Datenbrillen sorgen für Durchblick in unterschiedlichsten Produktionsabläufen.

Datenbrillen sorgen für Durchblick in unterschiedlichsten Produktionsabläufen.Fraunhofer IPT

Die Datenbrille besteht aus einer Kamera für Video- und Bildaufnahmen sowie einem Display und ist damit in der Lage alle Arbeitsschritte schnell und direkt am Arbeitsplatz zu visualisieren. Sie kann beispielsweise neue und ungeschulte Mitarbeiter dazu befähigen, ab dem ersten Tag selbstständig zu lernen und zu arbeiten. Aber auch routinierten Mitarbeitern, denen etwa bei Variantenwechseln Fehler unterlaufen können, kann die Brille helfen.

Die Software des Fraunhofer IPT arbeitet mit kommerziell erhältlichen Datenbrillen, die über ein Android-Betriebssystem verfügen, und macht diese für die Industrie nutzbar. Mit einem sogenannten Prozess- und Kontexteditor lassen sich einzelne Schritte manueller oder hybrider Prozesse modellieren. Mitarbeiter eines Unternehmens können dann anhand einer App auf ihrer netzwerkfähigen Brille Verbindung zu der Software herstellen und die Prozessschritte der Reihe nach ausführen. Dazu scannen sie mit den Datenbrillen zu Beginn eines jeden Arbeitsauftrags zum Beispiel einen QR-Code. Die Navigation zum nächsten Prozessschritt oder eine Wiederholung des vorherigen erfolgt dann durch eine Gesten- oder Sprachsteuerung.

Datenbrillen erleichtern damit nicht nur Produktionsvorgänge. Sie können auch prozessbezogene Informationen, zum Beispiel zu Rüst- oder Durchlaufzeiten, innerhalb des Unternehmens schneller verfügbar machen. Auf diese Weise lassen sich kurze Qualitätsregelkreise aufbauen – auch über Standortgrenzen hinaus.

Außerdem können Mitarbeiter im laufenden Prozesses auf weitere praktische Apps zugreifen: So müssen zum Beispiel Verbesserungsvorschläge am Produkt und im Prozess oder auch Fehlermeldungen bald nicht mehr aufwendig schriftlich dokumentiert werden, sondern lassen sich sofort am Ort des Geschehens durch Bild-, Video- und Sprachaufzeichnung erfassen. Auch ein direkter Kontakt mit Entwicklern über Videotelefonie ist möglich, sodass akute Probleme unmittelbar gemeinsam gelöst werden können.

Darüber hinaus ist es durch eine sogenannte Kontextmodellierung möglich, anhand stochastischer Analysen kontextbezogener Daten Fehlermuster in bestehenden Arbeitsabläufen aufdecken. Im nächsten Schritt können dann Rückschlüsse auf Fehlerquellen und -ursachen gezogen werden, um im Sinne eines präventiven Risikomanagements einzugreifen.