Bildergalerie
Nicht nur mit RTCs erfolgreich: EM Microelectronic.
Hochleistungshalbleiter der ABB-Geschäftseinheit Semiconductors in Lenzburg. Einsatz beispielsweise in Lokomotiven und Kraftwerken.
Neuvorstellung zur Sensor+Test: Die Hall-Effekt-Sensor-Familie HAL 38xy von Micronas.
Alle benötigten Kunststoffteile wie Isolierkörper oder das gesamte D-Sub-Hauben-Programm stellt Deltron auf hochmodernen Spritzgussautomaten her, die Werkzeuge hierfür werden durch die eigenen Spezialisten entworfen und gebaut.
Durch die Situation an den  Währungsmärkten  sehen sich  viele Schweizer Firmen mit  einem enormen Kostendruck konfrontiert, was durch den starken Schweizer Franken forciert wird. Roland Steinemann, Geschäftsführer des Verbandes SwissT.net.

Alle für einen, einer für alle

„Unus pro omnibus, omnes pro uno“ – zu deutsch alle für einen, einer für alle – ist wohl die bekannteste Redewendung aus Alexandre Dumas‘ Roman „Die 3 Musketiere“. Darüber hinaus gilt sie auch als traditioneller Wahlspruch der Eidgenossen. Darüber hinaus ist die Schweiz vor allem für die Qualität ihrer Produkte bekannt. Das gilt natürlich nicht nur für Uhren, Schokolade, Käse oder das Schweizer Banksystem sondern auch für die vielen elektronischen Komponenten, die hier hergestellt werden, angefangen von Mikrocontroller und Power-Management-IC über Sensoren und Quarze bis hin zu Steckverbindern und Kabeln.

In Sachen Bevölkerungszuwachs explodiert die Schweiz geradezu und weist weltweit als Land eine der höchsten Einwohnerzahlen pro Quadratkilometer auf. Der Ausländeranteil liegt seit längerem über 20 Prozent, ein im Vergleich zu anderen Ländern enorm hoher Anteil. Zurzeit beträgt die Einwohnerzahl etwa 7,8 Millionen, bis in zwei/drei Jahrzehnten rechnet man mit 9 bis 10 Millionen (1945: 4,5 Millionen)! Zurückzuführen ist dieses außergewöhnliche Wachstum vor allem auf das Freihandelsabkommen mit der EU. Tatsache ist: Das Land ist bei Zuwanderern äußerst beliebt. Für die Deutschen ist die kleine Schweiz in der Zwischenzeit sogar zum Auswanderungsland Nr.1 geworden. Einerseits profitiert die Wirtschaft von den vielen hochqualifizierten, meistens jüngeren ausländischen Fachleuten, die erwiesenermaßen markant zum hiesigen Wirtschaftserfolg beitragen. Anderseits sind immer mehr Bürger der Meinung, dass das Land nun eindeutig übervölkert sei. Die größte Partei hat bereits eine Volks-Initiative gestartet, um die extrem hohe Zuwanderung zu stoppen. Die Wirtschaft boomt zurzeit und die Arbeitslosigkeit ist im Vergleich zum Ausland extrem niedrig. Die Steuern sind generell niedrig, die Mehrwertsteuer beträgt sogar nur 8 Prozent, statt 19 Prozent wie beim nördlichen Schweizer Nachbarn Deutschland, einem der wichtigstem Wirtschaftspartner. Bemerkenswert: Von der Wirtschaftskraft her entspricht das 7,8 Millionen-Volk durch die ansässigen Weltkonzerne der Wirtschaftskraft eines 25-Millionen-Volkes. Es gibt aber auch schlechte Wirtschafts-Nachrichten: Der fast täglich stärker werdende Schweizer Franken zeigt neuerdings vermehrt negative Auswirkungen auf das Land, in welchem praktisch jeder zweite Franken im Export verdient wird. Andererseits erstaunlich, die Schweizer Luxusuhren können anscheinend nicht teuer genug sein: Swatch kommt mit dem Ausliefern vor allem in den asiatischen Raum kaum nach. So eröffnet der Hersteller in der Schweiz mehrere Fabriken und stellt Hunderte Uhrenfachleute ein – wenn er sie findet. High-Tech vom Allerfeinsten heißt hier das Motto.

