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Dipl.-Ing. Burkhard Kunze ist Gründer und Vorsitzender der Geschäftsführung. Heute ist er zuständig für Produktplanung und -studien.
Wolfgang Reitberger-Kunze ist Geschäftsführer und zuständig für Entwicklung und Technik, Einkauf, Logistik und Zoll.
Dipl.-Ing. (FH) Bernhard Kühner, MBA, ist Geschäftsführer und verantwortet Vertrieb und Marketing.

Als mein Vater Burkhard Kunze im Januar 1990 die Kunze Folien GmbH im schönen oberbayerischen Oberhaching bei München gründete, war er sich sicher, dass er mit der Entwicklung, Herstellung und Verarbeitung von wärmeleitenden Produkten eine Nische in Deutschland gefunden hat, mit der er sich auch weltweit einen Namen machen würde. Mehrere Jahre zuvor hatte er bereits die Kunze Kühlkörper GmbH gegründet; heute sind beide Unternehmen längst verschmolzen. Meinem Vater war sehr früh klar, dass mit dem Trend zu höherer Packungsdichte bei zudem steigender Leistungsdichte in der Halbleiterei das Wärmemanagement mit Glimmer und Wärmeleitpaste keine Perspektive hat.

Dem Standort verbunden: Kunze Folien fertigt in Oberhaching Wärmemanagement-Produkte für den deutschen und den weltweiten Einsatz.

Dem Standort verbunden: Kunze Folien fertigt in Oberhaching Wärmemanagement-Produkte für den deutschen und den weltweiten Einsatz.Kunze Folien

„Für unsere Wärmeleitfolien gab es schon damals, im Jahr 1990, denkbar viele Anwendungsmöglichkeiten“, erinnert sich Burkhard Kunze. Was nützen gut dimensionierte Leadframes der Halbleiter und große Heatsinks, wenn der Wärmetransport zwischen beiden hakt. Abhilfe schaffen besagte Wärmeleitfolien. Sie verfügen im Vergleich zu flüssigem Material über einige Vorteile und finden heutzutage breiten Zuspruch und Einsatz bei den Entwicklern. Im Jahr 2013 haben wir bei Kunze Folien mit 42 Mitarbeitern einen Umsatz von 6,5 Millionen Euro erwirtschaftet. Und das mit über 26 Millionen am Standort Oberhaching gefertigten Bauteilen. In diesem Jahr werden wir wahrscheinlich über 7 Millionen Euro erreichen.

Die Theorie zum Wärmemanagement

Wichtig sind hierbei das thermodynamische Verständnis und der Wärmepfad. Eine bestimmende Größe bei der Betrachtung des Wärmemanagements ist der thermische Widerstand. Dieser Wärmekennwert ist ein Maß für die Temperaturdifferenz, die in einem Objekt oder Material beim Hindurchtreten eines Wärmestromes entsteht. Er ist umgekehrt proportional zur Wärmeleitfähigkeit. Das heißt, je besser ein Bauteil die Wärme ableitet, desto kleiner ist sein Wärmewiderstand. Ausgehend beispielsweise von der Sperrschichttemperatur eines Halbleiters wird Wärme über den Leadframe auf das Transistorgehäuse und dessen Kühlkörper übertragen und muss von dort über die Leiterplatte oder zu einer Wärmesenke abgeführt werden. Um dies zu unterstützen, setzen viele namhafte nationale und internationale Elektronikhersteller bereits im frühen Entwicklungsstadium auf die Produkte und das Know-how unseres Unternehmens. Aufgrund technischer Anforderungen bestehen diese Produkte in der Regel aus Silikonelastomeren, die mit wärmeleitenden Füllstoffen angereichert sind. Das sogenannte Interfacematerial wird zwischen den Leistungshalbleiter und der Wärmesenke positioniert, sodass die überflüssige thermische Energie, die beim Betrieb entsteht, effizient und sicher abfließen kann. In der Regel sind die Folien zudem elektrisch isolierend. Einsatzfelder gibt es reichlich: von Haushaltsgeräten über den Bereich Industrieelektronik, regenerative Energieerzeugung, Antriebstechnik, Fahrzeugelektronik bis zur Leuchtmitteltechnik wie beispielsweise High-Power-LEDs (Leuchtdioden).

