Das reflektive elektronische Display kann sowohl bei Sonnenlicht als auch in der Dämmerung gut gelesen werden und bietet dabei den gleichen weiten Betrachtungswinkel wie Papier. Die Auflösung des Displays beträgt 7 Pixel pro Millimeter und entspricht damit der Auflösung herkömmlicher Tageszeitungen. Der große Vorteil des von E Ink in Massachusetts entwickelten Prinzips gegenüber anderen elektronischen Bildschirmen ist, dass nur beim Aufruf einer neuen Seite Strom gebraucht wird. Solange die Seite „steht“, ist das Bild eingefroren und bedarf keiner Energiezufuhr. Darum reichten die vier AAA-Batterien im eBook von Sony für die Betrachtung von etwa 10.000 Seiten. Das Sony-eBook war das erste Endverbraucherprodukt mit dem Philips-Display. Die Speicherfähigkeit des LIBRIé (so der Name des eBook) lag bei rund 500 Seiten. Als Amazon Mitte November 2007 seinen „Kindle“ auf den Markt brachte, da zeigten schon die Daten des knapp 300 Gramm leichten elektronischen Buches, dass hier kommerzielle Anwendungen im Vordergrund stehen. Das autarke handliche Gerät kostet zwar knapp unter 400 $, braucht aber keine unterstützende Elektronik wie etwa einen PC. Wer im Zug sitzt, an ein Buch denkt, der lädt es einfach herunter – 90.000 Bücher sind bereits verfügbar. Das Herunterladen eines Buches dauert meist weniger als eine Minute. Drei Jahre brauchte man bei Amazon für die Entwicklung des Kindle. Sie wollen kein Buch mit dem Kindle lesen, sondern Zeitungen? Auch kein Problem. Zeitungen und Magazine werden im Abonnement auf das Gerät geladen, so u.a. auch das „Wall Street Journal“ oder die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Ein monatliches Abonnement für Zeitungen kostet zwischen 6 $ und 15 $. Zeitschriften und Magazine werden für 1,25 $ bis 3,50 $ angeboten. Die Informationen kommen über das „Whispernet“ von Amazon, ein Hochgeschwindigkeits-Datennetzwerk, wie es auch von neueren Mobilfunkgeräten genutzt wird. „HotSpots“ als Übertragungsknoten sind dafür nicht notwendig. Das Display des Kindle nutzt die gleiche Basistechnologie von E Ink, die auch schon von Sony/Philips verwendet wurde. Das Display hat eine hier Bilddiagonale von 15 cm (6 Zoll) und verfügt über eine Auflösung von 600 x 800 Pixel. Vier verschiedene Graustufen sind möglich. Das ganze Gerät ist 19 x 13 x 1,8 cm3 groß. Große Speicherkapazitäten machen aus dem Kindle eine elektronische Bibliothek Der eingebaute Speicher reicht aus, um 200 Bücher intern abzuspeichern. Wem das nicht reicht, der kann über SD-Speicherkarten zusätzliche Bücher abspeichern. Und wenn es dann immer noch nicht reicht: Jedes erworbene Buch (was im Durchschnitt weniger als 10 $ kostet) kann auf der Website von Amazon vom Käufer jederzeit frei aufgerufen werden – so kann man den eigenen Kindle-Speicher weiter entlasten. Und bevor man ein Buch für seinen Kindle erwirbt, kann man kostenlos in das erste Kapitel hineinschnuppern. Eingebaut ist weiter der freie Zugang zum New Oxford American Dictionary und – was viele Nutzer mehr interessieren wird – zur Wikipedia-Enzyklopädie mit ihren über zwei Millionen Einträgen. Um die Kommunikation im Netz leicht zu machen, ist eine vollständige Mini-Tastatur auf dem Kindle eingebracht (siehe Bild). Zum Seiten-Umblättern sind rechts und links am Gerät Tasten angebracht. Ein netter Gag: Das Kindle setzt im gerade gelesenen Text ein Lesezeichen, wenn man das Gerät abschaltet. Die Schriftgrößen können den individuellen Wünschen in sechs Fondsgrößen angepasst werden. Die eingebaute wieder aufladbare Batterie hält meist eine ganze Woche und benötigt dann rund zwei Stunden für das Wiederaufladen, vorausgesetzt, dass man nur liest und nicht aus dem Netz herunter lädt. Sonst wird empfohlen, jeden zweiten Tag das Kindle an das Ladegerät zu hängen. Für den Besitzer bietet das Kindle aber noch mehr: Man kann Dokumente und Bilder per eMail versenden. Jedes Mail wird mit 0,10 $ verrechnet. Die Art der möglichen Dokumente für den Versand umfasst im Text Word und TXT sowie bei den Bildern und Grafiken JPEG, GIF, PNG und BMP-Files. Und natürlich lassen sich auch HTML-Files übertragen. Die erste Serie des Kindle war binnen Stunden verkauft Wer sich jetzt auf die Website von Amazon begibt, um dieses neue elektronische Buch zu erwerben, der findet dort nur einen bedauernden Vermerk: Ausverkauft! Man bemüht sich, so schnell wie möglich Nachschub herbeizuschaffen. Und wird dann auch erst einmal die US-Nachfrage befriedigen können. Heisst also für neugierige Europäer: Abwarten. Oder es beim nächsten Besuch in New York im Kindle-Shop probieren.

Autor: Phil Knurhahn