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Die TMS Brienzersee ist mit der Doppelhülle sicher auf dem Rhein unterwegs.
Die Tanks sind jeweils mit Messtechnik ausgestattet, welche die Zulassung GL (Germanischer Loyd) aufweisen. Hier die Tankvisualisierung.
Die Kombination aus Messtechnik und Engineering erfasst und visualisiert die Tankbefüllung sowie das Tankmanagement und den Tiefgang des Schiffes.
"Das Projekt, zusammen mit Endress+Hauser, hat immer viel Spaß und Freude gemacht. Es war eine tolle, kompetente und konstruktive Zusammenarbeit", stellt Michael Lyons, Geschäftsführer von Befrag fest.

Befrag, Spezialist für die Befrachtung von Binnenschiffen, Consulting für den Schifffahrtbereich und Ladungskontrolle aus dem schweizerischen Birsfelden, stand vor der Entscheidung, ein neues Schiff anzuschaffen oder das alte Schiff, die TMS Brienzersee, zu sanieren. Das Unternehmen entschloss sich, die TMS Brienzersee zu einem modernen Doppelhüllenschiff mit neuem Kasko umzubauen. Ein Kasko ist der fertige, schwimmfähige Rumpf, auch Schiffskörper genannt, ohne die enthaltene Technik. Ein Doppel-Hüllen-Tanker ist ein Schiff zum Transport flüssiger Güter mit einer doppelten Außenhülle. Im Gegensatz zu herkömmlichen Ein-Hüllen-Tankern schützen diese bei sachgemäßem Betrieb besser gegen das Auslaufen des Transportgutes.

Die Doppelhülle der Tanker ist als Ballasttank nutzbar, um das Schiff kanalgängig zu machen. Als Ballast wird Wasser genommen. Vorteil eines Doppelhüllenschiffes ist jedoch nicht nur der Sicherheitsaspekt, sondern auch eine Möglichkeit Energie und Kosten zu sparen, da eine Doppelhülle auch eine gute Wärmeisolierung nach außen bietet.

Messtechnik und Engineering aus einer Hand

Befrag hat in Zusammenarbeit mit der Firma Reystar in Geldern, die spezialisiert ist auf Schiffselektronik und Schalttafelbau, die TMS Brienzersee zu einem modernen, den Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen entsprechenden Binnentankschiff umbauen lassen. Alte, analoge Technik sollte durch ein zeitgemäßes, sicheres und präzises Messsystem ersetzt werden. Acht Center-Tanks und ein Slobtank – ein Sammeltank für das Waschwasser, mit dem zum Beispiel Ladetanks gereinigt werden – waren auszurüsten. Die Tanks sind jeweils ausgestattet mit Messtechnik von Endress+Hauser, die alle die Zulassung GL (Germanischer Loyd) aufweisen:

  • Geführtes Radargerät Levelflex FMP40
  • Prozessmessumformer RMA422
  • Speisetrenner RN221
  • Feldanzeiger RIA261
  • Vibronikgrenzschalter Liquiphant FTL51 und FTL325P
  • Temperaturmessgerät Omnigrad TR11 mit Kopftransmitter TMT181
  • Die Tiefgangsmessung wurde mit der Hydrostatischen Füllstandsmessung FMX167 (Waterpilot) realisiert

Endress+Hauser hatte als Komplettlieferant die Gesamtverantwortung und die Federführung im Projektmanagement für die Engineering-Dienstleistungen inklusive der Programmierung der Steuerung und des Visualisierungssystems, der Lieferung der Steuerung und der Sensoren sowie der Inbetriebnahme des gesamten Systems übernommen.

Branche im Detail

Binnenschifffahrt
Die Binnenschifffahrt spielt eine wichtige Rolle für den Güterverkehr in Europa. Mehr als 3.500 km Wasserstraßen verbinden Hunderte von großen Städten und Industrieregionen. 18 von 25 Mitgliedstaaten verfügen über Binnenwasserstraßen, von denen wiederum nur zehn Staaten durch Wasserstraßen miteinander verbunden sind. Dennoch beträgt der Anteil der Binnenschifffahrt 7 % des gesamten Binnenverkehrs in der Europäischen Union. Das Binnenschiff ist dabei die umweltverträglichste Transportart. Denn das Binnenschiff hat gegenüber den anderen Transportmitteln die geringsten Reibungswiderstände zu bewältigen. Deshalb verbraucht es für den Transport einer bestimmten Menge von Gütern weniger Energie als Bahn und Lkw. 1 Lkw-PS bewegt eine Last von 150 kg, 1 Bahn-PS bewegt eine Last von 500 kg, 1 Schiffs-PS bewegt eine Last von 4.000 kg. Damit leistet die Binnenschifffahrt einen bedeutenden Beitrag zur Bewältigung der Transportnachfrage.

Den Schiffbetrieb im Griff

Die Kombination aus Messtechnik und Engineering erfasst und visualisiert die Tankbefüllung sowie das Tankmanagement und den Tiefgang des Schiffes. Die Endress+Hauser-Softwarelösung Ship Vision visualisiert Füllstände, Über- und Unterdruckmeldungen der Tanks, Temperatur, Hauptalarm und Tiefgangsmessung. Die Steuerung des Gesamtsystems übernimmt eine Rockwell-Steuerung Controlllogix L32 E. Rockwell ist Kooperationspartner von Endress+Hauser. Gemäß den Vorgaben des ADNR (Verordnung für die Beförderung gefährlicher Güter auf dem Rhein) kann ein Lade-

und Löschbericht, ein Protestbericht und ein Stauplan über das System auf einen Panel-PC ausgegeben und ausgedruckt werden. Ab 0,2 % Abweichung in der Litermenge kann auf Verlangen der sogenannte Protestbericht ausgegeben werden. Mit diesem Messbericht kann Befrag seinen Kunden belegen, dass Übergabemenge und Löschmenge übereinstimmt, beziehungsweise dass Temperaturunterschiede Ursache für Mengenunterschiede sein können. Denn 1 °C Temperaturunterschied im Ladetank bedeuten 10.000 Liter Lademenge/Produktausdehnung. Die Stammbesatzung auf der Brienzersee, bestehend aus zwei Schiffsführern und zwei Matrosen, führt eine multilinguale Schiffssprache. Die Bediensprache sollte deshalb variabel umstellbar sein. Verfügbar sind zur Zeit die Sprachen Deutsch, Holländisch, Tschechisch und Englisch.

Zeit sparen, Aufwand verringern

Das System ermöglicht eine automatische Auswertung der Ladung und eine 24-Stunden-Qualitätsmessung, visualisiert am Panel-PC. Der Schiffsführer kann Zeit sparen, da die manuellen Messungen entfallen können. Fehlerquellen werden verringert, da die Durchschnittstemperatur der gesamten Ladetanks erfasst und überwacht wird. Auch Fehler, die durch Bandmassvermessungen auftreten können, sind eliminiert. Durch die Automatisierung wird jederzeit der aktuelle Istzustand des Laderaums angezeigt. Das System ist so ausgelegt und einfach, dass auch während der Fahrt die Schiffsbesatzung alle notwendigen Aktivitäten selbst durchführen kann.