Hauptumsatzträger sind die verschiedenen wärmeleitenden Silikonprodukte, etwa Thermosilikonschläuche und -kappen oder Softsilikonmaterialien. Hinzu kommen zahlreiche weitere Produkte wie Aluminium- und Kupferfolien, wärmeleitende Klebefolien, silikonfreie wärmeleitende Folien, keramische Isolierscheiben, aber auch diverse Befestigungstechniken wie Befestigungsklammern sowie Kühlkörper aus Aluminium und Kupfer. Dabei entwickeln und fertigen wir auch kundespezifische Lösungen wie flüssigkeitsgekühlte Likool-Kühler. Spätestens hier wird offensichtlich, wie günstig unser Firmenstandort liegt.

Komplettanbieter

Mehr noch: Wir sind Komplettanbieter für Heatmanagement-Lösungen und offerieren eine Vielzahl von Dienstleistungen in diesem Bereich, zum Beispiel Wärmeleit- und Wärmebildmessungen oder konstruktionsbegleitende Simulationen. Hier kooperieren wir eng mit unserem Partner, dem Stuttgarter ZFW – Zentrum für Wärmemanagement. Wie gut auch hier, dass wir räumlich nah beieinander liegen.

Maßgeschneidert auf modernen Produktionsanlagen: Wärmeleitfolien und andere Produkte für das knifflige Wärmemanagement stellt Kunze Folien unter anderem im Süden Münchens her.

Maßgeschneidert auf modernen Produktionsanlagen: Wärmeleitfolien und andere Produkte für das knifflige Wärmemanagement stellt Kunze Folien unter anderem im Süden Münchens her.Kunze Folien

Unsere Produkte liefern wir dennoch weltweit an zahlreiche Distributoren und Subcontractoren, unter anderem nach China, Indien, Kanada, Südafrika und in die USA. Wir fertigen jedoch ausschließlich an unseren beiden Standorten im heimischen Oberhaching. Das gilt für jeden Produktionsschritt, sei es Stanzen, Laminieren oder Schneiden aber auch spangebene Arbeiten. Das geht, weil die Produktion weitgehend automatisiert ist.

Im internationalen Geschäft ist es wichtig, dass wir als zugelassener Wirtschaftsbeteiligter eine sichere Lieferkette anbieten können: Die Absicherung der durchgängigen internationalen Supply Chain vom Hersteller einer Ware bis zum Endverbraucher soll die bestehenden Risiken soweit als möglich minimieren. Unterstützt wird dies auch dadurch, dass die Politik in Europa und den USA Rahmenbedingungen für einen erhöhten bürokratischen Aufwand schafft, welcher unter anderem versucht, die Sicherheit von Geschäftsabläufen zu erhöhen.

Aus Bayern in die Welt

Wir waren uns bereits in 2010 in der frühen Planungsphase zur Einführung des AEO sicher, dass diese Entscheidung für den zugelassenen Wirtschaftsbeteiligten langfristig mehr Effizienz sowie Sicherheit im eigenen Hause schaffen wird. Dass wir die von namhaften Großunternehmen geforderten Zertifikate vorweisen können gibt uns heute einen entscheidenden Vorteil. Und wir sichern unsere eigene Lieferkette. Die AEO-F-Zertifizierung haben wir seit 2011 inne und 2012 wurden wir vom Luftfahrtbundesamt erfolgreich zum bekannter Versender zertifiziert.

