AUTOMOBIL-ELEKTRONIK: Herr Meyer, wie laufen die Geschäfte?

Jürgen Meyer: Wir konnten 2013 ein hervorragendes Jahr verzeichnen. Gerade am Standort Deutschland, an dem unsere Kunden auch international sehr erfolgreich agiert haben, wurde stark in Entwicklungsdienstleistungen investiert. Bereiche wie funktionale Sicherheit und Softwarequalität, aber auch Innovationsfelder wie Fahrerassistenzsysteme und E-Mobility gehören zu den Wachstumsfeldern. Für weiteres Wachstum hat die Assystem alle Automotive-Leistungen der gesamten Gruppe gebündelt und dazu die strategische Geschäftseinheit Automotive SBU gegründet. Wir sprechen hier von 1900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Automotive-Expertise, die in den europäischen Automotive-Zentren arbeiten. Bei Bedarf sind sie auch länder-übergreifend in Simultaneous-Engineering-Projekte eingebunden. Damit kommen wir den aktuellen Anforderungen unserer Kunden entgegen – insbesondere der französischen Automobilindustrie.

Der Trend geht bei OEMs dahin,  heute wieder stärker eigenes  Know-how aufzubauen.

Der Trend geht bei OEMs dahin, heute wieder stärker eigenes Know-how aufzubauen.Assystem

AUTOMOBIL-ELEKTRONIK: Wie präsentiert sich die neue Geschäftseinheit in Deutschland?

Jürgen Meyer: In Deutschland setzt sich die Assystem Automotive SBU aus den Automotive-Sparten der drei Unternehmen Assystem GmbH, Berner & Mattner Systemtechnik GmbH und Silver Atena Electronic Systems Engineering GmbH zusammen. Unser Ziel ist es, strukturell wie personell weiter zusammenzuwachsen. An unserem Standort in Vaihingen bei Stuttgart sitzen die Kollegen beispielsweise bereits im gleichen Bürogebäude. Für 2014 planen wir zudem einen weiteren Ausbau der Ressourcen in Köln und Wolfsburg. Für unsere Kunden – und das ist uns wichtig – bleibt alles konstant. Die Ansprechpartner genauso wie unsere gewachsenen Markennamen und unsere ortsnahe Unterstützung. Unsere Unternehmensstruktur erlaubt es zudem, größere Projekte – auch im internationalen Kontext – zu realisieren. Wenn ein bestimmtes Volumen erreicht ist, können wir dafür Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus anderen Standorten integrieren, beispielsweise unsere Experten-Teams aus Berlin oder die Ingenieure des rumänischen Automotive Engineering Centers.

AUTOMOBIL-ELEKTRONIK: Das heißt, Sie bieten Simultaneous-Engineering im internationalen Kontext?

Jürgen Meyer: Korrekt! Bei Bedarf binden wir unsere Portfolio-Bausteine aus Rumänien mit ein. Die Projekte werden dann simultan an zwei Standorten bearbeitet. Während manche unserer Wettbewerber vor Ort nur einen Brückenkopf bilden und dann in ganz anderen Ländern, etwa im asiatischen Raum, entwickeln, verfolgen wir aber eine andere Strategie: Wir sind an den wichtigen Automotive-Standorten in Deutschland, Frankreich, Rumänien und England lokal präsent, arbeiten dort eng mit unseren Kunden zusammen.

Jürgen Meyer (rechts) sagte im Gespräch mit AUTOMOBIL-ELEKTRONIK-Redakteur Alfred Vollmer folgendes: „Wir sind davon überzeugt, dass sowohl Safety- als auch Security-Aspekte von Spezifikationen gleich von Beginn an in die Elektronik mit hinein entwickelt

Jürgen Meyer (rechts) sagte im Gespräch mit AUTOMOBIL-ELEKTRONIK-Redakteur Alfred Vollmer folgendes: „Wir sind davon überzeugt, dass sowohl Safety- als auch Security-Aspekte von Spezifikationen gleich von Beginn an in die Elektronik mit hinein entwickelt Assystem

Über Simultaneous-Engineering können wir darüber hinaus Kompetenzen und Bestpreisangebote aus einem Land wie Rumänien mit anbieten. Dafür haben wir länderübergreifend höchste Standards in punkto Datenschutz etabliert und eine enge Kommunikationsstruktur der Projektteams ausgerollt. Der große Vorteil unserer Ingenieurinnen und Ingenieure aus dem rumänischen Automotive Engineering Center liegt aber darin, dass sie bei lokalen Kunden im Automotive-Umfeld bereits Erfahrung gesammelt haben und dieses Domänen-Know-how in die Projekte einbringen.

