Die Zukunft des Ethernets wird geprägt durch die Migration alter Kommunikationstechnik, die IT und das Bröckelnd der Automatisierungspyramide.

Die Zukunft des Ethernets wird geprägt durch die Migration alter Kommunikationstechnik, die IT und das Bröckelnd der Automatisierungspyramide.Wayne Johnson – Fotolia.com

Bevor es konkret um die Trends der Ethernet-Technik ging, warf Wolfgang Schenk, Vice President Sales and Marketing EMEA bei Belden, einen Blick auf die übergeordneten Trends und damit vor allem auf die Industrie 4.0 – oder im Englischen das Industrial Internet of Things. Dabei stach vor allem eine Aussagen hervor: „Time Sensitive Networking (TSN) und OPC werden die Standards der Zukunft sein“, stellte er kategorisch fest und kündigte an, dass Belden nächstes Jahr Produkte vorstellen werde, die TSN sprechen. Außerdem sagte er voraus, dass sobald TSN die Bühne der Fabriken betrete, alle bisherigen Ethernet-Derivate verschwinden würden. Das würde vor allem Anwender freuen, dem einen oder anderen Automatisierungsunternehmen dürfte das gar nicht passen.

"Time Sensitive Networking (TSN) und OPC werden die Standards der Zukunft sein", stellte Wolfgang Schenk, Vice President Sales and Marketing EMEA bei Belden, fest.

„Time Sensitive Networking (TSN) und OPC werden die Standards der Zukunft sein“, stellte Wolfgang Schenk, Vice President Sales and Marketing EMEA bei Belden, fest.Redaktion IEE

Im Anschluss ging Mark Cooksley, Produktmanager für Netzwerkmanagement bei Belden, direkt ans Eingemachte und gab einen Überblick über die Trends, die Netzwerktechniker und ihr Ethernet in den nächsten Jahren beschäftigen werden.

Von seriell und proprietär zu Ethernet

Der erste Trend hat seine Anfänge bereits beim ersten Ethernet-Netzwerk, das je in eine Industrie-Anlage integriert wurde. Denn mit Ethernet vollzog sich der Schritt von proprietäre auf offene Standards und von seriell zu TCP/IP-Kommunikation. Doch obwohl dies eine alte Entwicklung ist, wird sie Automatisierungsanwender noch eine Weile begleiten. Denn noch immer sind nur ein Bruchteil bestehender serieller Verbindungen und proprietärer Netze auf Ethernet migriert. Cooksley sprach von lediglich 4 bis 5 % der seriellen Netzwerke, die auf Ethernet umgestellt wurden.

Automatisierung hinkt IT zehn bis 15 Jahre hinterher

Zusammen mit Ethernet findet auch immer mehr IT ihren Weg in die Fabriken – Windows, SQL und MES sind dafür nur drei Beispiele. Besonders deutlich wird der Zusammenhang zwischen Ethernet-Netzwerken und moderner IT aber nicht bei den hungrigen Datenbanken, sondern bei der Entwicklung, dass auch immer mehr Audio- und Videodaten in den Prozessen der Industrie zum Einsatz kommen – auch bekannt unter dem Schlagwort Netzwerkkonvergenz. Dieser Trend fordert die Netzwerke nicht nur was Datenmengen, sondern auch was Datengeschwindigkeiten anbelangt.

"Die Pyramide ist in fünf Jahren verschwunden", sagt Mark Cooksley das Ende des Automatisierungskonzepts voraus.

„Die Pyramide ist in fünf Jahren verschwunden“, sagt Mark Cooksley das Ende des Automatisierungskonzepts voraus.Belden

Anarchie im Netzwerk: Kommunikationshierarchien zerbrechen

Das Ende des Konzepts der Automatisierungspyramide kündigt sich an – auch ganz ohne Schlagworte wie Industrie 4.0 oder IoT. „Die Pyramide ist in fünf Jahren verschwunden“, prophezeit Cooksley. Denn bereits jetzt beginnen sich die strickten Hierarchien – du misst, ich steuer – aufzulösen.

Steuerungsaufgaben wandern von SPS und Controller in die Antriebe, Sensoren sprechen direkt mit einem MES oder der Cloud und lassen die Steuerung dabei außen vor. Das bedeutet mehr und komplexere Kommunikation. Und damit auch größere, leistungsstärkere und komplexere Netzwerke.