Die Zeichen der Zeit hat Christian Ulzhöfer schnell erkannt. Der Geschäftsführer von SMT Maschinen- und Vertrieb leitet er seit einigen Jahren in zweiter Generation die Geschicke des Unternehmens. Er weiß, dass bei seinen Kunden die Betriebskosten ein großes Thema sind. Also gilt es die Löt-, Aushärte-, Temperier- und Sonderanlagen stetig mit weiteren Leistungsmerkmalen auszustatten, bei möglichst geringen Kostensteigerungen. Das bedingt zwangsläufig auch die eigene Produktion zu überdenken und weitere Optimierungspotenziale eben auch umzusetzen. Das Zauberwort dabei lautet Lean Production, was nichts anderes als eine systematisierte Produktion bedeutet.

Was sich so einfach anhört, ist allerdings alles andere als trivial. Denn Lean Production erfordert den Mut des Weglassens. Und zwar aller überflüssigen Arbeitsgänge in der Produktion. Die ursprünglich von japanischen Automobilherstellern entwickelte systematisierte Produktionsorganisation geht dabei rigoros vor. Sie zeichnet sich besonders durch die Konsequenz in der Durchführung der Verschwendungsminimierung aus. Verschwendung ist alles, was nicht unmittelbar zur Wertschöpfung beiträgt. Darunter fallen alle Aufwendungen, für die der Kunde nicht bereit wäre zu zahlen. Das bedingt gleichzeitig eine intelligente Organisation, die auf innovativen Veränderungen der Wertschöpfungskette beruht. Dabei sind nicht nur begleitende Akteure wie Kunden und Lieferanten gemeint, sondern auch die führenden und ausführenden Akteure, sprich ein erfolgreiches Mitarbeiter-Management.

Cleveres Lean-Konzept

Trotz kontinuierlicher Entwicklung vom Anbieter kompakter Reflowöfen hin zum Komplettlösungsanbieter für thermische Prozesse spielt die Reflowlöt-Technologie rund für SMT Maschinen und Vertrieb immer noch die dominierende Rolle. Im engen Schulterschluss mit dem Kunden gelingt es, die Entwicklungen voranzutreiben. Aber auch die Produktion ist einem steten Wandel unterlegen: Das jüngst umgesetzte Produktionsprinzip richtet sich nach den Lean Vorgaben Fluss, Takt, Ziehen. Die Folge ist eine verschlankte Produktion, die es ermöglicht Prozesszeitschwankungen jederzeit abzufangen.

Verschlankte Produktion

Verschlankte Produktion: Um Anlagen effzienter herstellen zu können, wurde bei SMT-Wertheim die gesamte Produktion umgekrempelt. Das Bild zeigt die Fließfertigung im Rohbau.

Verschlankte Produktion: Um Anlagen effzienter herstellen zu können, wurde bei SMT-Wertheim die gesamte Produktion umgekrempelt. Das Bild zeigt die Fließfertigung im Rohbau. SMT Maschinen- und Vertrieb

Um dies umsetzen zu können, muss Lean Production zur Unternehmensphilosophie werden. Das ist bei SMT-Wertheim gelungen: Die Fließfertigung ermöglicht die Montage aller Anlagen mit größtmöglicher Effizienz in einer Produktionshalle an einer Linie. Für Christian Ulzhöfer war es oberste Priorität, die Produktivität um mindestens 50 Prozent zu erhöhen und die Termintreue zu sichern. Parallel dazu wurden die Bestände reduziert und die Durchlaufzeit massiv gekürzt, um Kosten zu senken und mehr Flexibilität zu schaffen. „Bei der Konzeption der neuen Fertigung lag der Lean-Gedanke im Vordergrund“, erklärt er und merkt weiter an: „Die Grundidee war die strikte räumliche Trennung von Produktionsprozessen und Materialfluss in der Fertigungshalle, um so die Konzentration auf die wertschöpfenden Prozesse zu erleichtern.“ Großes Augenmerk wurde dabei auf das Schnittstellenmanagement gelegt: Durch die Einführung einer Kanban-Produktionsprozesssteuerung lasse sich nunmehr die Produktion kostengünstiger und viel übersichtlicher gestalten, ist Ulzhöfer überzeugt.

