Natürlich war die Konjunktur ein Thema und es gab keine Firma, die nicht davon betroffen war, seit Herbst 2008 bekommen auch die Dienstleister der EMV, die Komponentenlieferanten sowie Messtechnikanbieter die Krise zu spüren. Aber die Stimmung war gut und Gerhard Pohlmann, Mitglied des Ausstellerbeirats der EMV und Geschäftsführer der EMC Test NRW GmbH in Dortmund, empfahl eine Trennung der psychologischen Einflüsse von den Fakten – und die Situation durch neue Ideen und Instrumente zu meistern. Z.B. durch ein Höchstmaß an Flexibilität, außerdem sind die Ingenieure in der Lage die vielen Fragezeichen der Krise durch ihre Kreativität zu überwinden.

Auch gehört zu den positiven Dingen am Messeauftritt festzuhalten und Flagge zu zeigen. Schade, dass Großfirmen ihren Mitarbeitern aus Kostengründen einen Messebesuch verweigern, verzichtet man dadurch auf die persönlichen Kontakte und den Erfahrungsaustausch, der sich positivauf die Zukunft auswirken kann. Trotzdem war die Zahl der Besucher mit 2500 in der Größenordnung wie die Veranstaltung vor zwei Jahren in Stuttgart und damit zufriedenstellend für den Messeveranstalter und die Aussteller.

Was die Neuvorstellungen angeht, gab es keinen Grund zu klagen. Eine Weltneuheit zeigte em test mit dem Modell netwave eine multifunktionale AC/DC Quelle mit beachtlichen 7500 VA Ausgangsleistung. Sie eignet sich zur Simulation der meisen geforderten Netzphänomene und erfüllt IEC/EN 61000-4-13/14/17 sowie 28 bzw. 29 als DC-Quelle für Spannungseinbrüche und Unterbrechungen. Durch die hohe Ausgangsleistung mit geringsten Verzerrungen und hoher Stabilität werden selbst unter dynamischen Laständerungen Messungen der Oberschwingungen und von Flicker gemäß den IEC/EN Richtlinien präzise durchgeführt. Neu bei em test war außerdem der UCS 500N7, ein kompakter Simulator für leitungsgebundene Transienten bis 7kV sowie der UCS 500N5, der bis 5,5 kV liefert.

Eine weitere Messeneuheit war das Modell TDEMI 6G von Gauss Instruments am Stand von emv in Taufkirchen. Es ist ein Emissions-Messgerät mit Echtzeitanalyse und nach Angabe der Firma durch Einsatz von DSP mittels FPGAs bis zu 4000mal schneller als ein konventioneller HF-Messempfänger.

Der TDEMI 6G deckt den Frequenzbereich 9 kHz bis 6 GHz ab und verfügt über die CISPR-Bandbreiten von 200 Hz, 9 kHz, 120 kHz und 1 MHz. Der in elektronik industrie 3-2009 bereits vorgestellt Multifunktionsgenerator NSG 3060 von Teseqs war auf der Messe eine der Attraktionen. Gezeigt wurde auch der NSG 3040, der kleinere Bruder, er bietet als modulares Testsystem außer dem 7-Zoll-Touchscreen für die Programmierung von Testsequenzen: Surge, Ringwave und Telecom-Pulse bis 4,4 kV für CE Applikationen, Burst, PQT und Magnetfeld-Optionen für AC und DC sowie eine umfangreiche Zubehörpalette. Aber nicht nur die großen Geräte hatten ihren Auftritt.

So zeigte Langer EMV-Technik das Modell NNB 21 eine Netznachbildung nach CISPR 25/ISO 7637. Sie ist für die Messung leitungsgebundener Störaussendung in Bordnetzen (Automobilbereich) und allgemeine Anwendungen geeignet. Sie ist einfach und felxibel anwendbar. Für entwicklungsbegleitende Messungen wurde der Frequenzbereich über 200 MHz hinaus bis auf 1 GHz erweitert. Es können zwei Leitungen gleichzeitig oder abwechselnd gemessen werden. Dafür muss der Messaufbau nicht geändert werden und somit wird die Messunsicherheit möglichst gering gehalten. Bei Messungen an nur einer Signalleitung kann der zweite Signalpfad durch den seitlichen Schalter auf Masse gelegt werden.

