Rolf Schwirz bekleidet die Position des CEO bei Kontron.

Rolf Schwirz bekleidet die Position des CEO bei Kontron.Kontron

Die Aktiengesellschaft operiert seit 1959, seitdem und bisher mit Firmensitz in Eching. Sie beliefert OEMs, Systemintegratoren und Anwendungsanbieter in Marktsegmenten wie Daten- und Telekommunikation, Automatisierung, Mobile Computing, Medizintechnik, Militärtechnik, Aerospace und Mess- und Regeltechnik. Kontron gilt als das einzige ECT-Unternehmen, das Entwicklung, Kundenservice und komplette Fertigungseinrichtungen sowohl in Europa, in Nordamerika als auch in Asien besitzt.

Kontron erlebt schon länger Umbrüche: Anfang September 2012 wuchs zunächst mal der Vorstand um zwei Mitglieder: Christopher Stephen Burke wurde Chief Strategy Officer (CSO); er verantwortete die Bereiche Unternehmensentwicklung und Mergers & Acquisitions und Andreas Plikat bekleidet seitdem die Position als Chief Operating Officer (COO) für die Bereiche Global Supply Chain, Qualitätssicherung und IT. Knappe 20 Tage später begrüßte das Unternehmen Rolf Schwirz, der ab dem 1. Januar 2013 als CEO die Nachfolge von Ulrich Gehrmann antrat. Am 29. September 2012 wurde dann bekannt, dass Dirk Finstel, der seit Anfang 2010 als CTO den Konzern vertrat, zuerst seinen Vorstandsposten aufgab. Seine Aufgaben übernahm zunächst Christopher Stephen Burke. Weiteres Stühlerücken folgte am 5. März mit dem Eintritt von Peter Bauer (ehemaliger Infinion Vorstand) in den Aufsichtsrat.

Das Unternehmensergebnis für das Geschäftsjahr 2012 wies einen Umsatz in Höhe von 547 Millionen Euro auf; allerdings ließen verschiedene  Abschreibungen das Endergebnis ins Minus rutschen. Kaum war dies verdaut, entschlossen sich zwei weitere Führungskräfte, Kontron Ende Juni 2013 zu verlassen. Dr. Kaiser-Gerwens war als CFO für Finanzen, Treasury, Recht, M&A und die interne Revision zuständig und Thomas Sparrvik hatte die Position als stellvertretender Vorsitzender und CEO für Amerika und Asia-Pazifik inne. Das Gehen und Kommen ging weiter: Anfang Juni verzeichnete Kontron in Michael Väth einen Zugang; er wurde globaler Vertriebs- und Marketing-Chef und übernahm Sparrviks Aufgaben.

Im Juli wurde dann bekannt, dass Marcel Van Helten zum 1. September 2013 Dr. Martin Zurek in der Position des Leiters des Geschäftsbereichs Industrial ablöste. Die kürzeste Zeitspanne verlebte wohl Andrea Bauer bei Kontron. Mit Wirkung zum 16. September 2013 berief sie der Aufsichtsrat zum Finanzvorstand des Unternehmens und am 3. Dezember kam die Botschaft, dass Bauer das Unternehmen zum  31. Dezember einvernehmlich wieder verlassen werde. Kommissarisch übernahm zunächst Gerhard Klingele die Position.

Die größten Wellen schlug aber am 24. Juli die Entscheidung des Vorstands und Aufsichtsrats die Standorte Eching, Roding und Kaufbeuren bis Mitte 2014 zu schließen; die Zentrale soll nach Augsburg wandern und der Standort Deggendorf erhalten bleiben.

Viele der Mitarbeiter – gerade in Eching erachten dies als Fehlentscheidung des Managements und kommentierten den Beschluss gegenüber der Süddeutschen Zeitung mit Sätzen wie „Wir sind Kontron!“. Viele sind der Meinung, dass die Zentrale in den vergangenen Jahren zu Gunsten der neuen Standorte geschwächt wurde. Die Kompetenzen seien an andere Standorte verlagert und Mitarbeiter in Eching entlassen worden. Die Unternehmensleitung habe es im Gegenzug nicht verstanden, die zugekauften, insolventen Firmen, zu denen auch Augsburg gehöre, in den Echinger Betrieb zu integrieren. Dabei bemängeln die Mitarbeiter nicht einmal  die Neuaufstellung des Konzerns – nur der Standort sei falsch.

Das andere Lager ergibt sich in die Entscheidung und folgt dem Arbeitgeber nach Augsburg.Die Belegschaft fürchtet ferner, dass Kontrons Plan, sich in Asien besser aufzustellen, zu Lasten der deutschen Standorte gehen könne. Der Konzern plant künftig Synergien in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Produktion und Vertrieb zu stärken. In diesem Zusammenhang steht derzeit rund ein Drittel des Produktportfolios zur Debatte.

Auch über den zuliefernden und kooperierenden Unternehmen baumelt das Damoklesschwert: 1900 Lieferanten will Kontron auf weniger als 500 und die 100 Vertriebspartner auf weniger als 40 Unternehmen reduzieren.

Auch das noch junge 2014 brachte Änderungen an der Unternehmensspitze mit sich: Seit dem 7. Januar ist Dr. Stephan Gutthal als Leiter des Group Sourcing im Amt. Sein Fokus liegt auf der Harmonisierung des Einkaufs und der Optimierung der Zuliefererstruktur. Ein weiterer Neueinsteiger ist Ulf Harring, der bereits seit Februar den global agierenden Funktionsbereich Group Operations betreut. Ob ein stetiger Wandel Verbesserungen bringt, sei dahingestellt.