AUTOMOBIL-ELEKTRONIK: Welche Pläne haben Sie für 2014?

Jürgen Meyer: Die Strategie der Automotive SBU basiert in Europa und Deutschland auf den beiden Säulen Consulting und Product Engineering für große Entwicklungspakete unserer Kunden – auch im globalen Kontext. Konkret bedeutet dies: Wir beraten unsere Kunden einerseits in Bereichen, die entscheidend für eine Differenzierung im Wettbewerb sind. Bisher erfolgte dies vor allem in den Domänen Infotainment und Telematik. In Zukunft verlagert sich dies sicherlich stärker auf Fahrerassistenz und E-Mobility.

Wir sind an den wichtigen Automotive-Standorten in Deutschland, Frankreich, Rumänien und England lokal präsent, arbeiten dort eng mit unseren Kunden zusammen.

Wir sind an den wichtigen Automotive-Standorten in Deutschland, Frankreich, Rumänien und England lokal präsent, arbeiten dort eng mit unseren Kunden zusammen.Assystem

Auf der anderen Seite bieten wir Product-Engineering-Komplettlösungen rund um Elektronik, Mechanik und Software. Aus einer Hand liefern wir beispielsweise Software für elektronische Lenksysteme, bieten Prüfsysteme an und betreiben diese. Weiteres Wachstum in 2014 wollen wir aber auch mit noch größeren Werkverträgen inklusive entsprechender Risikoübernahme erzielen. Durch die Assystem-Gruppe, die 2013 einen Umsatz von 871 Millionen Euro machte, sind wir für diese Herausforderungen sehr gut gerüstet. Ein Beispiel: In den letzten Jahren haben wir für einen großen deutschen OEM die Integration von Telefon- und Onlinediensten in Fahrzeuge übernommen.

Unsere Unternehmensstruktur erlaubt  es, größere Projekte – auch im internationalen Kontext – zu realisieren.

Unsere Unternehmensstruktur erlaubt es, größere Projekte – auch im internationalen Kontext – zu realisieren.Assystem

In einem anderen Projekt, das wir ebenfalls für diesen OEM realisieren, geht es um die Anbindung von mobilen Endgeräten wie Smartphones für Musik oder Video. Wir arbeiten hier sehr umfassend – von der Spezifikation bis zum Test. Unser Ziel ist, diese Synergien zu nutzen und Leistungen in einem großen Gesamtpaket anzubieten.

AUTOMOBIL-ELEKTRONIK: Was ändert sich heute am Zusammenspiel zwischen OEM, Tier-1 und Dienstleister?

Jürgen Meyer: Der Trend geht bei OEMs dahin, heute wieder stärker eigenes Know-how aufzubauen, um sich von Wettbewerbern zu differenzieren. In der Vergangenheit haben sie Entwicklungen häufig an den Tier-1 übergeben, der auch das Know-how dafür mitbrachte. Damit OEMs solche Projekte in Zukunft selbstständig und in eigener Verantwortung durchführen können, fordern sie Unterstützung durch Engineering-Dienstleister wie uns an. Es kommen aber auch stetig ganz neue Marktteilnehmer, die bislang keine Erfahrung als Tier-1 haben, hinzu. Ihnen fehlen häufig passende Entwicklungsprozesse. Hier arbeiten wir an der Schnittstelle und vermitteln gezieltes Automotive-Know-how – aktuell an einen sehr großen Player aus dem Beleuchtungsmarkt.

Mit dem Autosar-Standard ist  ein wichtiger Schritt gemacht  worden, sich vom Steuergerät  unabhängig zu machen.

Mit dem Autosar-Standard ist ein wichtiger Schritt gemacht worden, sich vom Steuergerät unabhängig zu machen.Assystem

AUTOMOBIL-ELEKTRONIK: Funktionale Sicherheit und Fahrerassistenzsysteme sind Themen, die immer stärker zusammenwachsen. Wie sehen Sie die Entwicklung?

Jürgen Meyer: Beim automatisierten Fahren spielen Aspekte zur funktionalen Sicherheit eine sehr große Rolle. Das bedeutet, dass man sich bereits bei der Systemauslegung Gedanken darüber machen muss, wie das Gesamtsystem sicher funktioniert. Unser Berner & Mattner Competence Center für Safety und Systems Engineering unterstützt die Projektteams seit Jahren erfolgreich bei der Umsetzung.

