Martin Kapp, Vorsitzender des VDW, sieht vor allem den niedrigen Ölpreis sowie die Euro-Abwertung als Grund für eine stärkere Nachfrage nach Werkzeugmaschinen.

Martin Kapp, Vorsitzender des VDW, sieht vor allem den niedrigen Ölpreis sowie die Euro-Abwertung als Grund für eine stärkere Nachfrage nach Werkzeugmaschinen.VDW

Sowohl der niedrige Ölpreis als auch die Euro-Abwertung beleben laut Martin Kapp, dem Vorsitzenden des VDW, die Investitionen und stärken damit die Nachfrage nach Werkzeugmaschinen. Für 2015 erwartet der Verband eine Besserung der Weltkonjunktur, von der die großen Anwenderbranchen von Werkzeugmaschinen profitieren. Automobilindustrie und Maschinenbau in Deutschland – beide zusammen nehmen rund 70  % der Werkzeugmaschinenproduktion ab – erwarten jeweils einen Produktionszuwachs.

Zum anderen steht in diesem Jahr eine moderate weltweite Nachfragebelebung auf breiterer Basis ins Haus: Durch Re-Industrialisierungsprozesse in den USA und Investitionen in der Automobilindustrie ergeben sich hohe zweistellige Zuwachsraten bei den Werkzeugmaschinen-Bestellungen in Deutschland.

Die Auswirkungen der Ukraine-Krise machten sich im vergangenen Jahr negativ in der europäischen Nachfrage bemerkbar. Dennoch zogen die Bestellungen aus vielen osteuropäischen Ländern in mittlerer zweitstelliger Größenordnung an. 2015 erwartet der Verband eine moderate Erholung der europäischen Nachfrage – auch für Asien: Mit Blick auf China und Korea hat sich der Werkzeugmaschinenverbrauch im vergangenen Jahr stabilisiert, sodass die Bestellungen bei deutschen Herstellern wieder angezogen sind. Insgesamt sieht der Verband mit verhaltenem Optimismus auf das laufende Jahr. Risiken bleiben aber durch die Krisen rund um die Welt bestehen.

2014 – erster Rückgang seit drei Jahren

Im abgelaufenen Jahr musste die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie erstmals nach drei Jahren wieder einen Rückgang hinnehmen. Mit einem Minus von 1 % lag die Produktion bei 14,4 Milliarden Euro – dem zweithöchsten Produktionswert, den die Branche bisher erwirtschaftet hat. 

Die Ausfuhren aus Deutschland sanken um 3 % auf 8,9 Milliarden Euro. Innerhalb der Triade – den drei großen Wirtschaftsräumen EU, Nafta und Ostasien – schnitten die Exporte nach Europa mit einem Zuwachs von 1 % noch am besten ab. Insgesamt blieb die Exportquote mit rund 67 % jedoch hoch.
Der Import nach Deutschland stieg um 4 %. Fast 70 % der Einfuhren kommen dabei aus Europa, mit der Schweiz als wichtigstem Lieferanten.  

Im internationalen Wettbewerb hat sich die Branche gut geschlagen. Ihren Spitzenplatz im Export trotz eines Rückgangs von 5 % (ohne Teile und Zubehör) konnte sie mit einem Anteil von 21,2 % an den Weltausfuhren behaupten. Deutsche Hersteller gehören auch zu den Top-3 der weltweit größten Produzenten. Hinter China und Japan belegen sie mit einem Anteil von 17,7 % Platz 3.

In Frankfurt berichtete der Verband über ein erwartetes Produktionsplus, die Zahlen vom vorherigen Jahr, das Freihandelsabkommen und die Selbstregulierung der Energieeffizienz von Werkzeugmaschinen.

In Frankfurt berichtete der Verband über ein erwartetes Produktionsplus, die Zahlen vom vorherigen Jahr, das Freihandelsabkommen und die Selbstregulierung der Energieeffizienz von Werkzeugmaschinen.VDW

Sorgen um den russischen Markt, Chancen durch TTIP

Das Russlandgeschäft sieht der Verband als derzeit größtes absehbares Risiko, da aufgrund des krisenbedingten Rückgangs der Industrieproduktion auch die Bestellungen deutscher Werkzeugmaschinen stark sanken. Für das Geschäft mit den USA sehen die Werkzeugmaschinenhersteller allerdings große Chancen durch einen zügigen Abschluss des transatlantischen Freihandelsabkommens TTIP. Vor allem die Angleichung technischer Standards erlaube es deutschen Firmen ohne Mehraufwand ihre Produkte im Schnitt um 20 % preiswerter anzubieten. Mit einem Anteil von rund 10 % sind die USA der zweitgrößte Markt für die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie.

Selbstregulierung der Energieeffizienz: verpflichtend in Europa

Außerdem war die Energieeffizienz Thema der Konferenz. Die Europäische Kommission will die Energieeffizienz von Werkzeugmaschinen regulieren. Vorschlag der Industrie: eine Selbstregulierung (SRI) der Marktüberwachung durch die Branche. 80 % der Marktteilnehmer müssten sich an der SRI beteiligen. Die Teilnehmer sind dazu jedoch nicht verpflichtet. Um sein Ziel zu erreichen, präferiert der Verband den so genannten dritten Weg: einen gesetzlichen Rahmen, in dem die Regulierung verbindlich für alle vorgeschrieben ist. Die Ausgestaltung technischer Maßnahmen wird dann wieder an die Branche delegiert. Die gegenwärtige EU-Richtlinie zum Ökodesign sieht bereits entsprechend gestaltete sogenannte ‚generic measures‘ vor.