Podiumsdiskussion beim 2. Kompetenztreffen Elektromobilität des ZVEI (Foto: Alfred Vollmer)

Podiumsdiskussion beim 2. Kompetenztreffen Elektromobilität des ZVEI (Foto: Alfred Vollmer)

Auf dem 2. Kompetenztreffen Elektromobilität des ZVEI kristallisierte sich heraus, dass rund um die EVs noch viel zu tun ist. Dabei äußerten Vertreter von Zulieferern, der Europäischen Kommission, der Energiewirtschaft, dem VDA etc. auf der Podiumsdiskussion ganz klar die Botschaft, dass der Kraftakt Elektromobilität sich nur gemeinsam bewältigen lässt, denn „die Chinesen schlafen nicht“.

Alexandra Jour-Schröder, Head of Unit in DG ENTR bei der Europäischen Kommission, kam direkt zur Sache: „Elektromobilität kann kein nationales Thema sein; wir sollten es hinbekommen, dass Europa ein Leitmarkt für Elektromobilität wird“ – und zwar aus drei Gründen: Zum einen müsse der CO2-Ausstoß signifikant gesenkt werden, und zum anderen gelte es, die Schadstoffbelastung in den Städten zu senken. Außerdem sei es ein politisches Ziel, die Abhängigkeit von außereuropäischen Energielieferanten zu verringern.

Dr. Thomas Schlick, Mitglied der Geschäftsführung des VDA ergänzte daraufhin: „Die Chinesen warten nicht; wir brauchen eine konzertierte Aktion und vereinfachte Abläufe… Es kann nicht sein, dass wir weiterhin zwei Jahre brauchen, um entsprechende Mittel zu beantragen. … Dass Daimler sich bei BYD in China engagiert, kann nur bedeuten, dass es bei uns nicht schnell genug geht.“

Dr. Rainer Kallenbach, Mitglied des Bereichsvorstands Automotive Electronics bei der Robert Bosch GmbH, sieht die Sachlage etwas anders: „Wir sollten nicht das Thema ‚China gegen Deutschland gegen Europa’ diskutieren. Unsere Investitionen müssen wir stets für den Weltmarkt tätigen. … Allerdings wird es nicht so sein, dass jeder einzelne Fahrzeughersteller die Komponenten nochmals von Grund auf entwickeln wird.“ Vielmehr gelte es, zahlreiche Grundelemente herstellerübergreifend zu nutzen, während gleichzeitig noch die Möglichkeit zur Differenzierung und Marken-Ausprägung gegeben ist.

Nachdem derzeit trotz intensiver Bemühungen noch nicht einmal der Ladestecker für Elektroautos endgültig genormt ist, war die Standardisierung – auch außerhalb der Podiumsdiskussion – ein wesentliches Gesprächsthema. Alexandra Jour-Schröder von der EU-Kommission appellierte denn auch eindringlich an die Industrie: „Wir sollten in jedem Fall vermeiden, dass Europa sich bei den Elektrofahrzeugen zersplittert darstellt.“ Nicht nur rein mechanische Aspekte, sondern auch die Interoperabilität, beispielsweise bei der Abrechnung (Billing) ist dabei ein wesentlicher Aspekt.

Dr. Kallenbach (Bosch) ergänzt: „Es ist wichtig, gewisse Randbedingungen frühzeitig zu standardisieren. Es ist sicher sinnvoll und wird allen helfen, die Stecker, Spannungslagen etc. festzulegen.“

Elektromobilität: Mehr als nur EVs

Die Anstrengungen rund um die Elektrofahrzeuge sind riesig, dürfen aber nach Ansicht von Roger Kohlmann, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), nicht isoliert betrachtet werden: „Wir werden ein riesiges Problem bekommen, die Lastschwankungen in den Griff zu bekommen, die durch erneuerbare Energien entstehen.“ Der Wind bläst eben nicht immer mit konstanter Stärke und nachts liefert eine Fotovoltaikanlage systembedingt keinen Strom.

Kohlmann weiter: „Wenn wir 2050 in der Stromproduktion CO2-neutral sein wollen, dann führt kein Weg an der Elektromobilität vorbei.“ Die Energiewirtschaft denkt dabei an das bereits seit geraumer Zeit von Prof. Dr. Gernot Spiegelberg intensiv kommunizierte Modell, die Elektrofahrzeuge als intelligente Pufferbatterien im Stromnetz der EVUs zu nutzen. Da ein EV nur 10% der Zeit fahre, aber 90% stehe, sieht Roger Kohlmann die aktive Einbindung der EVs in das Energienetz als die naheliegende Lösung: „Die Grundlage, damit die Elektromobilität kommt, ist das Netz. … Die Elektromobilität ist viel mehr als nur Auto und Steckdose.“

In einem Punkt waren sich alle Anwesenden einig – und den formulierte Dr. Schlick (VDA) so: „Wir müssen die Elektromobilität schnell auf die Straße bringen, um unsere Probleme zu lösen.“ (av)