Anhand von 2D-Barcodes, die an den Einzelteilen der zu reparierenden Maschine angebracht sind, ermittelt das System Kameraposition und -richtung und sendet diese Daten an den Experten.

Anhand von 2D-Barcodes, die an den Einzelteilen der zu reparierenden Maschine angebracht sind, ermittelt das System Kameraposition und -richtung und sendet diese Daten an den Experten.Fraunhofer FKIE

Der erste Schritt für den Industrietechniker an der defekten Maschine ist, dass er die Maschine mit einer Kamera aufnimmt, die auf der Rückseite seines Laptopmonitors angebracht ist. Der Computer selbst ist an einem schwenkbaren Arm montiert, sodass der Techniker den Bildschirm während der Reparaturarbeiten betrachten kann. Eine Bildverarbeitung berechnet Kameraposition und -richtung und sendet die Daten zur Herstellerfirma. Der Experte sieht die Maschine auf seinem Monitor in derselben Perspektive. Er kann mithilfe der Software Arbeitsanweisungen an bestimmte Teile der Maschine schreiben, beispielsweise: Diese Schraube lösen. Auf dem Monitor des Technikers werden diese Hinweise an den entsprechenden Maschinenteilen eingeblendet. Läuft der Mitarbeiter mit seinem Laptop um die Maschine herum, bewegt sich das Bild entsprechend. Die Informationen bleiben dabei an der Stelle, an der sie ausgeführt werden sollen, etwa an der speziellen Schraube. Hat der Techniker den Arbeitsschritt ausgeführt, kann er die Anweisung wegklicken. Da das System auf einem Chat-Protokoll basiert, können alle Beteiligten zusätzlich entweder über Chat oder per Telefon Informationen austauschen.

Die Forscher konnten die zu übertragende Datenmenge so reduzieren, dass
ein Handynetz für dieses System ausreicht. Man kann den Experten also auch an abgelegenen Anlagen zurate ziehen – etwa an Windkrafträdern, die auf einem Feld stehen oder bei Maschinen, die sich in Schwellen- und Entwicklungsländern befinden. „Wir übertragen keine Bilder, sondern Ortsinformationen“, sagt Dr. Thomas Alexander, Forschungsgruppenleiter am FKIE. „Dazu bringen wir derzeit an verschiedenen Stellen der Maschine 2D-Barcodes an. Nimmt der Techniker ein Bild des zu reparierenden Objekts auf, liest eine Software diese Markierungen aus und sucht die Hinweise, die dazu hinterlegt sind – etwa die Identifikationsnummer der Maschine sowie die Position und Lage des aufgenommenen Barcodes. Übermittelt werden lediglich diese Details.“ Bei der Herstellerfirma verknüpft eine Software die Informationen so mit den CAD-Daten der Maschine, dass der Experte sie aus demselben Blickwinkel sieht wie der Techniker vor Ort.

Einen Prototypen des Systems haben die Forscher bereits entwickelt. In einem weiteren Schritt planen sie eine Studie, in der Anwender das System testen werden. Die Ergebnisse helfen den Wissenschaftlern, das System weiter zu verbessern und an die Bedürfnisse der Benutzer anzupassen.