Flexibilität und Fertigung mit Losgröße 1 sind die Hauptziele zum Thema Industrie 4.0, in dem SMT ressourceneffizient und ergonomisch produziert und Kunden sowie Geschäftspartner dynamisch in die Wertschöpfungsprozesse integriert. Dies geschieht dadurch, dass vollständige neue Arbeitsplätze direkt an der Fertigungslinie geschaffen wurden. Jeder Arbeitsplatz hat einen nach dem Lean-Ansatz exakt beschriebenen Arbeitsprozess, welcher jederzeit reproduzierbar ist. Christian Ulzhöfer erläutert die Vorteile des Systems: „Das umgesetzte Produktionsprinzip richtet sich nach den Lean-Vorgaben Fluss, Takt, Ziehen. Die Anzahl der Arbeitspapiere wurde um über 75 Prozent reduziert. Durch den Fluss der Maschinen über das Schienensystem konnten wir die Logistikwege um etwa 75 Prozent abbauen. Die Termine sind über den Takt vorgegeben. Alle Prozesse sind auf Ziehen ausgelegt, um Prozesszeitschwankungen abzufangen.“

Maschinen für thermische Prozesse

Linie im Betrieb: Oberste Priorität hatte die strikte räumliche Trennung von Produktionsprozessen und Materialfluss in der Fertigungshalle, um so die Konzentration auf die wertschöpfenden Prozesse zu erleichtern.

Linie im Betrieb: Oberste Priorität hatte die strikte räumliche Trennung von Produktionsprozessen und Materialfluss in der Fertigungshalle, um so die Konzentration auf die wertschöpfenden Prozesse zu erleichtern. SMT Maschinen- und Vertrieb

Die getaktete Fließfertigung wurde im November 2015 in Betrieb genommen. Sie markiert einen weiteren Meilenstein in der bald 30-jährigen Unternehmensgeschichte des Maschinenbauers. Ende der 80er gründete Hans-Günter Ulzhöfer das Unternehmen, das heute umgangssprachlich auch gerne SMT-Wertheim genannt wird. Zunächst bezog man angemietete Räume mit 145 m² in Wertheim und befasste sich mit zwei Mitarbeitern ausschließlich mit Konstruktion, Entwicklung, Vertrieb und Service von auf IR-Technologie basierenden Reflow-Lötanlagen, einer Technologie, die damals noch in den Kinderschuhen steckte. Mit dem erfolgreichen Verkauf der ersten Anlagentype SMT 300 konnte bereits im Jahr 1992 das eigene Firmengebäude mit 1.200 m² Fertigungsfläche und 600 m² Büro- und Demoräume bezogen werden. Im Jahr 1993 verabschiedete man sich von der damals etablierten IR-Technologie und setzte konsequent auf die Vollkonvektion, also das Reflowlöten nur mit heißer Luft. 1995 erfolgte die Erweiterung der Produktionsfläche um 1100 m² mit Werk II, 2008 der Bau von Werk III und Eröffnung des Technologiecenters und Werk IV sowie 2010 der Anbau Werk V und die Verdoppelung der Produktionsfläche im Hauptwerk.

Arbeiten an der Linie: Die Fließfertigung ermöglicht die Montage aller Anlagen mit größtmöglicher Effizienz in einer Produktionshalle an einer Linie.

Arbeiten an der Linie: Die Fließfertigung ermöglicht die Montage aller Anlagen mit größtmöglicher Effizienz in einer Produktionshalle an einer Linie. SMT Maschinen- und Vertrieb

Während dieser Zeit wurden aber auch viele technische Errungenschaften, Patente und Auszeichnungen erlangt, wie etwa 1995 die Patentierung des Schlitzdüsensystems oder 1997 die Patentierung des Quattro-Peak-Verfahrens (1. Peak heißer als 2. Peak) und 2003 die Pyrolyse-Prozessgasreinigung (ABS) und die intelligente Stickstoffregelung. Seit 2006 begann sich das Image des Unternehmens weg vom reinen Reflowlötanlagenhersteller hin zum Komplettlösungsanbieter für thermische Prozesse zu wandeln. Heute hat sich SMT-Wertheim neben seinen Reflow- und Vakuum-Lötsystemen auch mit UV-Aushärteanlagen, Temperieranlagen für Funktionstests, Aushärteanlagen, Abkühlstrecken sowie Sonderanlagen und Transportkonzepte auf dem internationalem Parkett der Elektronikfertigung etabliert. Als jüngste Entwicklung präsentierte der Maschinenbauer auf der Messe Productronica 2015 eine neuartige Kühlzone bei den Lötanlagen, die längere Wartungszyklen bei geringerem Wartungsaufwand erlaubt. Durch die geringeren Maschinenstandzeiten lassen sich die Betriebskosten beim Kunden signifikant reduzieren, was dem Lean-Gedanken entgegenkommt.

