Alle elektrischen Produkte von Bosch sollen grundsätzlich IP-fähig sein. Diese Anweisung von Denner bereits zu seinem Antritt als Bosch-Chef zeigt, welch große Bedeutung er der Vernetzung beimisst. Aktuell liegt die Quote bei 50 Prozent, bis zum Jahr 2020 soll das Ziel dann vollständig erreicht sein. Gerade im Automotive-Bereich eröffnet die Konnektivität völlig neue Anwendungen und Geschäftsfelder. Als konkrete Beispiele nennt Denner etwa einen digitalen Schutzschild für Motorradfahrer, bei dem diese und andere Verkehrsteilnehmer per Direktfunkverbindung rechtzeitig vor der Entstehung kritischer Situationen gewarnt werden.

Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Bosch, hält die erste Keynote zum Thema vernetzte Mobilität auf dem 21. Automobil Elektronik Kongress vom 27. bis zum 28. Juni 2017.

Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Bosch, hält die erste Keynote zum Thema vernetzte Mobilität auf dem 21. Automobil Elektronik Kongress vom 27. bis zum 28. Juni 2017. Alfred Vollmer

Mit der Einrichtung einer speziellen Automotive Cloud Suite für die Bosch IoT Cloud sind weitere Anwendungen der vernetzten Mobilität möglich. So erprobt Bosch zusammen mit Daimler einen Parkplatzsuch-Service, der Autofahrer in Echtzeit über gerade verfügbare Parkmöglichkeiten informiert.

Doch die Vernetzung hört natürlich nicht beim Fahrzeug auf. Denner weist hier insbesondere auf die sinnvolle Verknüpfung von Fahrzeug und Smart Home hin. Das in einem kurzen Einspielfilm gezeigte Beispiel ist zwar seiner Ansicht nach nicht unbedingt die naheliegendste Anwendung, doch beim Publikum kam sie gut an: Dort hat der Fahrer vom Auto aus Zugriff auf eine Webcam im heimischen Kühlschrank und kann so den dort herrschenden Bier-Notstand rechtzeitig erkennen und per Sprachbefehl zur Erweiterung der Einkaufsliste auch gleich beheben.

Deutlich ernster wird Denner bei der für die Vernetzung notwendigen Mobilfunkinfrastruktur: „Deutschland ist in dieser Hinsicht immer noch ein digitales Entwicklungsland – und zwar sowohl bei der verfügbaren Bandbreite als auch bei der Netzabdeckung.“ Ebenfalls kritisch sieht er den mit der Vernetzung weiter steigenden Datenhunger vieler Unternehmen und fordert deshalb kategorisch: „Der Kunde muss der Starke in der vernetzten Welt sein, nur er allein darf entscheiden, was mit seinen Daten passiert.“ Die Produkte und Dienstleistungen von Bosch seien dieser Maxime entsprechend konzipiert.

Schlüsselrolle für Künstliche Intelligenz

Ein wichtiger Aspekt, der mit der Vernetzung einhergeht, ist nach Ansicht von Denner das Thema Künstliche Intelligenz (KI): „KI wird zukünftig eine Schlüsselrolle spielen.“ Konkret setzt Bosch beispielsweise bei der Objekt- und Personenerkennung auf neuronale Netze (Deep Learning). Angestrebt ist ein semantisches Szenenverständnis, bei dem das Erkannte auch in einen sinnvollen Zusammenhang gebracht werden kann. So weiß ein erfahrener Autofahrer etwa, dass er bei Kindern im Straßenverkehr mit einem viel spontanerem Verhalten rechnen muss als bei Erwachsenen. Ein vernetztes, intelligentes Fahrzeug muss ebenfalls über ein solches Situationsverständnis verfügen. Die für vernetzte Mobilität notwendige Rechenleistung muss zukünftig nicht allein im Fahrzeug erbracht werden: „Beim Vehicle Cloud Computer wird sich zunehmend mehr Intelligenz außerhalb des Autos befinden“, so Denner. Voraussetzung dafür sind allerdings natürlich erst einmal entsprechend leistungsfähige und zuverlässige Mobilfunkinfrastrukturen.

Dass Denner mit seinem Thema einen Nerv getroffen hat, zeigt sich auch daran, dass in den nachfolgenden Keynotes viele Redner Bezug auf seinen Vortrag nehmen.