Ein halbes Jahrhundert mit der ES

Von Ing. Otfried Rieger

Es war im Jahre 1947, als ich erstmals einen Artikel in der ELEKTRONIKSCHAU, damals noch RADIOTECHNIK/RADIOAMATEUR, veröffentlichen konnte. Österreich war noch von den Alliierten besetzt und die historischen „Vier im Jeep“ patroullierten durch die Straßen Wiens.

Da ich bis Kriegsende beim technischen Personal einer Radarstation an der Nordsee war, hatte ich eingehende Kenntnisse der Radartechnik, die von allen Beteiligten streng geheimgehalten wurde und daher in der Öffentlichkeit praktisch unbekannt war. Um das sehr knappe Budget für mein gerade begonnenes Studium in Wien etwas aufzubessern, sandte ich einen Artikel über Radartechnik an die RADIOTECHNIK, der dann in Heft 6/7 1947 auch tatsächlich veröffentlicht wurde.

Das legendäre „Röhrenhandbuch“

Zu dieser Zeit brachte der ERB-Verlag das von Ing. Ludwig Ratheiser verfasste „Röhrenhandbuch“ heraus, das zu einem Standardwerk im deutschsprachigen Raum wurde und dies aus gutem Grund: Wegen des Fehlens entsprechender Neuerzeugung standen für den Ersatz defekter Radioröhren nur Typen zur Verfügung, die ursprünglich für militärische Zwecke bestimmt waren und nun nach Kriegsende von amerikanischen Dienststellen in großen Mengen angeboten wurden. Um sie verwenden zu können, war aber zumindest die Kenntnis der Sockelschaltung und der wichtigsten Daten nötig und diese Informationen waren im Röhrenhandbuch sehr exakt und übersichtlich gesammelt.
Wohl die wichtigste dieser Ersatzröhren war die geradezu legendär gewordene Type „RV12P2000“, eine Verstärker-Pentode für 12 V Heizung, die in deutschen Militärgeräten universell von Niederfrequenz bis in den Megahertzbereich verwendet und daher in riesigen Mengen erzeugt wurde. Sie war vor allem als Ersatz für die Endröhre im weitverbreiteten „Volksempfänger“ geeignet.
Zur Beendigung meines Studiums hatte ich eine Abschlussarbeit abzuliefern und ich wählte dafür als Thema die Konstruktion und den Bau eines elektronischen Fotoblitzgerätes, das damals noch völlig unbekannt war. Aus englischer Fachliteratur hatte ich erfahren, dass die Firma Mullard – später von Philips übernommen – die Fertigung einer Versuchsserie geeigneter Blitzröhren begonnen hatte. Der Import scheiterte allerdings vorerst daran, dass ich keine Devisenbewilligung erhalten konnte, um die Lieferung zu bezahlen. Ein Offizier der englischen Besatzungstruppen in der Steiermark war dann bereit, den Kaufpreis von 3 Pfund (damals etwa 250,- ATS) für mich in England zu erlegen und den Versand als „Geschenk“ deklariert zu veranlassen.
Schwierig war auch die Beschaffung des Speicherkondensators, der bei einer Spannungsfestigkeit von 4 kV eine Kapazität von 15 µF haben musste. Schließlich erklärte sich die Firma Kapsch aber bereit, einen geeigneten Papierkondensator als Sonderanfertigung zu liefern. Da kein besseres Isoliermaterial aufzutreiben war, fiel der Kondensator allerdings sehr schwer aus, so dass das fertige Gerät mit einem Gewicht von 8,5 kg nicht gerade handlich war. Eine Beschreibung des Gerätes – vermutlich das erste elektronische Fotoblitzgerät in Österreich – erschien in Heft 12/1950 von RADIOTECHNIK/RADIOAMATEUR.
Nach Gründung einer eigenen Vertriebsfirma 1957 nutzte ich die ELEKTRONIKSCHAU vor allem, um Neuheiten bekannt zu machen. So erschien in Heft 5/1957 die Beschreibung des ersten Germanium-Leistungsgleichrichters (max. 300 V Spitzenspannung, 0,8 A). Im selben Jahr folgten noch Silizium-Dioden, 1958 Germanium-Leistungstransistoren und ab 1961 die ersten Silizium-Transistoren.

Grafiken und Tabellen für die ES

Statistik und die grafische Darstellung ihrer Ergebnisse waren mir immer schon ein besonderes Anliegen, da sie es ermöglichen, Hintergründe aufzuhellen und Vorgänge übersichtlich darzustellen. Ich versuchte daher schon frühzeitig, die kommerziellen Entwicklungen im Zusammenhang mit den neuen Halbleiterelementen statistisch zu erfassen.
In der österreichischen Außenhandelsstatistik wurden aber Halbleiter-Bauelemente noch bis 1959 unter „Andere elektrische Geräte“ eingereiht, so dass daraus keine brauchbaren Ziffern zu entnehmen waren. Ab 1960 wurden sie zusammen mit piezoelektrischen Kristallen ausgewiesen und erst 1988 erfolgte eine Aufgliederung in Transistoren, Thyristoren und Optoelemente. Um brauchbare Marktdaten zu erhalten, gründeten daher die wichtigsten Vertriebsfirmen die „Melderunde für aktive Bauelemente“, deren Organisation die ELEKTRONIKSCHAU übernahm.
Ich war natürlich daran interessiert, diese Informationen statistisch auszuwerten und vereinbarte mit dem damaligen Chefredakteur, die verfügbaren Daten für die Veröffentlichung in der ELEKTRONIKSCHAU auszuarbeiten. Mein erster Marktbericht, in dem sowohl Ziffern der Melderunde als auch der noch immer wenig informativen Außenhandelsstatistik verwendet wurden, erschien in Heft 4/1985 und in den seither vergangenen fünfzehn Jahren sind noch weitere 80 dazu gekommen.
Die Außenhandelsstatistik wurde inzwischen – vor allem anlässlich des EU-Beitritts – enorm erweitert und umfasst heute allein für Halbleiterelemente mehr als 100 Positionen. War es 1985 noch schwierig, ausreichend detaillierte Angaben zu erhalten, kommt es heute eher darauf an, die große Vielfalt an Daten zusammenzufassen, um sie in übersichtlicher Form darstellen zu können.

Bild 1: Ing. Otfried Rieger schreibt seit 1947 für die ES.

Bild 2: Das erste Fotoblitzgerät in Österreich von Ing. Otfried Rieger.

Wenn nötig auch die Grafik erstellen!!!