Die EU-Strategie soll dazu beitragen, die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle zu verringern.

Die EU-Strategie soll dazu beitragen, die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle zu verringern. Wikimedia – Amio Cajander

Der Markt für kooperatives, vernetztes und automatisiertes Fahren hat Schätzungen zufolge ein Potenzial von etlichen Milliarden Euro pro Jahr und dürfte viele neue Arbeitsplätze schaffen. Zudem hat sich die Straßenverkehrssicherheit in der EU im Vergleich zu den stetigen Verbesserungen der vergangenen zehn Jahre zuletzt nur noch geringfügig erhöht. C-ITS soll dazu beitragen, die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle zu verringern, sodass die EU ihr Ziel erreicht, die Zahl der Verkehrstoten in der Europäischen Union im Zeitraum 2010 bis 2020 zu halbieren.

Auch zur Erhöhung der Sicherheit der automatisierten Fahrzeuge der Zukunft und für deren vollständige Integration in das gesamte Verkehrssystem ist die Kommunikation zwischen Fahrzeugen, der Infrastruktur und anderen Straßennutzern unerlässlich. Anders ausgedrückt – Konnektivität und Kooperation sind die Voraussetzungen für eine sichere Automatisierung.

Fragmentierten Binnenmarkt verhindern

Derzeit laufen unionsweit viele, teils mit EU-Mitteln finanzierte C-ITS-Einführungstätigkeiten. Es ist die erklärte Absicht der Industrie, mit dem groß angelegten Einsatz C-ITS-fähiger Fahrzeuge ab 2019 zu beginnen. Das erste Ziel der Strategie besteht deshalb darin, auf dem Gebiet der C-ITS einen fragmentierten Binnenmarkt zu verhindern und Synergien zwischen den verschiedenen Initiativen herbeizuführen, um Kontinuität und Interoperabilität der C-ITS-Dienste europaweit zu gewährleisten.

Um die Kontinuität zu gewährleisten, muss die Verfügbarkeit von C-ITS-Diensten für die Endnutzer unionsweit sichergestellt sein. Daher befasst sich die Strategie mit einer Liste technisch ausgereifter C-ITS-Dienste, die für den Verkehrssektor und die Gesellschaft im weitesten Sinne klare Vorteile bringen und die von den Mitgliedstaaten und den lokalen Behörden, den Fahrzeugherstellern, Straßenbetreibern und der ITS-Branche unionsweit rasch eingeführt werden sollten. Die Strategie beinhaltet zudem Maßnahmen, um die Mitgliedstaaten und die Branche finanziell bei der Einführung dieser Dienste zu unterstützen.

Mix der Kommunikationstechnologien

C-ITS-Nachrichten werden für eine große Bandbreite von Diensten, in unterschiedlichsten Verkehrssituationen und zwischen verschiedenen Akteuren übertragen. Im Allgemeinen interessiert es die Fahrer nicht, mit welcher Kommunikationstechnik die C-ITS-Nachrichten übertragen werden, erwarten jedoch zunehmend, alle verkehrs- und sicherheitsrelevanten Informationen europaweit nahtlos empfangen zu können. Um diese Erwartungen zu erfüllen, stellt die Strategie ein Konzept für einen hybriden Kommunikationsmix vor, der sich ergänzende und verfügbare Kommunikationstechnologien kombiniert. Derzeit besteht der vielversprechendste hybride Kommunikationsmix aus einer Kombination von WiFi-gestützter Nahbereichskommunikation und bereits vorhandenen zellularen Netzen.

Darüber hinaus spielen Sicherheit und Datenschutz im Zusammenhang mit der Konnektivität eine entscheidende Rolle. Die Sicherheit der Kommunikation muss gewährleistet sein und die Bürger müssen darauf vertrauen können, dass ihre Daten geschützt und vorschriftsmäßig verwendet werden. Daher beinhaltet die Strategie die Entwicklung einer gemeinsamen EU-Sicherheitspolitik für C-ITS sowie konkrete Maßnahmen, um das Anrecht der Bürger auf die Kontrolle ihrer personenbezogenen Daten zu schützen.

Entwicklung eines geeigneten Rechtsrahmens

Um die Rechtssicherheit für öffentliche und private Investoren zu gewährleisten und um sicherzustellen, dass die notwendigen technischen Vorschriften (Dienste, Kommunikationstechnologien, Normen, Frequenzen, Sicherheit, Datenschutz usw.) breite Anwendung finden, wird ein eigener Rechtsrahmen benötigt, der für die Interoperabilität und Kontinuität der C-ITS-Dienste in der gesamten EU sorgt. Daher wurde in die Strategie die Ausarbeitung eines solchen Rechtsrahmens aufgenommen. In ihn werden die Erkenntnisse einfließen, die in enger Zusammenarbeit aus den C-ITS-Einführungsprojekten, beispielsweise den Initiativen der C-ROADS-Plattform, gewonnen wurden.

Im Zuge der Globalisierung des C-ITS-Markts finden bereits internationale Kooperationen mit Australien, Japan, Singapur, den USA und mit den G7-Ländern in Bereichen wie Forschung, Sicherheit sowie Ausarbeitung und Harmonisierung von Normen statt. Die Strategie umfasst die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit internationalen Partnern und Initiativen mit dem Ziel, vor allem durch die Zusammenführung von Forschungs- und Innovationsprojekten voneinander zu lernen.

Konkrete Dienste und Kosten

Die C-ITS-Strategie setzt Schwerpunkte für eine koordinierte Einführung technisch ausgereifter C-ITS-Dienste durch die Mitgliedstaaten und die Industrie. Die folgenden Dienste sollen zuerst eingeführt werden: Warnungen vor dem vorausfahrenden Verkehr, vor Straßenbauarbeiten, vor sich nähernden Einsatzfahrzeugen, Informationen über die Wetterbedingungen, Geschwindigkeitsbegrenzungen im Fahrzeug sowie Hinweise zur Optimierung der Geschwindigkeit (so genannte „Grüne Welle“).

Umfassende Untersuchungen haben gezeigt, dass bei einer interoperablen und europaweiten Einführung technisch ausgereifter C-ITS-Dienste das Nutzen-Kosten-Verhältnis im Zeitraum 2018 bis 2030 bis zu 3:1 betragen wird. Dies bedeutet, dass jeder in C-ITS-Dienste investierte Euro einen Nutzen von bis zu drei Euro generieren dürfte. Noch schneller wird die Rentabilitätsschwelle erreicht, wenn möglichst viele Dienste rasch eingeführt werden, wodurch sich auch der Gesamtnutzen erhöht.