SMT Hybrid Packaging 2016: Halle 7, Stand 159

Interview mit Christian Ulzhöfer, Geschäftsleitung von SMT Maschinen und Vertrieb

Verschlankte Prozesse und bewusst gelebter Umweltschutz für einen höheren Kundennutzen. Wie das geht, erläutert Christian Ulzhöfer.

Herr Ulzhöfer, Sie haben eine getaktete Inline-Fertigung in den letzten Monaten eingeführt. Welche Hürden galt es dabei zu überwinden?

Die Taktung aller firmeninternen und externen Prozesse musste komplett neu gestaltet werden. Nicht nur die Produktion arbeitet im Linientakt, sondern auch der Vertrieb, die Technik und unsere Lieferanten. Dazu mussten wir in allen Bereichen – also einschließlich unserer Lieferanten – eine eigene Infrastruktur und Planung aufbauen, die genau auf den Liefertermin einer Anlage abgestimmt ist. Die Taktung läuft unabhängig von der Größe einer Anlage, die sich um den Faktor 10 im Arbeitsinhalt unterscheiden können.

Immer mehr Firmen verlagern ihre Produktion ins Ausland. Sie werben mit der Aussage „Made in Germany“. Welche Werte stehen dahinter?

Reproduzierbarkeit und Qualität. Unsere Mitarbeiter in der Produktion sehen sich wie das Management, sodass sich alle für ein hohes qualitatives Ergebnis engagieren. Wenn ein Zulieferteil oder ein konstruktiver Ansatz nicht passen sollte, können wir uns darauf verlassen, dass unsere Mitarbeiter zügig auf eine Lösung hinarbeiten. Dasselbe gilt für Ideen und Vorschläge. Alle denken und handeln gemeinsam.

Als weltweit agierendes Unternehmen tragen Sie der Umwelt gegenüber eine gewisse Verantwortung. Wie umweltfreundlich produziert SMT?

Durch Austauschbehälter von uns und den Lieferanten konnten wir Müll und Entsorgung reduzieren. Dieser Punkt wird und muss in Zukunft weiter vorangebracht werden. Wir sind in unserer Produktion auf die Montage spezialisiert und daher sehr energieeffizient. Die Materialauswahl fokussiert sich neben Energie und Kosten auch auf Verträglichkeit für den Anwender. Wir legen Wert darauf, nur unbedenkliche Stoffe einzusetzen. Es gibt Ausnahmen, die dann aber wirklich auch seltene Ausnahmen bleiben.

Schmälert Umweltschutz die internationale Wettbewerbsfähigkeit?

Umweltschutz und Industrie versuchen sich entweder gegenseitig in bestimmte Ecken zu stellen, oder jeder für sich versucht sich mit irrealen Argumenten hervorzuheben. Umweltschutz bringt mittel- bis langfristig immer Vorteile. Es kommt allerdings auf die Umsetzung an. Nicht alles was als Umweltschutz verkauft wird bringt auch Vorteile für die Umwelt. Wir erkennen aktuell, dass die Themen Energie- und Stickstoffverbrauch bei unseren Kunden immer stärker in den Vordergrund rücken und unsere Entwicklungen der letzten Jahre immer stärker Anerkennung finden. Mit diesen Themen können wir Punkten. Die Kosten-Nutzen-Frage wird immer vom Kunden beantwortet, auch in Bezug auf die eigene Fertigung. Solange man Kosten mit Vorteilen oder langfristigen Einsparungen belegen kann, zieht man den Kunden auf seine Seite.

Worauf konzentrieren Sie sich bei künftigen Weiterentwicklungen?

Wir arbeiten aktuell an einer Next-Reflow-Generation, die sich gerade an den Themen Energie- und Stickstoffverbrauch orientiert und weltweit als der Benchmark gelten wird.

 

Die Fragen stellte Marisa Robles Consée