Eberhard Hinderer, Dr. Helmut Schelling, Thomas Riegraf, Martin Litschel, und Dr. Thomas Beck im Gespräch mit AUTOMOBIL-ELEKTRONIK-Redakteur Alfred Vollmer (v. l. n. r.).

Eberhard Hinderer, Dr. Helmut Schelling, Thomas Riegraf, Martin Litschel, und Dr. Thomas Beck im Gespräch mit AUTOMOBIL-ELEKTRONIK-Redakteur Alfred Vollmer (v. l. n. r.).Alfred Vollmer

Vector ist in den letzten Jahren rasant gewachsen. Worauf führen Sie das zurück?

Martin Litschel: Der Markt für Elektronik im Automobil ist innerhalb der letzten 25 Jahre stark gewachsen, so dass auch wir entsprechend wachsen konnten. Aber das Gesamtpaket muss stimmen, und dazu gehört auch unsere Kundennähe.

Eberhard Hinderer: Natürlich müssen auch die Produkte stimmen, und diese Produkte entwickeln wir auch ständig weiter. Daher sind über 50 % unserer Mitarbeiter in der Entwicklung tätig. Außerdem müssen wir in allen Ländern präsent sein, in denen Automobil-Elektronik entwickelt wird und dort Unterstützung inklusive Schulung in der jeweiligen Landessprache liefern.

Dr. Helmut Schelling: Zudem ist ein partnerschaftliches Verhältnis zu den Kunden wichtig. Uns liegt die langfristige Kundenzufriedenheit sehr am Herzen, und ich glaube, das spüren die Kunden auch.

Wo sehen Sie Vectors Position im internationalen Umfeld?

Eberhard Hinderer: Vector hat mehrere Produktlinien, die durchaus auf unterschiedlichen Teilmärkten tätig sind. Dabei ist die Situation nicht überall gleich: Teilweise sind wir mit unseren Produkten in einer führenden Position, teilweise aber auch in einer Position, wo wir noch am Aufholen sind.

Dr. Helmut Schelling: Bei den Busanalyse-Tools für Netzwerke sind wir mit unseren Produkten CANoe und CANalyzer sicherlich uneingeschränkter Marktführer.

Dr. Helmut Schelling: „Was Autosar spezifiziert, werden wir in der Embedded-Welt zu 100 % implementieren; das gleiche gilt für ... Diagnose und Laden.“

Dr. Helmut Schelling: „Was Autosar spezifiziert, werden wir in der Embedded-Welt zu 100 % implementieren; das gleiche gilt für … Diagnose und Laden.“Alfred Vollmer

Ich bin auch stolz darauf, dass wir als unabhängige Firma sicherlich die meiste Embedded-Basissoftware im Markt haben. Seit nunmehr 18 Jahren erstellen wir CAN-Embedded-Software für die Steuergeräte, was letzten Endes in Autosar gemündet ist. Auch bei Autosar spielt Vector eine wesentliche Rolle.

Martin Litschel: Wir sehen unsere Hauptrolle als Partner in der Entwicklung von Automobil-Elektronik – und zwar durch den gesamten Prozess hindurch.

Dr. Helmut Schelling: Ein starkes Element von Vector ist zudem die Unabhängigkeit, denn wir haben kein Großunternehmen im Rücken. Selbst mit unserem größten Kunden machen wir weniger als 10 % des Gesamtumsatzes, so dass wir keine ganz große Abhängigkeit von einem einzigen Kunden haben. Wir sind nicht an der Börse, müssen keinen Quartalsbericht abliefern und können daher sehr langfristig planen.

Vector befindet sich im Eigentum zweier Stiftungen und ist nicht an der Börse gelistet. Warum haben Sie dieses Konstrukt gewählt?

Eberhard Hinderer: Die ursprüngliche Firma Vector Informatik GmbH hat sich durch die Gründung der Stiftungen nicht verändert; wir vier Firmeneigentümer haben nur unsere Gesellschaftsanteile aus unserem Privatbesitz in die beiden Stiftungen übertragen: in eine Familienstiftung und eine gemeinnützige Stiftung. So konnten wir den langfristigen zukünftigen Bestand des Unternehmens sichern, weil dann ein Verkauf der Firma nicht mehr möglich ist.

