt für Connected-Cars. 2018 werde die Marktdurchdringung bei Neufahrzeugen knapp 60 Prozent betragen.

China ist der Oliver-Wyman-Studie zufolge der weltweit viertgrößte Markt für Connected-Cars. 2018 werde die Marktdurchdringung bei Neufahrzeugen knapp 60 Prozent betragen.Oliver Wyman

Als weltgrößter Automobil- und Telekommunikationsmarkt bietet das Reich der Mitte auch bei vernetzten Fahrzeugen riesiges Wachstumspotenzial. Entsprechend sind alle Autobauer gefordert, mit guten Connected-Car-Lösungen zu trumpfen. Doch auch in diesem Segment hat China seine eigenen Spielregeln. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Connected Cars: Herausforderung China“ von Oliver Wyman, aus der wir im weiteren Verlauf zitieren.

Die Auto- sowie die Telekommunikationsindustrie sind stark fragmentierte Märkte mit ausgeprägten regionalen Unterschieden. Hinzu kommen enorme sprachliche und kulturelle Differenzen, die gerade westliche Spieler überbrücken müssen. Zugleich haben die vielen einheimischen Player große Macht: Für die westlichen Autobauer wird in China mehr denn je der Schulterschluss mit den lokalen Unternehmen zum entscheidenden Erfolgskriterium. Nur über den Aufbau und die Pflege von guten sowie gewinnbringenden Partnerschaften wird es möglich sein, den Kunden passgenaue vernetzte Navigations- und Infotainmentlösungen anbieten zu können.

Prognosen

Die Prognosen sind vielversprechend, denn bis 2018, so schätzen Marktexperten, werden weltweit rund 282 Millionen Neuwagen mit vernetzten Diensten auf den Straßen rollen. Auch in China nehmen Connected Cars immer mehr Raum ein. Noch liegt der weltgrößte Automobilmarkt mit rund drei Millionen vernetzten Neuwagen 2013 zwar auf Rang vier hinter der Triade USA, Japan und Europa, wird aber bis 2018 klar Boden gutmachen. Experten zufolge steigt die Zahl der vernetzten Neuwagen in China bis 2018 auf etwa 68 Millionen an und katapultiert das Land auf Platz zwei hinter den USA mit knapp 82 Millionen. Mit einer Penetration im heimischen Markt von dann 58 Prozent bei Neuwagenverkäufen bleibt zudem noch immer Luft nach oben. Japan befindet sich dann mit 89 Prozent bereits vor der Marktsättigung, und Nordamerika mit 87 Prozent sowie Westeuropa mit 78 Prozent werden nicht mehr weit davon entfernt sein.

Fahrzeugtelematik ist in China ein recht junger Markt. Noch dominieren in Pkw und leichten Nutzfahrzeugen Navigation und Positionsbestimmung. Auf immer größeres Interesse aber stoßen Sicherheit und Fernwartung, Flottenmanagement sowie Infotainment – entsprechend hoch ist das Wachstumspotenzial in den kommenden Jahren. Dies gilt auch für integrierte Smartphone-Lösungen. Diese liegen bislang in der Gunst des chinesischen Autofahrers zwar noch weit hinter den Embedded-Telematiksystemen, doch die Smartphone-Nachfrage boomt. Im ersten Quartal dieses Jahres wurden in der Volksrepublik 71 Millionen Geräte verkauft.

Smartphone-Boom

Gemessen am weltweiten Absatz von 210 Millionen Smartphones ist dies ein Anteil von etwa 34 Prozent. Insgesamt bietet der chinesische Markt für Fahrzeugvernetzung hervorragende Rahmenbedingungen. So ist China nicht nur der größte Automobilmarkt der Welt, sondern gibt auch bei der Telekommunikation den Ton an. Die chinesische Regierung unterstützt im Rahmen des Projekts „Internet of Things“ nachhaltig und nicht zuletzt finanziell die Entwicklung von vernetzten Fahrzeugen, zugleich wird konsequent am Ausbau der nötigen Infrastruktur gearbeitet. Dies beinhaltet den neuen Mobilfunkstandard LTE, aber auch 3G.

Umfragen zufolge stoßen vernetzte Fahrzeuge bei 85 Prozent der chinesischen Bevölkerung auf sehr starkes Interesse. „Connected Cars nehmen in China richtig Fahrt auf“, sagt Matthias Bentenrieder, Partner bei Oliver Wyman. „Wollen die westlichen OEMs mit ihren Fahrzeugen wettbewerbsfähig bleiben, müssen sie jetzt einsteigen und ein gutes und ausgefeiltes Angebot rund um die Fahrzeugvernetzung schaffen.“

Europäische, amerikanische und asiatische Autobauer stehen damit vor einer doppelten Herausforderung. Zum einen sind sie noch dabei, das komplexe Thema Connected Cars zu verstehen und ihre Geschäftsmodelle anzupassen. Zum anderen müssen sie sich mit China auseinandersetzen – und damit mit einem zwar sehr guten, aber auch sehr speziellen Marktumfeld in puncto Fahrzeugvernetzung. Tatsächlich erfordert der Markteintritt dort weitaus größere Anstrengungen als in anderen Ländern. So sind in China Marktregulierung und -fragmentierung deutlich stärker ausgeprägt. Auch die regionalen Unterschiede sind enorm.

Während die hoch entwickelten Metropolen an der Ostküste sowie auch die meisten Hauptstädte der Provinzen bei Einkommen und Netzabdeckung nahezu westlichen Standard aufweisen, kommt das Landesinnere über das Niveau von Entwicklungsländern noch immer kaum hinaus. Zudem unterscheiden sich die einzelnen Regionen in Sprache und Kultur.

Eigene Anbieterlandschaft

Schließlich hebt sich die Anbieterlandschaft von derjenigen in den etablierten Märkten deutlich ab. In allen für das Connected Car relevanten Geschäftssegmenten existieren viele starke lokale Unternehmen, an denen gerade im Mobile-, Online- und Internetumfeld kein Weg vorbeigeht. Globale, gut funktionierende Partnerschaften mit internationalen Konzernen haben in der Volksrepublik keine Chance. So ist dort statt Google die lokale Suchmaschine Baidu dominanter Marktführer. Entsprechend sind viele Partnerschaften, mit denen Audi, BMW, GM, Ford oder Toyota weltweit rund um das vernetzte Fahrzeug agieren, in China gegenstandslos und müssen dort von Grund auf mit lokalen Unternehmen neu aufgebaut werden.