Viel Hype, aber wenig Substanz – so sehen Kritiker das Internet der Dinge. Ihr Argument: Für IoT-Applikationen müsse man Anwendungen, die meist ohnehin schon aus vielen Bauteilen bestünden, einfach nur um günstige Bluetooth- oder WLAN-Chips ergänzen. Wie soll daraus der gigantische IoT-Markt entstehen, den manche Marktforscher prognostizieren?

Daniel Cooley: Die hier beschriebene Vorgehensweise, eine bereits bestehende Applikation lediglich um ein Vernetzungselement zu ergänzen, ist typisch für die erste Generation von IoT-Produkten. Da wir entsprechende Wireless-Lösungen anbieten, ist für uns auch schon diese erste Generation ein interessantes und zudem schnell wachsendes Geschäft. Um das kurz einzuordnen: Silicon Labs hat insgesamt ein strategisches Wachstumsziel von 10 Prozent – im IoT-Bereich liegt diese Marke bei 20 Prozent. Und der ganz große Schub kommt erst noch, wenn es um die zweite, dritte oder gar vierte IoT-Generation geht. Denn dann stehen die Entwickler vor neuen Herausforderungen: Für diese fortgeschrittenen IoT-Produkte reicht es bei weitem nicht aus, einfach nur Konnektivität zu bestehenden Funktionen hinzuzufügen.

IoT

Daniel Cooley (rechts) im Gespräch mit elektronik-journal-Redakteur Ingo Kuss in seinem Büro im texanischen Austin. Ingo Kuss

Worin werden sich die Produkte der kommenden IoT-Generationen von denen der ersten unterscheiden?

Daniel Cooley: Das sind im Wesentlichen drei Elemente: IT-Sicherheit, die Benutzerschnittstelle und kontinuierliche Updates. Die erfolgreichen Hacker-Attacken auf manche Produkte der ersten IoT-Generation, die nachträglich mit einer Netzanbindung ausgestattet wurden, haben ja deutlich gezeigt, wie wichtig das Thema Security geworden ist. Zudem erwarten die Anwender bei Produkten, die mit dem Internet verbundenen sind, eine gut gestaltete Benutzerschnittstelle etwa mit Hilfe einer App fürs Smartphone. Das Produkt selbst muss weder über Knöpfe noch über Displays verfügen, doch die Ansprüche an eine webbasierte Schnittstelle werden weiter wachsen. Und drittens wird es kontinuierliche Software-Updates over-the-air geben, so dass die Benutzer auch nach dem Kauf noch Zusatzfunktionen erhalten beziehungsweise hinzukaufen können.

Wenn zukünftig aus dem „Internet of Things“ das „Internet of Everything“ wird, wie sinnvoll ist der IoT-Begriff dann eigentlich noch?

Daniel Cooley: Mir gefällt der Ausdruck „Internet oft Things“, weil er den aktuellen Zustand gut beschreibt. Momentan werden Dinge mit dem Internet verbunden, die es zuvor nicht waren. Werden wir in fünf Jahren den Begriff IoT noch genauso verwenden? Wahrscheinlich nicht, weil diese Form von Konnektivität zukünftig wohl einfach als selbstverständlich vorausgesetzt werden wird. Mein Geschäftsbereich wird dann vermutlich auch anders heißen. In diesem Zusammenhang ist es umso wichtiger zu verstehen, dass es sich beim IoT um eine Idee handelt, nicht um einen bestimmten Markt. Grundsätzlich geht es darum, dort Verbindungen herzustellen, wo es bislang noch keine gibt. Es wird Dekaden dauern, bis sich dieses Konzept vollständig durchgesetzt hat. Denken Sie nur an all die physischen Gegenstände wie Gebäude, die noch entsprechend nachgerüstet werden müssen. Daher habe ich mich bei meiner beruflichen Karriere sehr bewusst dafür entschieden, ganz auf dieses Thema zu setzen.

Was hat Silicon Labs denn konkret zum IoT-Konzept, wie Sie es nennen, beizutragen?

Daniel Cooley: Mit der Wireless-Gecko-Plattform verfügen wir über eine SoC-Lösung, die sowohl einen ARM-Mikrocontroller für Applikationen als auch Wireless-Hardware für die Konnektivität auf einem Chip vereint. Zu den unterstützten Protokollen gehören etwa Bluetooth LE, Zigbee und Thread. Aber so wichtig eine gute Hardware-Plattform auch ist, man muss klar sagen: Der IoT-Bereich wird mit Software erobert. Unser großer Vorteil ist, dass wir eine umfassende Software-Lösung mit den entsprechenden Tools für IoT-Anwendungen haben. Viele IoT-Entwickler haben noch keine Erfahrungen mit Wireless-Lösungen. Also geben wir ihnen die Werkzeuge, die sie brauchen, um für die jeweils benötigte Konnektivität zu sorgen. Weil Software eine so große Rolle spielt, haben wir ja auch Ende letzten Jahres Micrium gekauft. Dank ihres Echtzeitbetriebssystems können wir nun beispielsweise sehr schnell zwischen den einzelnen Protokollen hin und her wechseln und bieten damit Multiprotokoll-Wireless-Lösungen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Silicon Labs auf die Dotdot-Metasprache und den Standort Austin setzt.

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