Martin Litschel: Die gemeinnützige Stiftung haben wir drei Firmengründer wiederum ins Leben gerufen, um den Mitarbeitern und der Gesellschaft einen Teil des großen Wachstums und Erfolgs zurückzugeben, denn schließlich haben wir alle gemeinsam daran gearbeitet. Daher wurden 60 % des Gesamtunternehmens in die gemeinnützige Stiftung ausgegliedert.

Dr. Thomas Beck: Mit Bosch, wo Herr Schelling, Herr Litschel und ich jeweils vorher arbeiteten, haben wir auch ein gutes Vorbild, wie eine solche Stiftungs-Eigentümerschaft funktionieren kann.

Dr. Thomas Beck: „Bei uns spürt man wahrscheinlich relativ wenig Hierarchie, denn die Wertschätzung auf Augenhöhe ist uns wichtig.“

Dr. Thomas Beck: „Bei uns spürt man wahrscheinlich relativ wenig Hierarchie, denn die Wertschätzung auf Augenhöhe ist uns wichtig.“Alfred Vollmer

Wir haben dann analog dazu eine Konstruktion umgesetzt, die zu unserer Größe passt. So können wir auch die Arbeitsplätze langfristig erhalten. Die gemeinnützige Stiftung erhält einen Großteil der Dividende und investiert diese Mittel dann in gemeinnützige Projekte.

Vector wurde bereits mehrfach als einer der besten Arbeitgeber Deutschlands ausgezeichnet. Worauf führen Sie das zurück?

Dr. Thomas Beck: Bei uns spürt man wahrscheinlich relativ wenig Hierarchie, denn die Wertschätzung auf Augenhöhe ist uns wichtig. Außerdem hat bei uns praktisch jeder Ahnung von Technik, so dass wir unseren Leitspruch „Vom Ingenieur für den Ingenieur“ auch leben können.

Dr. Helmut Schelling: Wir pflegen allerdings auch das Betriebsklima, vom Betriebsausflug über die Weihnachtsfeier bis zur Erfolgsbeteiligung in guten Jahren. Außerdem versuchen wir, mit Informationen sehr offen umzugehen.

Thomas Riegraf: „Die Kollegen können ... selber Dinge vorantreiben. Das ist uns wichtig: Eigenverantwortung, die umgesetzt werden kann in Leistung.“

Thomas Riegraf: „Die Kollegen können … selber Dinge vorantreiben. Das ist uns wichtig: Eigenverantwortung, die umgesetzt werden kann in Leistung.“Alfred Vollmer

Thomas Riegraf: Unsere Arbeitsumgebung ist angenehm, und sehr wichtig ist die Tatsache, dass es hier interessante und herausfordernde Aufgaben gibt. Die Kollegen können sich engagieren und selber Dinge vorantreiben. Das ist uns wichtig: Eigenverantwortung, die umgesetzt werden kann in Leistung.

Dr. Helmut Schelling: Wir heben weniger die Leistung eines einzelnen hervor, sondern mehr die Leistung eines Teams.

Dr. Thomas Beck: Außerdem sind wir ziemlich langfristig unterwegs. Bei uns wird daher nicht – auf gut Schwäbisch ausgedrückt – alle zwei Monate eine neue Sau durch das Dorf getrieben. Bei Vector gibt es keine besonderen Spar- oder Aufhol-Programme, denn wir setzen auf das Langfristige.

Dr. Helmut Schelling: Ich glaube, dass es uns auch gelungen ist, die Atmosphäre der Kleinfirma zu retten in die Strukturen, die wir heute haben.

Bereits im ersten Betriebsjahr haben wir eingeführt, dass wir die neuen Mitarbeiter duzen, und seitdem haben wir allen neuen Mitarbeitern das Du angeboten – bis heute. Wir Geschäftsführer sind auch für alle ansprechbar, wenn nicht gerade eine Besprechung läuft; unsere Türen sind fast immer offen. Seit dem ersten Jahr treffen wir uns freitags zum Wochenausklang mit den Mitarbeitern in ungezwungener Atmosphäre zu einem kleinen Umtrunk. Natürlich kommen nicht alle, aber so zirka 60 Leute stehen immer da, und da sind wir als Geschäftsleitung mittendrin. So können auch die Entwickler ohne großen Aufwand mit uns sprechen, während wir gleichzeitig auch ein Feedback bekommen und den Bezug zur Basis behalten.

