Cloud-Projekte werden häufig nicht mit der nötigen Sorgfalt vorbereitet.

Cloud-Projekte werden häufig nicht mit der nötigen Sorgfalt vorbereitet.

Redaktion IEE

Herr Barelmann, warum sind Sie kein Freund der Cloud und damit auch nicht des Industrie 4.0-Gedankens?

Dieter Barelmann: Ich bin schon ein Freund dieser Entwicklungen beziehungsweise solcher Konzepte. Ich nehme nur zur Kenntnis, dass bei der Umsetzung solcher Projekte häufig nicht mit der nötigen Sorgfalt gearbeitet wird. Wir haben eine Menge Anbieter von Komponenten und Lösungen, die – wenn man zurück blickt – bei der Entwicklung das Thema Security scheinbar als zweitrangig angesehen haben. Oder nehmen Sie den Kenntnisstand zum Thema IT-Security bei den Automatisierern: Bei vielen besteht noch viel Nachholbedarf. Wie können also sichere Anlagen gebaut werden, wenn diese Rahmenpunkte gar nicht erfüllt sind?
Zudem, die Zusammenarbeit zwischen IT-Mitarbeitern und Automatisierern ist nach wie vor nicht immer die Beste. Die häufigsten Ursachen sind Kompetenzüberschneidungen, ein unterschiedliches Vokabular sowie abweichende Prioritäten in den Sichtweisen.

Wieso sind die Daten in einer Cloud per se nicht mehr sicher?

Dieter Barelmann: Das kann man nicht so pauschalieren. Wir müssen unterscheiden zwischen einer privaten Cloud und den öffentlichen Clouds. Und wo sollen eigentlich welche Daten liegen und lässt sich das nach Bedarf umschichten. Das alles hat großen Einfluss darauf, wie abhängig meine Industrieanlage von der Verbindung zur Cloud ist.
Die Frage ist wie ich die Cloud verwende. In vielen Bereichen kann eine Cloud-Lösung einen großen Innovationssprung für das Unternehmen bewirken. Eine Cloud erfordert allerdings ein enormes Umdenken in der Umsetzung von Lösungen – und natürlich der Sicherheitsmechanismen. Schließlich bin ich als Entscheidungsträger die Verantwortung nicht los, wenn die Daten einfach woanders gespeichert und ausgewertet werden.

Clouds gelten doch als sicher und der Zugriff auf die Daten ist übers Internet doch stets gegeben.

Die ‚jungen‘ Automatisierer scheren sich nicht mehr um Datensicherheit.

Die ‚jungen‘ Automatisierer scheren sich nicht mehr um Datensicherheit. Redaktion IEE

Dieter Barelmann: Sie wollen provozieren. Der Zugriff auf Daten ist niemals stets gegeben, da die Verfügbarkeit des Internets nirgends zu 100 Prozent gewährleistet ist. Denken Sie zum Beispiel an den Angriffsversuch letzten November auf die Telekom. Glücklicherweise war Angriff nicht erfolgreich. Sonst hätte eine große Anzahl Telekom-Router zur gleichen Zeit unkontrolliert auf die Server der Telekom einwirken können. Damit wäre das Netz zusammengebrochen und alle Security-Maßnahmen zum Schutz der Produktion wirkungslos. Die zentrale Frage lautet: Läuft bei so einer Störung die Cloud beziehungsweise die daran angebundene Produktion noch in der gleicher Qualität und Produktivität weiter?

Was sollte man der Auswahl eines Cloud-Anbieters beziehungsweise einer Lösung beachten?

Dieter Barelmann:  Das sind aus meiner Sicht die Kernpunkte, die es zu klären gilt, bevor man an eine Umsetzung herangeht.
Wo liegen meine Daten und wer ist der Eigner der Cloud?
Ist das Rechenzentrum ISO 27xxx zertifiziert?
Sind alle Beteiligten Unternehmen und Personen in Deutschland? beziehungsweise in der EU ansässig und zertifiziert?
Wie geht das Rechenzentrum mit Lastspitzen um?
Wie authentifiziert das Rechenzentrum die Zugriffe – der eigenen wie auch diejenigen der notwendigen Sub-Unternehmen?
Wie ist das Desaster-Recovery in dem RZ geplant?

Warum denken nicht alle so wie Sie und sind so skeptisch?

Dieter Barelmann: Wir sind die ‚letzte Generation‘ Automatisierer, die das noch so sieht und sich um das Thema Security und private Daten Gedanken macht. Schauen Sie doch nur, wie unbedenklich die User mit ihren privaten Daten umgehen. Gelingt es nicht die Sensibilität bezüglich der Daten an die nächste Generation der Verantwortlichen weiter zu geben, wird es in Zukunft schwer, noch sichere Produktions- und Versorgungsanlagen zu erstellen. Und die Qualität und Quantität der Cyberangriffe nimmt zu.

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