Während in Westeuropa hauptsächlich Benzin und Diesel aus Mineralöl durch die Zapfsäulen der Tankstellen fließen, sind in anderen Teilen der Welt ganz andere Kraftstoffe üblich. In Brasilien beispielsweise erfreuen sich zwei alkoholhaltige Kraftstoffsorten großer Beliebtheit: Benzin mit 22-prozentigem Alkoholanteil und Alkohol mit 7-prozentigem Wassergehalt. Dabei ist der hochkonzentrierte Alkohol preiswerter als das Benzingemisch, wird allerdings nicht flächendeckend angeboten. „Mit der neuen Motorsteuerung ‚Flex Fuel‘ von Bosch lassen sich Fahrzeuge mit dem einen oder dem anderen sowie beliebigen Mischungen beider Kraftstoffe betreiben“, erläutert Dr. Rolf Leonhard, Entwicklungsvorstand für Benzinsysteme bei Bosch. Der Autofahrer kann so flexibel beide Sorten tanken, Geld sparen wo möglich und trotzdem mobil bleiben, wenn kein Alkohol verfügbar ist.


Zur Bestimmung des Alkoholgehalts im Kraftstoff misst eine Lambda-Sonde den Sauerstoffgehalt im Abgas. Die Motorsteuerung von Bosch berechnet dann aus den Signalen der Sonde den Alkoholanteil im Kraftstoff. „Das Motormanagement passt Zündung und Einspritzung genau der jeweiligen Kraftstoffzusammensetzung im Tank an“, so Leonhard. Alkohol zündet bei kaltem Motor schlechter als Benzin. Um dennoch einen Start bei tiefen Temperaturen sicherzustellen, haben Fahrzeuge mit dem Flex-Fuel-System einen kleinen separaten Benzintank an Bord. Ist der Benzinanteil im Haupttank für einen Kaltstart zu gering, wird der Motor automatisch mit dem Kraftstoff aus dem Zusatzbehälter gestartet.

In Brasilien wird wohl die weltweit größte Menge des Alkohols Ethanol als Kraftstoff produziert. Allein 2001 wurden etwa 12 000 Millionen Liter Ethanol aus Rohrzucker gewonnen, was zirka 40 Prozent des gesamten Kraftstoffverbrauchs entspricht. Demgegenüber sind Dieselmotoren als Pkw-Antrieb in Brasilien verboten.

Das erste serienmäßige Fahrzeug mit dem neuen Motormanagementsystem von Bosch war der VW Fox Total Flex, der 2003 in Brasilien eingeführt wurde.(jj)