Die Schweizer Elektronik-Branche betrachten

Nebst Nestlé, Swatch, der Pharma- und Maschinenindustrie, dem weltweit größten Rohstoffhändler Glencore sowie überdimensionierten Banken (UBS, Credit Suisse) mit hohem Anlage-Vermögen aus aller Welt, gibt es hier auch zahlreiche kleine und mittelgroße Elektronik-Unternehmen. „Swiss-Made“ hat in diesem Segment einen guten Ruf, so wie ihn beispielsweise „Made-in-Germany“ weltweit ebenfalls besitzt. Allerdings kann sich die Schweiz im Elektronikbereich lediglich als Nischenplayer für High-Tech-Lösungen gut profilieren. Das Volumengeschäft läuft anderswo. Für Letzteres sind die Lohn- und Nebenkosten in diesem teuren Land schlichtweg zu hoch. Also müssen sich die Unternehmen stets an pfiffigen Projekten aller Art beteiligen, wo nicht der Stückpreis das alleinige A und O darstellt, sondern wo Innovation und Mehrnutzen für den Anwender zählen. Wenn es um Elektronik geht, ist es natürlich essenziell, einen Blick auf den Halbleiterbereich zu riskieren.

Halbleiterfirmen im Fokus

In der Schweiz befinden sich namhafte Halbleiterfirmen, die eigene Komponenten designen und/oder herstellen. Nachstehend einige wichtige Unternehmen in diesem Bereich: EM Microelectronic aus Marin in der Nähe von Neuenburg in der französischen Schweiz wurde in den 70er-Jahren gegründet und startete mit miniaturisierten integrierten Schaltungen mit niedrigem Stromverbrauch für die Uhrenindustrie. Kein Wunder, gehört das Unternehmen seit 1985 zu einem der weltgrößten Uhrenhersteller, der Swatch-Group, und verfügt in Marin über ein eigenes Design-Center. Die EM entwickelt und produziert nicht nur Uhrenchips, sondern beliefert auch andere Marktsegmente. Beispiele sind in der Automotive-, Consumer- und anderen Industrien zu finden. Das Produkt-Portfolio umfasst RFID-Schaltungen, Smart-Card-ICs, Mikrocontroller, Power-Management-Lösungen, LCD-Treiber und Displays, Sensoren und Optoelektronik-ICs, Mixed-Mode-Arrays, Standard-Analog-ICs und ASICs; zudem Systemlösungen und Module für diverse Einsatzgebiete. Mittlerweile erzielt EM den Hauptumsatz nicht mehr mit Uhrenchips, sondern mit den anderen Produkten und Systemen. Weitere EM-Design-Center und Verkaufsorganisationen gibt es in den USA und in Prag.

Die 1995 gegründete Micronas Semiconductor in Zürich entwickelt und fabriziert Cutting-edge-Sensoren sowie Controller. Darüber hinaus befinden sich IC-Systemlösungen für Automotive und Industrie-Elektronik im Portfolio. Im Verkaufsprogramm befindet sich eine grosse Palette an Hall-Effekt-Sensoren, zum Beispiel die HAL 38xy Familie. Die Firma beschäftigt rund 900 Mitarbeiter.