Eberhard Hinderer: Wir machen auch jedes Jahr eine anonyme Mitarbeiter-Umfrage unter allen Mitarbeitern. Die Ergebnisse ­dieser Umfrage nehmen wir durchaus ernst und versuchen ­gegenzusteuern, wenn noch irgendwo Defizite sind, denn wir wollen den Anspruch erfüllen, wirklich einer der besten Arbeitgeber zu sein.

Eberhard Hinderer: „Wir machen auch jedes Jahr eine anonyme Mitarbeiter-Umfrage, ... denn wir wollen ... wirklich einer der besten Arbeitgeber sein.“

Eberhard Hinderer: „Wir machen auch jedes Jahr eine anonyme Mitarbeiter-Umfrage, … denn wir wollen … wirklich einer der besten Arbeitgeber sein.“Alfred Vollmer

Wie verteilen Sie die Entwicklungsaktivitäten auf die einzelnen Länder, in denen Vector vertreten ist?

Dr. Helmut Schelling: In Deutschland wurden CAN, LIN, MOST, FlexRay aber auch Autosar entwickelt und gingen von da aus in den Rest der Welt. Das ist ein Hauptgrund dafür, warum wir hier am richtigen Standort sind. Wir konnten da von Anfang an mit dabei sein und ebenfalls mit unseren Produkten in den Rest der Welt gehen.

Dr. Thomas Beck: Es wäre ein ganz großes Risiko für uns, wenn Innovationen in einem anderen Teil der Welt entstehen würden, denn dann müssten wir – nicht aus Kosten- oder sonstigen Gründen, sondern aus Zeit- und Know-how-Gründen – unsere Entwicklung deutlich stärker an diesen Ort verlagern.

Dr. Helmut Schelling: So wie das Silicon Valley das Zentrum für Halbleiter- und Computertechnik ist, ist Deutschland das Zentrum für Innovationen rund um das Auto. Daher bauen wir unsere Arbeitsplätze hauptsächlich in Deutschland aus, insbesondere hier in Stuttgart.

Welche Bedeutung haben Ethernet und IP für Vector und die Automotive-Branche?

Dr. Helmut Schelling: Für Vector haben Ethernet und IP eine sehr große Bedeutung. Ich freue mich über jeden neuen Bus, denn dann können wir wieder eine neue Option für unsere Tools anbieten. Wir haben bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt das IP-Protokoll in unseren Tools unterstützt, bei Diagnose und Kommunikation. Außerdem hat Vector schon früh Hardware mit BroadR-Reach als Physical Layer sowie passende Software entwickelt. Auch für die Kommunikation von Elektrofahrzeugen mit der Ladesäule über IP hat Vector eine Lösung – das meistverwendete Embedded-Paket für diese Anwendung. Wir haben immer das gleiche Ziel: Vector unterstützt das, was unsere Kunden heute brauchen oder das, von dem wir glauben, dass sie es morgen brauchen.

Welche Lösungen können wir von Vector in den nächsten Jahren rund um das Thema Ethernet und IP erwarten?

Dr. Helmut Schelling: Das was Autosar spezifiziert, werden wir in der Embedded-Welt zu 100 % implementieren; das gleiche gilt für die Themen Diagnose und Laden.

Martin Litschel: Wir haben bereits eine Hardware entwickelt, mit der man Ethernet-Leitungen auftrennen kann, um zu hören, wie sich die Kommunikationspartner unterhalten. All die Kunden, die bereits heute mit Ethernet arbeiten, setzen diese Hardware intensiv ein. Die Hauptwerkzeuge CANoe und CANalyzer unterstützen voll das Ethernet-Protokoll. Wir unterstützen Ethernet vollständig, wie andere Bussysteme auch.

