Mark Larson ist Geschäftsführer und COO von Digi-Key in Thief River Falls, Minnesota, USA.

Mark Larson ist Geschäftsführer und COO von Digi-Key in Thief River Falls, Minnesota, USA.

elektronik JOURNAL: Sie sind auf der diesjährigen Electronica mit einem erweiterten Stand angetreten und ergänzen den Messeauftritt mit einem aufwändigen Marketingkonzept. Lohnt sich der Aufwand?

Mark Larson: Wir haben täglich ungefähr 10.000 Besucher, also: ja, der Aufwand lohnt sich. Da wir alle unsere Produkte zentral aus den USA versenden, lautet eine der Botschaften hinter diesem Konzept: Wir sind eine reale Firma, kein anonymes Versandhaus. Außerdem ist die Electronica eine hervorragende Gelegenheit, unsere europäischen Supplier persönlich zu treffen. In den letzten Jahren haben wir die Linecard kontinuierlich erweitert und für den europäischen Markt auch besonders darauf geachtet, europäische Hersteller ins Sortiment aufzunehmen. Wir wachsen hier inzwischen sehr viel schneller als in den USA.

elektronik JOURNAL: Sie versenden ihre Produkte in beliebigen Stückzahlen, vom einzelnen Baustein bis zu Produktionsstückzahlen. Wäre es da nicht sinnvoller, weltweit lokale Lager aufzubauen?

Mark Larson: Wir legen Wert auf ein sehr breites Angebot. Mit lokalen Lagern würde der Aufwand steigen: In vielen Fällen müssten wir die Bestandteile einer Sendung aus verschiedenen Lagern zusammenstellen. Es ist daher für uns sinnvoller, alles an einem Ort zu versammeln. In Europa findet sehr viel Entwicklung und Kleinserienfertigung statt, da ist die Vielfalt unserer Linecard ein entscheidender Faktor. Der Sweetspot für die Bestellmenge von Bauteilen liegt im Bereich von 10.000er-Stückzahlen. Das lässt sich mit Luftfracht sehr gut und sehr schnell bedienen.

elektronik JOURNAL: Das Zentrallager von Digi-Key befindet sich im Norden der USA. Erwarten Sie Probleme durch die angekündigten Sicherheitsregularien infolge der Paketbomben aus Griechenland und dem Jemen?

Mark Larson: Noch gibt es hier keine klaren Aussagen der Behörden. Wir erwarten aber, dass neue Sicherheitsbestimmungen keine spürbaren Auswirkungen auf die Lieferzeiten haben werden. Denn: Unsere Logistikpartner wie UPS, Fed-Ex, US-Post und DHL nutzen für den Versand reine Frachtmaschinen, die Pakete werden also nicht gemeinsam mit Passagieren transportiert. Damit sind sie vermutlich kein lohnendes Ziel für terroristische Anschläge. Dennoch ist die Sicherheit ein wichtiges Thema, schließlich sollen die Piloten und das weitere Personal ohne Gefahr leben und auch die Sicherheit der Fracht selbst ist wichtig. Die Vergangenheit hat uns aber gezeigt, dass Compliance in der Praxis nicht so schwierig ist wie man im Vorfeld befürchtet, vor allem die großen Carrier haben das sehr gut im Griff.

elektronik JOURNAL: In Zeiten von Allokationen und Lieferzeiten jenseits der 20 Wochen wächst die Gefahr, dass gefälschte oder minderwertige Ware in die Produktion einfließt. Was tut Digi-Key, um das zu verhindern?

Mark Larson: Den weit überwiegenden Teil unserer Produkte haben wir im Lager vorrätig. Die Situation verbessert sich zusehends, dennoch sind etwa 40.000 der 530.000 Produkte unserer Linecard derzeit in Allokation. Auch in dieser Situation haben wir unsere Produkte weiterhin ausschließlich direkt von den Herstellern bezogen, wir sind schließlich autorisierter Franchise-Partner. Trotzdem führen wir beim Wareneingang aufwändige Kontrollen durch: Neben absichtlichen Fakes, Counterfeits und Waren aus Überproduktion sind versehentliche Verwechslungen die viel größere Gefahr, daher brauchen wir die Überprüfungen.