Das unter dem Namen „Brown, Boveri, alias BBC“ gegründete Unternehmen gehört seit Jahrzehnten zu den größten Schweizer Unternehmen in der Maschinen- sowie Elektro/Elektronik-Branche: Heute fungiert es unter dem Namen ABB und gilt als führender Konzern der Energie- und Automationstechnik. Beschäftigt werden weltweit rund 125.000 Mitarbeiter in etwa 100 Ländern, wovon sich 6300 in der Schweiz befinden. In Baden/Dättwil, rund 20 Kilometer von Zürich entfernt, befindet sich zudem eine der sieben Konzern-Forschungsanstalten mit rund 170 Spezialisten aus 25 Ländern. Zwei Drittel davon sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. In der Schweiz entwickelt und produziert ABB diverse Komponenten, Geräte und Systeme für die Energietechnik, Prozessautomation, Niederspannung, Antriebe, Gebäudeautomation, um nur einige zu nennen. Die ersten LCD wurden ebenfalls hier entwickelt.

In Dübendorf bei Zürich befindet sich die Fabless-Halbleiterfirma Axsem, die auf die Entwicklung und das Marketing von leistungsfähigen Analog- und Mixed-Signal-Produkte – speziell im Bereich der drahtlosen Kommunikation – fokussiert und die sich voll im Privatbesitz der Gründer befindet. Heute zählt das Unternehmen zu den Marktführern bei RF Short Range Devices. Die Standard-Produkte basieren auf einer Kombination aus High Performance Analog RF-CMOS-Technologien und komplexen digitalen Modems. Die RF-Transceiver werden vor allem im allgemein verwendeten ISM-Band meistens unter 1 GHz eingesetzt. Typische Empfindlichkeiten liegen im Bereich von -116 bis -126 dBm für 2 kbps (narrow-band oder general-purpose). Je nach IC beträgt die maximale Ausgangsleistung zwischen 14 und 20 dBm. Da Axsems RF-Transceiver über integrierte RX/TX-Schalter verfügen, ist das Anpassen an die Netzwerke eine einfache Angelegenheit. Dass das Unternehmen floriert, zeigt die Tatsache, dass die Firma für ihre Mikroelektronik verstärkt Fachleute sucht, beispielsweise Analog & RF Entwicklungs-Ingenieure, Analog Layouter, Digital Verification Ingenieure, Produktions-Manager und Produktions-Spezialisten. Nebst den hier erwähnten Unternehmen im Halbleiterbereich sind noch Firmen wie Abilis Systems sowie ST-Ericsson in Plan-les-Quates, Advanced Silicon in Lausanne, Colibrys Neuchatel, Synova Ecublens sowie µ-Blox in Thalwil zu nennen.

Stecker und Kabel Made in Switzerland

Der D-Sub-Steckverbinder ist tot, es lebe der D-Sub-Steckverbinder. Deltron in Kirchberg bei Bern ist einer der großen Befürworter dieser elektromechanischen Komponente. Stellt sich die Frage, warum das so ist. Der Hersteller produziert seine Delconec-Steckverbinder komplett in der Schweiz, so dass diese automatisch vom so genannten Swissness-Bonus profitieren. Das Unternehmen investiert stetig Mittel in die Automatisierung des Herstellungsprozesses. Die Stift- und Buchsenkontakte werden nicht ausschließlich selber hergestellt, sondern Deltron arbeitet auch mit kleineren KMUs aus der Schweiz zusammen. Das Unternehmen hat sich auf kleinere bis mittlere Stückzahlen – von einigen Hundert bis einigen Hunderttausend – spezialisiert, führt darüber hinaus Sonderanfertigungen flexibel auf Kundenwunsch aus. Die Steckverbinder kommen nicht nur in der Schweiz zum Einsatz – 65 bis 70 % der Produktion geht ins Ausland. In der Schweiz beträgt der Marktanteil von D-Sub-Steckern 30 bis 35 %.