Die intern fest eingebaute 10 dB Dämpfung bietet den Vorteil bei Speisung aus einer Quelle ungleich 50 Ohm wie es üblicherweise der Fall ist, ein deutlich verbesserte Anpassung und verlässlichere Messergebnisse. Auf der Komponentenseite präsentierte Syfer zwei Serien an EMV-Filtern. Einmal die EMI Power Filter (im Bild 4 links), aufgebaut als Schichtkondensatoren und für Ströme bis 100A in Y2 und Y4 Applikationen am Netzeingang. Neu ebenfalls die hermetisch dichten EMI Filter (im Bild rechts) aufgebaut mit Keramikmultilayermaterial. Es gibt sie als C-Filter, L-Filter, LC-Filter sowie Pi-Filter und C-L Filter nach WE772 für Luftfahrtanwendungen.

Thora hat für die Messe einen Musterkasten an SMD-Induktivitäten zusammen gestellt . Mit 32 verschiedene Typen in verschiedenen Baugrößen und mit Induktivitäten von 1µH bis 220µH sowie für Sröme von 0,17 bis 3,6A werden alle möglichen Applikationen abgedeckt. Proverthas Filtertechnologie, demonstriert auf der Messe, ermöglicht selektive Filterbestückung im Steckverbinder mit Kapazitätswerten von 2 bis 2000 pF für Dämpfungswerte bis zu 50 dB. Die Filterstecker weisen eine Tiefpass-Charakteristik auf und verfügen über eine HF-dichte geschlossene Metallrückseite. Ein aktuelles Beispiel für 360°-EMI/RFI-Schirmung ist die kompakte D-Sub Vollmetallhaube für voll geschirmte HF-dichte und rüttelsichere Kabellösungen in rauer Umgebung . Sie gewährleistet eine effektive und hochwertige 360-Grad-Schirmung mit Crimpflansch-System für Anwendungen mit hoher Anforderung an die EMV bzw. HF-Dichtigkeit. Zudem sichert das Crimpflanschsystem mit dem Hexagonal-Crimp der Außenhülse eine rüttel- und torsionssichere Zugentlastung des Kabels für raue Umgebungsbedingungen. Die Crimpflansche stehen mit unterschiedlichen Durchmessern zur Verfügung.

Premiere auf der Messe hatte das EMV Testzentrum Hildesheim der Robert Bosch Car Multimedia GmbH (Bild 7 Bosch) unter der Leitung von Dr. Hans-Ulrich Aust. Es ist das ehemalige Blaupunkt EMV Testzentrum und bietet Automotive EMC Testing in zwei Absorberhallen (auch mit PKW befahrbar, Messstrecke 3m, Messungen bis 4,2 Ghz, 6 GHz und 40 GHz), fünf Schirmkabinen mit jeweils 25 m2. Umfangreich ist die Messausstattung mit Geräten von R&S u.a. Zum Einsatz kommt auch das CANoe-System von Vector Informatik. Wie sich die EMV-gerechte Entwicklung für Fahrzeuge rasch und kostengünstig realisieren lässt, beschrieb Michael Jacobsen, Leiter des EMV-Prüflabors bei MBtech, im Workshop „EMV-Turbo –Störaussendungsmessungen im Zeitbereich“, der hier beispielhaft für alle Workshops genannt werden soll.

 Der Einzug alternativer Antriebe hat den seit Jahren anhaltenden Trend zu immer mehr Hochvolt-Leistungselektronik im Fahrzeug zusätzlich verstärkt – steigender Kostendruck und verkürzte Modellzyklen lassen den Ingenieuren jedoch immer weniger Zeit zum Testen der Systeme. Um den gewachsenen Anforderungen gerecht zu werden, reichen die konventionellen Messmethoden zur Erfassung hochfrequenter EMV-Störemissionen häufig nicht mehr aus. Schließlich kommen dabei Messempfänger zum Einsatz, die den relevanten Frequenzbereich in vorgegebenen Schritten abtasten – ein Vorgang, der meist mit beträchtlichem Zeitaufwand im Prüflabor verbunden ist.

Einen vielversprechenden Lösungsansatz bilden dagegen innovative auf DSP-basierte Messverfahren im Zeitbereich, die aufgrund ihrer Schnelligkeit durchaus als „EMV-Turbo“ bezeichnet werden können. Z.B. durch den Einsatz von Emissions-Messgeräten mit Echtzeitanalyse durch Einsatz von DSP mittels FPGAs bis zu 4000mal schneller als bei konventionellen HF-Messempfängern. Das Programmkomitee der Workshops lag dieses Jahr letztmalig in den bewährten Händen von Prof. Ernst Habiger von der TU Dresden, der aus Altergründen an Prof. Dr. Marco Leone von der TU Magdeburg übergibt (sb).