Die Digitalisierung war von Anfang an oberstes Ziel: Bereits im Jahr 2002 trafen sich Vertreter von Bund, Ländern, Arbeitgeberverbänden und Kammern, Gewerkschaften, die Bundesagentur für Arbeit, Unternehmen, Sozialversicherungsträger und Stiftungen als „Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA)“ – mit dem Ziel, die deutsche Gesellschaft auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten. Die sozialpartnerschaftliche Ausrichtung stellte sicher, dass die Interessen von Arbeitgebern und Belegschaften gleichermaßen berücksichtigt werden. Das INQA-Projekt wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags gefördert.

One-Piece-Workflow-Arbeitsplätze erzielen Wirkungen in mehreren Handlungsfeldern – auch profitieren Mitarbeiter und Unternehmen gleichfalls.

One-Piece-Workflow-Arbeitsplätze erzielen Wirkungen in mehreren Handlungsfeldern – auch profitieren Mitarbeiter und Unternehmen gleichfalls. Harting

Vom Arbeitgeber- zum Arbeitnehmermarkt

In den letzten 15 Jahren hat sich die Lage am Arbeitsmarkt deutlich verändert. Die Arbeitslosenquote betrug 2001 rund 10 Prozent und stieg bis ins Jahr 2005 auf den Höchstwert von 11,7 Prozent. Von da an ging es erfreulicherweise bergab. Derzeit vermeldet die Bundesanstalt für Arbeit nur rund 6 Prozent (2016) Arbeitslosigkeit. Was passiert nun am Arbeitsmarkt? Die Zahl der offenen Stellen steigt, die Dauer bis zur Nachbesetzung ebenso. Lutz Stratmann, Geschäftsführer der Demografieagentur für die Wirtschaft in Hannover: „Wir sehen häufig betroffene Mienen, wenn Geschäftsführern nach einer Altersstrukturanalyse bewusst wird, welche Abgänge sie in wenigen Jahren zu verkraften haben. So wird der demografische Wandel schnell zur Chefsache.“ Die Demografieagentur, gegründet 2012, wird ebenso wie das INQA-Projekt von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden getragen und ist die einzige bundesweit agierende Gesellschaft mit sozialpartnerschaftlicher Zusammensetzung.

Arbeitswelt der Zukunft

Die Arbeitswelt der Zukunft wird anders sein als heute, schreibt Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles in Ihrem “Weißbuch Arbeiten 4.0 – Arbeit Weiter Denken”. Dieses Weißbuch beantwortet Fragen, die im Rahmen eines gesellschaftlichen Dialogprozesses zum Thema Arbeiten 4.0 aufgeworfen wurden und stellt verschiedene Positionen und Lösungsansätze dar.

Dank der Entwicklung der letzten Jahre können die Beschäftigten wählerischer sein. Das belegt auch eine aktuelle Umfrage. Ernst & Young befragte in der Jobstudie vom März 2017 rund 1.400 Arbeitnehmer. Sie zeigt, dass immer mehr Unternehmen auf die geänderte Fachkräftesituation reagieren und über einen hohen Prozentsatz zufriedener und hochmotivierter Mitarbeiter verfügen. Zudem bestätigen Altersstruktur-Analysen die Herausforderungen alternder Belegschaften. Einige der von der Demografieagentur untersuchten Firmen müssen in den nächsten fünf Jahren ein altersbedingtes Ausscheiden aus dem Unternehmen von bis zu 10 Prozent der Gesamtbelegschaft hinnehmen. Damit verlieren die Unternehmen nicht nur wertvolle Mitarbeiter, sondern auch gewachsene Kontakte, umfangreiches Fachwissen und unersetzliche Erfahrungen.

Mit jedem Personalabgang sind erhebliche Kosten verbunden. Dabei sind die Effekte des Performance- und Wissensverlusts noch nicht berücksichtigt. Darüber hinaus ist lebenslanges Lernen das Gebot der Stunde. Mit dem Wissen von heute werden keine Probleme von morgen gelöst, dies mussten Firmen wie Agfa, Nokia oder auch Commodore schmerzlich erfahren. Alle Arbeitnehmer müssen in einen kontinuierlichen Lernprozess eintreten, um Innovations-, Leistungs- und Qualitätsanforderungen der Kunden dauerhaft zu bewältigen. Die Digitalisierung kann helfen, diese Problematik zu entschärfen, denn sie reduziert den Bedarf an menschlicher Arbeit. Aber dieses Potenzial ist begrenzt. Eine zunehmende Digitalisierung ist nur im Einklang mit den Anforderungen der Arbeitnehmer sinnvoll, sonst überwiegen die negativen die positiven Aspekte.

 

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