Ein weiterer bekannter Name im Bereich Verbindungstechnologien ist Huber+Suhner. „Excellence in Solutions“ lautet folglich auch das Motto des in Herisau und Pfäffikon ansässigen Unternehmens. Huber+Suhners Produkte, wie der LC-HQ-Push-Pull oder der ODC, um nur zwei Beispiele zu nennen, sind in den Bereichen Telekommunikation, Transportation & Automotive, Schiffbau oder Industrie zu finden. Der kürzlich auf den Markt gebrachte LC-HG-Push-Pull-Steckverbinder kombiniert einfache Installation mit exzellenter Packungsdichte, so dass Netzbetreiber und Ausrüster nicht mehr durch den bisher bei LC-Standard-Komponenten üblichen limitierten Verbinderzugriff beschränkt sind.

Im Blickpunkt: Zulieferanten

In Deutschland boomt derzeit die Automobil-Industrie: Premium-Marken, wie Audi, Mercedes, BMW und andere sind mit ihren Luxusmodellen im asiatischen Raum heiß begehrt. Auch in der Schweiz sind deutsche Autos aufgrund von Qualität und Image beliebt. So führt VW die Rangliste der meist verkauften Wagen seit Jahren an und praktisch nirgends auf der Welt gibt es pro Kopf der Bevölkerung so viele Porsche-Sportwagen wie in der Schweiz. Schweizer Unternehmen tragen als Zulieferanten von Elektronik, Präzisionsmaterial, Kabel oder Isolationen ihren Anteil zum Erfolg bei. Beispiele: Rieter für Fahrzeugakustik, Georg Fischer für Gussteile, ABB Schweiz für Automationstechnik, EMS-Chemie (im Besitz der Familie von Milliardär Christoph Blocher, ehemaliger Bundesrat und bekannter Schweizer Politiker) im Bereich Kunststoffe, Sika in der Klebetechnik, Sulzer in der Oberflächentechnologie, Oerlikon bei Gangschaltungen (beliefert Lamborghini und McLaren mit Getrieben), Feintool für Mechanik, LEM für Elektrik. Das sind nur einige Firmen, die für die Automobil-Industrie tätig sind. Daneben gibt es kleinere pfiffige Unternehmen, die Software oder wichtige Bestandteile als Zulieferanten anbieten.

SwissT.net – wichtiger Schweizer Fachverband

Das Swiss Technology Network, kurz SwissT.net, wurde vor 35 Jahren gegründet. Heute vertritt der Verband die Interessen der Mitglieder aus Automatisierungstechnik, Elektronik, Verkehrstelematik, Energieinfrastruktur, Netzwerke und Kommunikation sowie der Hochschulen in der Schweiz. Zusammengefasst ist das SwisssT.net die Plattform in der Schweiz für Anbieter von Technologien der Elektrotechnik. Ziele: die wirtschaftlichen Interessen der Mitglieder zusammenzuführen und zu vertreten, für Transparenz und einen optimalen Wissenstransfer sorgen sowie den Nachwuchs zu fördern. Die elektronik industrie wollte wissen, welche Probleme der derzeit starke Schweizer Franken verursacht? Dazu Roland Steinemann, Geschäftsführer des SwissT.net-Verbands: „Viele der 400 Mitgliederfirmen sehen sich mit hohem Kostendruck konfrontiert und sind auf bestmögliche Rahmenbedingung angewiesen. Durch die Situation an den Währungsmärkten hat sich dies noch verschärft, auch wenn die Schweizer Hersteller seit jeher gewohnt sind, Aspekte wie Qualität, Effizienz und Know-how in den Vordergrund zu stellen und sehr selten nur über einen tiefen Preis ihre Produkte und Dienstleistungen im Weltmarkt verkauften. Trotzdem, die Schweizer Exportunternehmen stehen vor einer großen Herausforderung. Die Volumen, gerade im Elektronikbereich, sind zwar im ersten Quartal des laufenden Jahrs gestiegen, ein Book-to-Bill von kleiner 1 lässt jedoch die Vermutung zu, dass der Wachstumspeak bereits wieder überschritten sein könnte.“

Fazit: Ohne die ortsansässigen High-Tech Firmen wäre in der Schweiz vieles Käse. Ob in Industrie, Automotive oder Medizinelektronik – Komponenten Made in Switzerland sind top.