Dr. Thomas Beck: Vector bietet ja viele entwicklungsunterstützende Werkzeuge an, die unter anderem Funktionen wie Testen, Absichern oder Monitoren erlauben. Wenn ein neuer Bus kommt, dann müssen wir einfach dieses Busprotokoll durch alle unsere Produkte durchziehen: Unterstützung von der Basis-Software bis zu den Tools.

Dr. Helmut Schelling: Wir reagieren im Bereich IP/Ethernet auf Kundenanforderungen und bringen nicht missionarisch eine eigene Lösung auf den Markt – genauso wie bei CAN, ASAM und Co. Wir bringen unser Know-how so ein, dass es ein gemeinsamer Standard wird.

Martin Litschel: „Wir sehen unsere Hauptrolle als Partner in der Entwicklung von Automobil-Elektronik – und zwar durch den gesamten Prozess hindurch.“

Martin Litschel: „Wir sehen unsere Hauptrolle als Partner in der Entwicklung von Automobil-Elektronik – und zwar durch den gesamten Prozess hindurch.“Alfred Vollmer

Martin Litschel: Bei unserer Ethernet-Lösung gibt es keine Probleme mit der IT-Abteilung des Kunden, denn wir haben einen ganz anderen Ansatz, weil wir die Anforderungen unserer Kunden kennen: Unsere Ethernet-Schnittstelle hängt über USB am Notebook oder PC und nicht am Ethernet-Port. Sie lässt sich genauso bedienen wie MOST, FlexRay, LIN oder CAN.

Dr. Helmut Schelling: Wir gehen dabei durchaus proaktiv vor. So haben wir beispielsweise im Embedded-Umfeld einen Mitarbeiter abgestellt, der sich um AVB kümmert. AVB steht für Audio Video Bridging per Ethernet und damit für eine Art Ersatz für MOST. So bauen wir eigenes Know-how auf und wissen um die Bedeutung von AVB für unsere Kunden.

Welche Pläne hat Vector?

Dr. Thomas Beck: Wir haben aktuell sehr viele junge Produkte am Start, bei denen sich zeigen wird, wie sie sich in Zukunft entwickeln. Dabei geht es unter anderem um das Thema Testdaten-­Management. Ein weiteres, noch recht junges Thema ist die Architektur-Unterstützung. Dort haben wir mit dem Zukauf von ­PREEvision einen großen Schritt gemacht.

Rund um das Thema Konfigurations-Datenbanken, wir sagen Engineering Backbones dazu, sind wir schon lange aktiv. Da haben wir mit dem E/E-Projekt bei Volvo ein gutes Pilotprojekt, aber wir haben bei dieser Gelegenheit auch gelernt, dass es für einen großen OEM sehr, sehr schwierig ist, solche Technologie im Unternehmen einzuführen. Im Jahr 2008 war das Kick-Off zum Volvo-Projekt, und in diesem Jahr hielt Volvo einen Vortrag darüber auf dem Automobil-Elektronik-Kongress in Ludwigsburg. Es hat somit fünf Jahre gedauert, bis wir zu einem flächendeckenden Roll-Out mit 600 Usern gelangten.

Welche Bedeutung hat Autosar für Vector?

Eberhard Hinderer: Der größte Produktbereich bei Vector beschäftigt sich mit dem Thema Autosar: gut 200 Entwickler arbeiten bei uns an Autosar-Software, die entsprechenden Tool-Entwickler noch gar nicht mit eingerechnet.

Dr. Thomas Beck: Autosar ist wie eine Antilope, die von einer Schlange verschluckt wurde. Dabei ist Autosar die Antilope, und die Füße hängen noch raus; Autosar ist noch gar nicht richtig verdaut und noch längst nicht überall durchgängig eingeführt. Noch basiert maximal ein Prozent der Anwendungssoftware im Auto auf Autosar, aber Autosar wird kommen.

Ein historisches Foto zum 25. „Geburtstag“ der Vector Informatik GmbH: Eberhard Hinderer, Martin Litschel und Dr. Helmut Schelling (v. l. n. r.) in den Gründertagen von Vector.

