Die Herausforderung der Bustechnologie im neuen Jahrtausend

von Dipl.-Ing. Peter Zottele

Das politische Gerangel der letzten Jahre um den „richtigen“ Feldbus und das Warten auf den „internationalen Einheitsfeldbus“ wurde von den Anwendern relativ früh als taktische Winkelzüge der SPS-Hersteller erkannt.
Das nach außen propa-gierte Ziel – ein für alle Steuerungen einheitliches Bussystem zu schaffen – wurde intern konsequent durch die Etablierung eigener Systeme umgangen. Die Entwicklung zeigt es ganz deutlich: Ein einheitliches Bussystem wird und kann es auch in Zukunft nicht geben. Dazu sind nicht nur die Interessen der Bushersteller zu unterschiedlich, sondern auch die technologischen Anforderungen zu divergent.
Die Bestrebungen nach einer einheitlichen internationalen Norm führen zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis, wenn man auch nur eines der bereits am Markt vielfach bewährten Bussysteme außer acht lässt. Die IEC 61158, die im Dezember zur Abstimmung stand, zeigt uns diesen Weg. Nicht ein System sondern gleich sieben Bussysteme sollen unter einer Norm geführt werden. Dass alle diese Bussysteme ihren angestammten Platz in der Automatisierungstechnik haben, steht wohl außer Zweifel. Schlussendlich muss die Entscheidung für das eine oder andere System der Anwender selbst treffen.
Ein Trend, der sich für die nächsten Jahre eindeutig abzeichnet, ist die Integration der aus der Officewelt bekannten Übertragungstechnik über Ethernet unter Verwendung des bekannten TCP/IP-Protokolls. Nicht nur die beiden Welten der Management- und der Produktionsebene rücken immer näher, auch werden Entfernungen durch einfachste Anbindungen über das Internet unbedeutend. Damit bewegen wir uns mitten im Kernbereich zukünftiger Anwendungen. Fernwartung und Diagnose sind, passwordgeschützt, von jedem PC und jedem Punkt der Erde aus möglich. Was vor einem Jahr noch als gläserne Fabrik innerhalb eines produzierenden Unternehmens propagiert wurde, ist schon wieder überholt und gehört mittlerweile der Vergangenheit an. Serviceeinsätze werden dadurch immer weniger personalintensiv und können zeit- und raumunab-hängig durchgeführt werden. Ein zeitgleicher Serviceeinsatz in Asien und in Amerika ist von einer Person, egal wo sie sich gerade befindet, durchführbar.
Die Frage der Zukunft ist nicht mehr – welches Bussystem kommt zum Einsatz – vielmehr setzt man sich mit der Problematik der Vernetzbarkeit der Busse unter-ein-ander auseinander. Das Kommunikationszeitalter des 21. Jahrhunderts setzt gänz-lich auf einer anderen Ebene an. Die volle Funktionstauglichkeit der Über-tragungs-medien und die verwendeten Protokolle werden vorausgesetzt und nicht mehr hinter-fragt. Größeres Gewicht wird zukünftig auf die Applikationsschicht gelegt werden. Die Frage nach Werkzeugen, die es erlauben, auf Daten unterschiedlicher Kom-munikationsebenen zuzugreifen, werden dominieren. Einen ersten Schritt in diese Richtung ist man durch die Schaffung von OPC-Server und Clients bereits gegangen.
INTERBUS wird in diesem Zusammenhang noch viel mehr als bisher eine zentrale Rolle bei der Frage der Integration spielen. Nicht deshalb, weil es das erste und Protokoll-stabilste System im Feldbereich ist, sondern weil man schon bei der Entwicklung der ersten Komponenten vor fast 13 Jahren den Weg für zukünftige Anwendungen nicht verbaut hat und die Offenheit bis heute erhalten konnte.