Alexander Maier (BMW): „Die E/E-Architektur im Automobil steht an einem entscheidenden Wendepunkt. [...] Wir müssen uns von alten Themen konzentriert trennen.“

Alexander Maier (BMW): „Die E/E-Architektur im Automobil steht an einem entscheidenden Wendepunkt. […] Wir müssen uns von alten Themen konzentriert trennen.“Mathis Wienand

Alexander Maier, Abteilungsleiter E/E Architektur und Halbleiter Standards bei der BMW Group, fordert in seinem Vortrag „Die Zukunft der E/E-Architektur im Kraftfahrzeug – Evolution oder Revolution?“ aus folgendem Grund viel Neues: Zum einen drängten neue, bisher automotive-fremde, Firmen wie Google, Apple oder Tesla auf den Markt, „die mit hoher Innovationskraft und wesentlich kürzeren Entwicklungszyklen aktuell eine Treiberrolle übernehmen“, aber keine gewachsenen Strukturen haben und daher quasi auf der grünen Wiese starten könnten. Andererseits müssten die OEMs jeweils einen Innovationshub (hoch­automatisiertes Fahren, Connectivity, Integration der Backend-Daten und mehr) machen. In den nächsten Jahren gelte es, für diesen anstehenden Innovationshub in vielen Teilbereichen des Themenfeldes E/E strukturelle und technologische Maßnahmen einzuleiten, um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig sicherzustellen.

„Wir müssen uns von alten Themen konzentriert trennen“, konstatiert Alexander Maier. „Revolution heißt hier: weglassen, abschneiden, Kompatibilitätsbrüche.“ Man müsse sich stets fragen „Ist das richtige Technologie, die uns auch weiter in die Zukunft führt?“, und „diese Weiterentwicklungsfähigkeit und Skalierbarkeit“ müsse „das höchste Credo für die Architekturarbeit sein“.

Kurt Sievers (NXP): „Das wichtige ist weniger die Verschlüsselung der Nachricht selbst sondern die Absicherung gegen den Identitäts­diebstahl des Senders.“

Kurt Sievers (NXP): „Das wichtige ist weniger die Verschlüsselung der Nachricht selbst sondern die Absicherung gegen den Identitäts­diebstahl des Senders.“Mathis Wienand

Vernetztes Fahrzeug – aber sicher!

Über „Flexible Architekturen zur sicheren Einbindung des Fahrzeugs ins Internet der Dinge“ referierte Kurt Sievers, Executive VP & General Manager Automotive Business bei NXP Semiconductors. Anhand eines Grund-Szenarios zum Thema Security (siehe infoDIREKT 315AEL0214) bringt Kurt Sievers dabei sehr sensibel das Thema Sicherheit in dieser Runde zur Sprache: sowohl die Daten-Sicherheit (Persönlichkeitsschutz) als auch die damit verbundene Funktionssicherheit des Gesamtsystems Fahrzeug/Infrastruktur. „Insbesondere die diversen RF-Funkschnittstellen haben sehr hohe Sicherheitsanforderungen“, stellt Kurt Sievers heraus. „So sind Funkschlüssel-, Telematik-, Car-to-X- und Entertainment-Systeme potenzielle Angriffsziele für Manipulation. Im Vordergrund steht die Qualität und Integrität der übertragenen Daten zu sichern, und hierfür kommen spezielle Mikrocontroller zum Einsatz, die mit modernsten Verschlüsselungstechnologien arbeiten.“

Das Ziel der Kryptografie besteht darin, sicherzustellen, dass die ausgetauschten Daten nicht manipuliert werden können und dass eindeutig feststellbar ist, dass die Daten wirklich von einem spezifischen Fahrzeug stammen und dieses vertrauenswürdig ist. Sein Fazit lautet: „Das richtige Systemdesign und die sichere Verwendung von Kryptoalgorithmen und -schlüsseln bilden die Grundlage zur Einhaltung der Sicherheitsanforderungen für das vernetzte Fahrzeug. Das wichtige ist hier weniger die Verschlüsselung der Nachricht selbst sondern die Absicherung gegen den Identitätsdiebstahl des Senders. Dafür gibt es erprobte Mechanismen – sowohl in technischer als auch in organisatorischer Form – über Wertschöpfungsketten hinweg in anderen Industrien. In diesem Sinne: All we need is Trust.“

Prof. Dr. Jürgen Becker (KIT): „Die Skalierbarkeit von E/E-Architekturen im Auto, wie diese in den letzten 35 Jahren entwickelt wurden, stößt nun an techno- logische und geometrische Grenzen.“

Prof. Dr. Jürgen Becker (KIT): „Die Skalierbarkeit von E/E-Architekturen im Auto, wie diese in den letzten 35 Jahren entwickelt wurden, stößt nun an techno- logische und geometrische Grenzen.“Mathis Wienand

Von Embedded zu CPS

Unter dem Gesamttitel „Cyber-physische Systeme (CPS) – Zukünftige heterogene Mehrkern-E/E-Architekturen für sicherheitskritische Anwendungen“ entführte Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Jürgen Becker vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) der Universität Karlsruhe, die Anwesenden in eine Welt der Embedded-Systeme, bei der besonderes Augenmerk auf den Schnittstellen zu den physikalischen Elementen und den Cyber-Komponenten liegt. Dabei skizzierte er einen Ansatz, der auf einer „All-Win-Symbiose“ von zukünftigen siliziumbasierten Prozessortechnologien und rekonfigurierbaren (Beschleuniger-)Architekturen beruht.