Ein historisches Foto zum 25. „Geburtstag“ der Vector Informatik GmbH: Eberhard Hinderer, Martin Litschel und Dr. Helmut Schelling (v. l. n. r.) in den Gründertagen von Vector.Vector Informatik

Dr. Helmut Schelling: Autosar ist für die Entwicklungsabteilungen oft komplizierter und teurer als gedacht. Daher bietet sich noch viel Potenzial, bestehende Autosar-Tools zu verbessern. Der Einsatz von Autosar wird durch die Tools entschieden oderzumindest wesentlich beeinflusst.

Thomas Riegraf: Bei Autosar hat es gut zehn Jahre bis zur Serie gedauert, und das gleiche werden wir beim Thema IP sehen, denn noch kommt IP nur in ganz wenigen exemplarischen Anwendungen zum Einsatz. Für uns ist es wichtig, die Entwickler auf dem Weg zum Breiteneinsatz zu begleiten und die Tools kontinuierlich zu verbessern.

Rückblick auf die ersten Jahre

Wie kam es damals vor 25 Jahren zur Gründung von Vector?
Eberhard Hinderer: Die Herren Litschel und Schelling arbeiteten damals bei Bosch, während ich bei Hewlett Packard beschäftigt war. Helmut Schelling kenne ich bereits seit meiner Kindheit, und wir waren schon damals sehr an Elektronik und Computern interessiert. Irgendwann kam die Idee auf, ein eigenes Unternehmen zu gründen – und zwar zunächst mit dem Grundgedanken, Softwareentwicklung als Dienstleistung anzubieten. Nach einem halben Jahr der reiflichen Beratung und Überlegung gründeten wir am 1. April 1988 die „Vector Software GmbH“. Als Büro diente uns damals eine 80 m² große Etage in einem Wohnhaus.
Martin Litschel: Wir hatten schon bei der Gründung einen Kunden, für den wir Software im Bereich NC-gesteuerter Maschinen schrieben: Unsere Aufgabe bestand darin, aus den CAD-Daten einer Zeichnung automatisch die Bearbeitungssoftware für numerisch gesteuerte Maschinen, beispielsweise Fräs- und Drehmaschinen, zu erzeugen.
Dr. Helmut Schelling: Weil bei diesen Berechnungen viele Vektorrechnungen notwendig sind, haben wir unter vielen Namen genau den Namen Vector ausgewählt.

Warum stieg Vector in den Bereich Auto­mobil-Elektronik ein?
Martin Litschel: 1991 gab es eine große Krise im Maschinenbau, so dass wir uns voll auf den Bereich Automobil konzentrierten, in dem wir bereits seit einiger Zeit auf Projektbasis tätig waren.
    
Wie kamen Sie zu der Entscheidung, eigene Produkte statt Auftragsarbeit anzubieten?

Dr. Helmut Schelling: Vom Prinzip her hatten wir das schon immer geplant, aber wir brauchten erst einen sicheren Hafen, von dem aus wir in die raue Produktsee stechen konnten. Das hat dann erstaunlich gut geklappt, so dass wir bereits 1992 mit dem CANalyzer auf den Markt kamen.
Martin Litschel: Sehr schnell erkannten wir, dass es bei der Fehlersuche beim CAN-Bus gewisse Probleme gab. Nachdem Anfang der 90er Jahre ganze Fahrzeuge zurück ins Werk beordert wurden und die Entwicklungsingenieure sich an die Fehlersuche machen mussten, entschlossen wir, professionelle Werkzeuge für diesen Bereich zu entwickeln. Wir haben damals an Arbeitskreisen innerhalb von Mercedes-Benz teilgenommen, um direkt von den Ingenieuren zu hören, welche Funktionalitäten sie brauchen.
Dr. Helmut Schelling: Der CAN-Bus war ja bereits 1983 unter Mitwirkung von Martin Litschel entwickelt worden, aber die ersten Tools für CAN stammten nicht von uns; das waren im wesentlichen Tools zur Protokollanalyse auf Bit-Ebene. Wir hatten das Glück, etwas später auf den Markt zu kommen, denn so konnten wir die Probleme sehen, die sich aus der Anwendung des CAN-Bus ergeben. Diese Probleme waren weniger auf Bit-Ebene als auf logischer Kommunikationsebene. CANalyzer kam damals zur richtigen Zeit mit der richtigen Funktionalität.