Die chinesische Regierung treibt derzeit die Entwicklung der Elektromobilität stark voran. Den Kauf von E-Autos fördert die Regierung über Zuschüsse und Steuererleichterungen – sowie über eine Benachteiligung konventioneller Fahrzeuge im Alltag. So müssen Besitzer von Pkws mit Verbrennungsmotor in einigen Städten Mauts entrichten oder sehen sich gar Fahrverboten gegenüber. Parallel baut das Land seine Elektromobilitätsindustrie strategisch aus. „China positioniert sich als Schlüsselmarkt für Elektromobilität – und andere Schwellenländer werden folgen“, sagt August Joas, Partner und Leiter des globalen Automotive-Practice-Bereichs bei Oliver Wyman. Das Beratungsunternehmen hat in einer Analyse die internationalen Perspektiven der Elektromobilität untersucht und zeigt Folgen für die bestehende Zulieferindustrie auf.

Kooperationen dürfen kein Tabu sein

Die Kosten für Elektro- und Verbrennungsmotore gleichen sich zunehmend an. Zulieferer, die auch künftig vor allem auf Verbrenner setzen, werden laut einer Studie von Oliver Wyman Probleme bekommen.

Die Kosten für Elektro- und Verbrennungsmotore gleichen sich zunehmend an. Zulieferer, die auch künftig vor allem auf Verbrenner setzen, werden laut einer Studie von Oliver Wyman Probleme bekommen. Oliver Wyman

„Mit zunehmendem Erfolg strombetriebener Fahrzeuge wird sich Wertschöpfung in die Schwellenländer verlagern“, erläutert Joas. Auch die überwiegend noch stark im traditionellen Automobilbau verankerten deutschen Zulieferer müssten rasch eine Strategie entwickeln, wie sie darauf reagieren. In diesem Zusammenhang gelte es, die Produkte und die Marke gleichermaßen neu auszurichten. „Neben dem Kauf von Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette können Kooperationen die Schlagkraft erhöhen“, sagt Joas. Selbst das Joint Venture mit einem direkten Konkurrenten dürfe kein Tabu sein. Zugleich sei wichtig, die internationale Präsenz zu stärken.

Die Lage stellt sich für die deutschen Zulieferer herausfordernd dar. „Bereits getätigte Investitionen etwa in Werke für Komponenten von Verbrennungsmotoren lassen Elektromobilität auf kurze Sicht unattraktiv erscheinen“, sagt Juergen Reiner, Partner und Automobilexperte bei Oliver Wyman. Zudem nimmt der heimische Markt für E-Autos nur langsam Schwung auf. Die Studie sieht einen Grund datür darin, dass die Bundesregierung mit ihrer Gesetzgebung Rücksicht auf die starke traditionelle Automobilindustrie nähmen und eher auf Anreize als Verbote setzten. Mittelfristig drohten die Zulieferer Wettbewerbsvorteile etwa gegenüber chinesischen Konkurrenten, die sich auf E-Autos spezialisieren, zu verlieren. Verschärft werde die Lage dadurch, dass die Automobilhersteller (OEM) ihre Wertschöpfungstiefe erhöhen. So plant US-Hersteller Tesla etwa seine eigene „Gigafactory“ für Batterien. Auch traditionelle Hersteller wollen selbst Batterien bauen.

Batterie wird Schlüsselfaktor

„Die bislang wichtigen Module für traditionelle Motoren und Antriebsstränge werden dramatisch an Bedeutung verlieren“, sagt Reiner. „Die Wertschöpfung wandert hin zur Batterie.“ Hochspannungskabelsysteme, Leistungselektronik oder Antriebsmanagement rücken in den Fokus.“ Das wirke sich auch auf die Produktionstechnik aus: Noch vorherrschende Guss- und Drehmaschinen würden zunehmend durch Wickelmaschinen ersetzt, die für den Bau von Elektroantrieben nötig seien. Die Kosten für Elektroantriebe und Verbrennungsmotoren näherten sich dank leistungsfähigerer Batterien weiter an. Schon 2025 soll der Elektromotor im Schnitt nur noch knapp 20 Prozent teurer als ein Verbrennungsmotor sein.Die Studie geht davon aus, dass die in vielen Märkten noch vorherrschende Skepsis gegenüber strombetriebenen Fahrzeugen ab 2020 rasch abnimmt.

Um sich auf dem neuen Markt zu positionieren gelte es für die Zulieferer, ihren Marktauftritt zu schärfen. „Sie müssen ihr Wertversprechen an ihr neues Produktportfolio anpassen – und können dazu das ‚E‘ als Hebel zur Differenzierung nutzen“, erläutert Berater Joas. Denn die Konkurrenz wächst stark: „Elektromobilität lockt branchenfremde Unternehmen etwa aus dem Chemiesektor oder der IT und Elektronik an.“ So sind Panasonic und BASF ins Geschäft mit Batterietechnik für E-Autos eingestiegen.