Da der OEM die Verantwortung für eine Fahrerassistenzfunktion nicht einfach an den Tier-1 delegieren kann, stellen sich ganz neue Fragen hinsichtlich Zusammenarbeit und übergreifender Absicherung. Ein hypothetisches Beispiel: Ein Radarsteuergerät erkennt auf der Ausfahrtspur der Autobahn das große Ausfahrtschild und meldet „Achtung Hindernis“. Gleichzeitig wird der Fahrer auf die Bremse treten, was das Bremssystem folgerichtig erkennt. Der Notbremsassistent erhält vom Radarsteuergerät zudem Infos über das Hindernis sowie über den Bremsvorgang des Fahrers. Wenn das Gesamtsystem an dieser Stelle nicht richtig ausgelegt ist, dann kann es sein, dass der Notbremsassistent fehlerhaft auslöst. Man trifft viele Vorkehrungen, dass das nicht passiert, aber es geht mir um das Zusammenspiel von OEM und Tier-1. Wer ist jetzt dafür verantwortlich?

Wir erleben an dieser Stelle einen Übergang der Verantwortung zwischen den in einzelnen Steuergeräten realisierten Funktionen. Hier ist ein steuergeräteübergreifender Zwischen-Layer notwendig, für den der OEM die Verantwortung übernehmen muss. Zusammen mit einem Fahrzeughersteller haben wir dafür ein entsprechendes Systemsicherheitskonzept entwickelt, das Sicherheit auch jenseits der Anforderungen der ISO 26262 bietet. Neben diesem Baustein im Bereich Safety unterstützen wir Fahrerassistenzaktivitäten sehr umfassend: bei der Spezifikation von Funktionen, über die Modellierung der entsprechenden Regelalgorithmen, den Aufbau und Betrieb von Testsystemen bis hin zur Steuerung der beteiligten Tier-1s.

Da der OEM die Verantwortung für eine Fahrerassis- tenzfunktion nicht einfach an den Tier-1 delegieren  kann, stellen sich ganz neue Fragen hinsichtlich  Zusammenarbeit und übergreifender Absicherung.

Da der OEM die Verantwortung für eine Fahrerassis- tenzfunktion nicht einfach an den Tier-1 delegieren kann, stellen sich ganz neue Fragen hinsichtlich Zusammenarbeit und übergreifender Absicherung.Assystem

AUTOMOBIL-ELEKTRONIK: Ändert sich auch etwas bei der strukturellen Aufteilung von Funktionen im Fahrzeug?

Jürgen Meyer: Die neuen Funktionen, ich bleibe beim Beispiel Fahrerassistenz, entstehen ja durch Software, denn die Sensorik und die Aktorik sind bereits vorhanden. Alle OEMs entwickeln selbst am automatisierten Fahren und damit auch an entsprechender Software. Es gibt dazu viele unterschiedliche Architekturkonzepte: Die einen entscheiden sich für einen Zentralrechner, und die anderen packen Softwarefunktionen auf vorhandene Steuergeräte hinzu. Mit dem Autosar-Standard ist ein wichtiger Schritt gemacht worden, sich vom Steuergerät unabhängig zu machen, denn die Funktionalität entsteht ja durch das Zusammenspiel der Softwarekomponenten. Weil die neuen Funktionen wieder verwertbar und auch in jedes Fahrzeug hinein integrierbar sein sollen, benötigen wir Architekturen, die steuergeräteunabhängig sind.

In diesem Zusammenhang wird das Thema der Absicherung wichtig. Dank der standardisierten Autosar-Schnittstellen können Funktionen steuergeräteunabhängig über die virtuelle Integration bereits im frühen Entwicklungsstadium abgesichert werden. Die Fehlerreduktion bei den Softwarekomponenten und deren frühe Absicherung im System erleichtern die nachfolgenden Prozesse. Wie wichtig das Thema ist, sehen wir am Wachstum unseres Competence Centers für Autosar & Virtuelle Integration, das auf die Entwicklung von Autosar-Systemen und deren Absicherung ausgerichtet ist.

Unser Ziel ist es, bereits entwicklungsbegleitend nhochwertige Softwarequalität sicherzustellen – nSoftware Quality Management.

Unser Ziel ist es, bereits entwicklungsbegleitend nhochwertige Softwarequalität sicherzustellen – nSoftware Quality Management.Assystem

AUTOMOBIL-ELEKTRONIK: Welche Bedeutung haben Testsysteme in Zukunft für Assystem?

