Audis E/E-Leiter Ricky Hudi (rechts, hier neben Nvidia-CEO Jen-Hsun Huang: „In der Drive-CX-Plattform steckt eine Menge gemeinsamer DNS unserer beiden Unternehmen.“

Audis E/E-Leiter Ricky Hudi (rechts, hier neben Nvidia-CEO Jen-Hsun Huang: „In der Drive-CX-Plattform steckt eine Menge gemeinsamer DNS unserer beiden Unternehmen.“ Alfred Vollmer

Im Vorfeld der Messe International CES stand für Jen-Hsun Huang, CEO und Mitgründer von Nvidia im Rahmen einer Pressekonferenz in Las Vegas eines fest: „Mobiles Supercomputing wird ein zentraler Aspekt im Auto von morgen sein. Mit ihren zahlreichen Kameras und Bildschirmen werden zukünftige Autos ihre Umgebung wahrnehmen und immer besser verstehen. Die Autos der Zukunft verhalten sich erstaunlich intelligent.“

Nvidias CEO Jen-Hsun Huang zeigt eines der ersten Boards des Typs Drive PX für das Automatisierte Fahren.

Nvidias CEO Jen-Hsun Huang zeigt eines der ersten Boards des Typs Drive PX für das Automatisierte Fahren.Alfred Vollmer

So stellte er zwei Computer für Autos vor: Nvidia Drive PX zur Entwicklung von Autopilot-Funktionen und Drive CX für hochentwickelte digitale Cockpit-Systeme. „Diese fahrzeuginternen Automotive-Computer basieren auf der gleichen Architektur wie die aktuell leistungsfähigsten Supercomputer“, hob Jen-Hsun Huang hervor. Vor bereits etwa zwei Monaten hatte Nvidia den Grafikprozesor (GPU) Maxwell vorgestellt, und jetzt komme die „exakt gleiche GPU in mobile Geräte – in einem Prozessor, den wir Tegra X1 nennen“.

Als er einen Chip des Typs Tegra X1 hochhielt und ihn als „Mobile Superchip“ bezeichnete, erhielt Jen-Hsun Huang Szenenapplaus, was bei der Ankündigung neuer Consumer-Geräte und -Systeme in den USA durch Firmen wie Apple, Intel etc. durchaus üblich ist. Der Applaus lässt darauf schließen, dass die große Mehrheit der anwesenden Journalisten nicht im Automotive- sondern im Consumer- und/oder Computer-Bereich tätig ist. Umso interessanter ist die Tatsache, dass nach 10 Minuten die Einleitung zum Thema Consumer beendet war und der Nvidia-CEO dann die restlichen 85 Minuten (von 5.10 Uhr bis 6.35 Uhr deutscher Ortszeit) nur noch über das Thema Automotive sprach.

Fakten zum Tegra X1

Der Tegra X1 unterstützt alle führenden Grafikstandards, inklusive der Unreal Engine 4, DirectX 12, OpenGL 4.5, Cuda, OpenGL ES 3.1 sowie das Android Extension Pack. Die technischen Spezifikationen des Tegra X1 umfassen unter anderem:

  • Maxwell-GPU mit 256 Kernen
  • Acht CPU-Kerne (4x ARM Cortex A57 + 4x ARM Cortex A53)
  • 60 FPS 4K-Video (H.265, H.264m VP9)
  • Verarbeitung von 1,3 Gigapixel Kamera-Daten
  • 20-nm-Fertigungstechnologie

Er gab zu bedenken, dass bis zum Jahr 2000 der schnellste Supercomputer überhaupt mit Hilfe von einigen Zehntausend Pentium-Pro-Prozessoren, die eine Million Watt Leistung aufnahmen, eine Verarbeitungsleistung von 1 TFLOPS erzielte – und diese Performance liefert der Tegra X1 auf einem Chip mit 10 W Verlustleistung. Die Anwendungen für diesen Chip liegen für Nvidia ganz klar im Auto, wobei er auf die Displays im digitalen Cockpit genauso hinwies wie auf digitale Rückspiegel (Smart Mirrors) oder gekrümmte Displays: „Die Auflösung bei den Displays im Auto wird exponentiell steigen, sie wird anwachsen wie nichts anderes, was Sie bisher gesehen haben.“

Drive CX

Beim Cockpit-Computer Drive CX handelt es sich um eine vollständige Lösung aus Hard- und Software zur Realisierung von Navigations- und Infotainmentsystemen, digitalen Cluster-Displays und ADAS-Systemen. Auch Surround-View ist damit in bestechender Qualität möglich.“ Drive CX ist sowohl mit dem Tegra X1 als auch mit dem Tegra K1 erhältlich und kommt mit einer straßentauglichen und im Einsatz getesteten Software.“, führt Nvidias CEO weiter aus. „Der Automotive-Computer kann bis zu 16,8 Millionen Pixel auf mehreren Bildschirmen darstellen – mehr als zehnmal so viel wie in aktuellen Autos.“ Schließlich bat er auch Audis E/E-Leiter Ricky Hudi auf die Bühne, der dann unter anderem folgendes anmerkte: „In der Drive-CX-Plattform steckt eine Menge gemeinsamer DNS unserer beiden Unternehmen.“

Seinen Redebeitrag begann Ricky Hudi allerdings mit dem Concept-Car Audi Prolog, den das Unternehmen vor zwei Monaten auf der LA Motor Show zeigte und der einen Ausblick darauf gibt, wie das zukünftige Interieur der Fahrzeuge von Audi aussehen wird, um dann folgendes zu sagen: „Und ich verspreche Ihnen, dies ist nicht nur eine Fahrzeugstudie.“ Anschließend ging Ricky Hudi auf Audis Aktivitäten im Bereich Pilotiertes/Autonomes Fahren ein. So wählte Audi für das Jack genannte Fahrzeug, das zur CES mit fünf speziell von den Behörden autorisierten Journalisten pilotiert vom Silicon Valley nach Las Vegas fährt, die zFAS-Architektur in Kombination mit der Cuda-Technologie von Nvidia, um das massive parallele Verarbeiten von Datenmengen im Fahrzeug sowie das Machine-Learning zu ermöglichen. „Mit diesem Aufbau lässt sich die Onboard-Erkennung mit den leistungsstarken Verbesserungen des Machine-Learning kombinieren, das ist die Zukunft der selbstfahrenden Autos“, erklärte Ricky Hudi. „Glauben Sie mir: Es wird nicht zu lange dauern, bis die ersten pilotiert fahrenden Autos von Audi auf den Markt kommen.“ Ob das Fahrzeug Jack allerdings die etwa 530 Meilen vom Silicon Valley nach Las Vegas auch in der üblichen Geschwindigkeit gefahren ist, so dass sich eine Fahrzeit von 8 Stunden ergibt, das wird Audi wohl am ersten Messetag der CES in Las Vegas verkünden. Wir werden Sie auf dem Laufenden halten.