Der Exportanteil unserer Produkte lag im ersten Quartal 2014 bei über 20 % unseres Umsatzvolumens. 2003 lag der Gesamtumsatz bei rund 3,5 Millionen Euro Umsatz mit einem Exportanteil von unter 10 %. Das kontinuierliche Wachstum konnten wir rein aus dem Cash-Flow erwirtschaften: seit über 17 Jahren ohne Bankkredite. Zudem reinvestieren wir in unseren Standort in Oberhaching jedes Jahr über 5 % gerechnet am Gesamtumsatz.

Investitionskultur

In 2013 haben wir unseren Vertriebsbereich räumlich neu ausgerichtet und die Produktionsflächen erheblich erweitert. Abgerundet haben wir unser jährliches Investment dann mit der Anschaffung weiterer hochmoderner computergesteuerter Schneideanlagen – maßgeschneidert auf unsere speziellen Bedürfnisse. Aktuell investieren wir wieder in neue Mess- und Laboreinrichtungen sowie in Vertriebs- und Qualitätssoftware.

Selbstverständlich bauen wir unseren Mitarbeiterstamm organisch aus. Seit dem Januar 2014 haben wir den Kreis der Geschäftsführer zudem um eine Person erweitert: Herr Bernhard Kühner zeichnet sich verantwortlich für den Bereich Vertrieb und Marketing. Langfristig planen wir die Mitarbeiterzahl auf 50 auszubauen. Als Umsatzziel planen wir bis 2017 mit etwa 9 Millionen Euro, das Wachstum soll weiterhin organisch geschehen und aus dem Cash-Flow finanziert werden. Gebraucht werden Wärmeleitfolien zunehmend etwa im Bereich regenerativer Energieerzeugung durch Windkraft und Solarenergie sowie der dazu nötigen Transformierung von Gleich- in Wechselstrom mittels Spannungswandlern. Auch durch die Elektrifizierung des Kfz-Antriebsstrangs, bei der LED-Leuchtmitteltechnik und der Heiztechnik entstehen neue spannende Märkte.

Der US-amerikanische Jurist Oliver Wendell Holmes, 1841-1935, verkündete stolz: „Ich zahle gerne Steuern. Damit kaufe ich mir Zivilisation.“

Der US-amerikanische Jurist Oliver Wendell Holmes, 1841-1935, verkündete stolz: „Ich zahle gerne Steuern. Damit kaufe ich mir Zivilisation.“Library of Congress, USA

Steuern für das Gemeinwohl

Wir führen als Familienunternehmen unsere Gewinne nicht einfach ab, wir investieren einen erheblichen Anteil in das Unternehmen und in die Standortsicherung. Wir identifizieren uns absolut mit unserem Unternehmensstandort und unserer Gemeinde. Die uns zur Verfügung stehende Infrastruktur schätzen wir sehr – alleine schon deshalb investieren wir seit 25 Jahren am Heimatstandort Oberhaching. Wir fördern die Jugend, indem wir Randsportarten (Squash-Club Oberhaching) als Sponsor unterstützen. Wir nehmen unsere Pflichten ernst und lassen andere an unserem unternehmerischen Erfolg teilhaben, beispielweise beteiligen wir uns mit Sach- und Geldspenden an Projekten von Schulen und öffentlichen Einrichtungen. Mit unserem Engagement für unsere Region leisten wir unseren sozialen Beitrag zusätzlich zu unserem steuerlichen Abgaben und tragen somit zur dauerhaften Standortsicherung Oberbayerns bei.

Warum ich das alles erzähle? Wir halten unsere Philosophie für eine Selbstverständlichkeit. Die Realität ist oft ein andere: Viele Firmen optimieren ihr Steueraufkommen soweit, dass sie sich nicht mehr angemessen an den Kosten der Infrastruktur beteiligen, die sie aber selbstverständlich nutzen. Dass man auch ohne solche Tricks sehr erfolgreich sein kann, und seinen Nachbarn mit gutem Gewissen in die Augen schauen kann: Hoffentlich setzen wieder mehr Unternehmer auf diese Tugenden!