Jürgen Meyer: Die Integration und der Betrieb von Testsystemen gehören seit jeher zu unseren Kernthemen. Für die Absicherung von Funktionen wie in Fahrerassistenzsystemen setzen wir neben der virtuellen Integration schon lange auf modellbasierte Entwicklungs- und Testverfahren. Neben schlüsselfertigen Simulations- und Testlösungen entwickeln wir dafür auch Betreiberkonzepte in eigenen Prüflabors – auch mit Simultaneous Engineering. Außerdem tragen wir mit eigenen Entwicklungen zur optimalen Tool-Kette unserer Kunden bei. Um relevante Tests zu identifizieren, bieten wir das Tool CTE XL Professional zur systematischen Testfallentwicklung an – das kommt übrigens branchenübergreifend zum Einsatz. Und mit ANCONA haben wir im Assystem-Verbund ein leistungsfähiges, modulares HiL-Testsystem entwickelt. Es zeichnet sich durch skalierbare und dezentrale Signalerfassung über EtherCAT, digitale sowie analoge I/Os und die Verwendung gängiger Bussysteme aus. Kurz gesagt, es ist hochflexibel und einfach handhabbar.

AUTOMOBIL-ELEKTRONIK: Absicherung ist das eine, Softwarequalität das andere …

Jürgen Meyer: Wenn man heute Software in einer hohen Qualität erzeugen will, dann benutzt man statische und dynamische Methoden zum Softwaretest. Dynamische Methoden sind der klassische Betrieb mit Prüfsystemen, aber im Umfeld sicherheitskritischer Software sind auch viele statische Tests erforderlich. Hierfür gibt es Tools am Markt, die in der Regel sehr komplex und teuer sind. Oft wollen Kunden diese Tools aber nicht selbst betreiben. Dann wird unser Competence Center für Softwarequalität aktiv, nimmt die Software mit unterschiedlichsten Tools unter die Lupe und erstellt Reports, um den Verantwortlichen Hinweise zu geben, wo mögliche Fehlerquellen lauern. Auch wenn es darum geht, Fehler noch kurz vor Serienstart zu finden, kommt das Competence Center für Softwarequalität zum Einsatz. Oft fordern Manager vom OEM oder Tier-1 unsere Dienstleistung an, wenn gerade etwas anbrennt. Unser Ziel ist es, bereits entwicklungsbegleitend hochwertige Softwarequalität sicherzustellen – Software Quality Management.

AUTOMOBIL-ELEKTRONIK: Was geschieht derzeit im Bereich E-Mobility?

Jürgen Meyer: E-Mobility verschmilzt das Thema Sicherheit mit komplexen Fragen der Hardware- und Softwareentwicklung. Die Kenntnis der Normen, die hier aus den unterschiedlichen Branchen zusammenkommen, und das technische Know-how zu einzelnen Domänen machen Elektromobilität für Entwickler zu einer echten interdisziplinären Herausforderung.

In einem Competence Center zur Hardwareentwicklung innerhalb der Assystem Automotive arbeiten wir beispielsweise seit mehreren Jahren sehr stark an der Elektrifizierung von Fahrzeugen. Dabei erbringen wir Projektleistungen im Umfeld von elektromechanischen Lenkungen, intelligentem Laden oder bei der Entwicklung elektrischer Antriebe. Aktuell entwickeln wir einen flüssigkeitsgekühlten bidirektionalen Hochspannungs-DC/DC-Wandler mit einer relativ hohen Ausgangsleistung von über 100 kW, dessen Regelung mit zwölf parallelen Phasen arbeitet und so einen nahezu konstant hohen Wirkungsgrad von bis zu 97 Prozent über den gesamten Arbeitsbereich bietet.

AUTOMOBIL-ELEKTRONIK: Sie tauchen bei vielen Projekten tief in das Know-how, das Denken und die Strategie Ihres Kunden ein. Wie läuft die Abschottung zwischen Projekten bei OEM A und OEM B in der Praxis?

Jürgen Meyer: Das stimmt, wir haben oft direkten Bezug zu den innovativsten Technologien dieser Unternehmen. Datenschutz und Datensicherheit haben daher oberste Priorität. Unsere Zertifizierung nach ISO/IEC 27001: 2005 stellt einen geschützten Raum für sensible und vor allem auch wettbewerbsrelevante Innovationen sicher. Je nach Kundenanforderung und Projekt bieten wir darüber hinaus an unseren Standorten verschiedene höhere Sicherheitsstufen wie etwa bauliche Trennungen in Form von dedizierten Projekträumen, speziellen Authentifizierungsmechanismen bis hin zu Hochsicherheitsbereichen mit eigener Infrastruktur.

