Nachdem bereits Intel und eine Gruppe asiatischer Investoren im vergangenen Jahr Anteile an Here erworben haben, folgen jetzt die deutschen Zulieferer Continental und Bosch. Die beiden Unternehmen beteiligten sich mit jeweils 5 Prozent am Navigationsspezialisten, der 2015 von Nokia an Audi, BMW und Daimler verkauft wurde. Ein Preis für die Anteile ist nicht bekannt, da die beteiligten Parteien sich auf Stillschweigen einigten. Der Einstieg der beiden Unternehmen bei Bosch steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kartellbehörden.

Here bietet hochauflösendes Kartenmaterial, das für das autonome Fahren benötigt wird.

Here bietet hochauflösendes Kartenmaterial, das für das autonome Fahren benötigt wird. Here

Continental geht darüber hinaus noch eine Kooperationsvereinbarung mit Here ein. Ziel der Zusammenarbeit ist die Entwicklung von Technologien, die für zuverlässige Verfügbarkeit von hochgenauen Daten für die Menschen- und Güterbeförderung sorgen sollen. Im Rahmen gemeinsamer Entwicklungsprojekte haben Continental und Here bereits zuvor zusammengearbeitet. Mit Hilfe der HD-Live-Map von Here, einer cloudbasierten Karte für automatisierte Fahrzeuge, planen die Unternehmen gemeinsam Systeme zu entwickeln, die neue Anwendungen und Weiterentwicklungen für die Fahrzeugautomatisierung und Mobilitätsdienste ermöglichen. So wollen Continental und Here beispielsweise die Möglichkeiten einer präziseren elektronischen Voraussicht (eHorizon) für Fahrerassistenzsysteme erforschen. Das System soll Fahrern und ihren elektronischen Helfern so ein hochgenaues und aktuelles Bild des vorausliegenden Streckenabschnitts zugänglich machen. Darüber hinaus soll es die Positionsbestimmung eines Fahrzeugs auf der Straße verbessern.

Bosch hingegen will neben der Nutzung im Automobilgeschäft auch seine Position als Anbieter datenbasierter Echtzeitdienste – insbesondere beim IoT – verbessern. „Bosch ist mehr als Auto“, erklärt Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH. „Industrie 4.0, Smart Home und Smart City sind für uns stark wachsende Bereiche, in denen sich beim Auf- und Ausbau datenbasierter Services Synergien mit Here ergeben.“ Im Bereich Industrie 4.0 könnten die Warenströme in der Intralogistik mittels präziser Innenraum-Navigationskarten automatisiert werden. Im Automobilbereich will Bosch, ähnlich wie auch Continental, die Karten mit Sensordaten und Echtzeitinformationen verbessern.

Mitbewerber ZF hingegen will sich momentan nicht finanziell an Here oder ähnlichen Unternehmen beteiligen. Die Kartendienste seien nötig für eine bessere Positionsbestimmung und man prüfe den Markt regelmäßig, jedoch sei zum jetzigen Zeitpunkt keine Beteiligung in diese Richtung geplant, erklärte das Unternehmen auf Anfrage der Redaktion. Hingegen würde man eher auf strategische Partnerschaften setzen. Auf der diesjährigen CES will der Automobilzulieferer neue Lösungen vorstellen.