AUTOMOBIL-ELEKTRONIK: Das Thema Security rückt aktuell stärker in den Fokus der Automobil-Entwicklung. Welche Bedeutung hat dies für Ihre Branche?

Jürgen Meyer: Die Frage ist nicht leicht zu beantworten, zumal Security ein technologisch und strategisch hochsensibles Thema ist. Steuergeräte, etwa im Infotainment-Bereich, sind sicherlich potenzielle Einfallstore, mit denen sich alle OEMs beschäftigen müssen. Ich denke, die Industrie steht hier am Anfang, wie man mit den neuen Security-Anforderungen umgehen soll. Dabei differieren die Erfahrungswerte stark und man bedient sich unterschiedlichster Branchen. Angefangen bei klassischen Anbietern aus der IT, die Security-Konzepte haben, sich aber in der Regel nicht mit den Embedded-Systemen im Fahrzeug auskennen.

Wir sehen uns selbst als Anbieter, der das Engineering und die Erfahrung mit Embedded-Steuergeräten einbringt. Die Kunst besteht nicht zuletzt darin, Experten aus unterschiedlichsten Bereichen zusammenzubringen. Denn um Security-Lösungen anbieten zu können, brauchen Sie zum Beispiel auch Hacker. Da arbeiten wir dann mit externen Firmen, Universitätseinrichtungen und sogar speziellen Communities zusammen, die das Hacker-Know-how haben und in die Projekte mit einbringen. Generell übertragen wir heute sehr viel Wissen aus unseren Safety-Entwicklungen in den Security-Bereich. Und wir sind davon überzeugt, dass sowohl Safety- als auch Security-Aspekte von Spezifikationen gleich von Beginn an in die Elektronik mit hinein entwickelt werden müssen und nicht am Ende „hinein geprüft“ werden sollten.

AUTOMOBIL-ELEKTRONIK: Leistet sich ein Entwicklungsdienstleister auch Forschung und Entwicklung?

Jürgen Meyer: Für uns ein klares Bekenntnis. Forschung und Gremienarbeit gehören fest zu unserer Philosophie. Wir sind aktuell etwa im Verbundprojekt „InTeLekt“ aktiv. Ziel ist hier die Zuverlässigkeit und Sicherheit von Leistungsmodulen in Elektrofahrzeugen zu verbessern. Im Projekt „SPES XT“ entwickeln wir ein Konzept für einen modularen Sicherheitsnachweis für Embedded Systems und bei „Varies“ geht es darum, wie man die Varianten in sicherheitskritischen eingebetteten Systemen besser managen kann – allesamt Themen mit starkem Innovationsbezug. Eng verbunden ist damit natürlich auch unsere Zusammenarbeit mit Universitäten, etwa als Promotionspartner und unsere Rolle als Arbeitgeber, der seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern langfristige, technologisch anspruchsvolle Aufgaben bietet.

AUTOMOBIL-ELEKTRONIK: Welche Bedeutung hat der Kongress „Fortschritte in der Automobil-Elektronik“ in Ludwigsburg für Sie?

Jürgen Meyer: Für uns als Firma ist dies ein sehr wichtiger Kongress, denn dort treffen sich die Spitzen der deutschen Automobilelektronik. Außerdem werden hier aktuelle Trends und ihre Auswirkungen thematisiert, die ich gerne in die Assystem-Gruppe einbringe und im Rahmen der Automotive SBU diskutiere.

AUTOMOBIL-ELEKTRONIK: Herr Meyer, wie lautet Ihre Prognose, wenn Sie mittelfristig in die Zukunft schauen?

Jürgen Meyer: Kaum eine andere Branche in Deutschland investiert derzeit so stark in Forschung und Entwicklung wie die Automobilindustrie. Es entstehen hier eine Vielzahl von Neuentwicklungen und unsere Hersteller spielen damit heute sicherlich in der Champions League. Wir sind daher mehr als optimistisch, dass wir auch künftig von diesem Wachstum profitieren. Für 2014 und darüber hinaus haben wir uns sehr gut aufgestellt – strategisch mit der Assystem Automotive SBU, innovativ mit unseren Competence Centern und wachstumsorientiert mit dem Potenzial der gesamten Assystem-Gruppe im Rücken.

Das Interview führte Alfred Vollmer, Redakteur der AUTOMOBIL-ELEKTRONIK.