Mehr als 400 Aussteller zeigen auf der Vision vom 8. bis 10. November 2016 ihre Neuheiten zur Bildverarbeitung.

Mehr als 400 Aussteller zeigen auf der Vision vom 8. bis 10. November 2016 ihre Neuheiten zur Bildverarbeitung. Messe Stuttgart

Für die kommende Novemberausgabe der Vision rechnet Thomas Walter, Bereichsleiter Industrie und Technologie Messe Stuttgart, mit über 400 Ausstellern – rund 57 % davon aus dem Ausland. Zu den etablierten ‚Stammkunden-Ausstellern‘ gesellen sich in diesem Jahr neue Unternehmen wie FM Elektronik und Bosch. Gezeigt werden Technologien, „die dazu beitragen, wie Mensch und Maschine in Zukunft miteinander kommunizieren“, erläutert Walter. Bosch bringt dazu den APAS Inspector mit, ein mobiles Inspektionssystem für die Fertigung. Variable Module dienen zum Prüfen matter oder glänzender Oberflächen oder beispielsweise der Vollständigkeits-, Mikroriss- und Maßprüfung. Zum Inspektionssystem gehört eine flexible Plattform mit Planartisch, eine hochauflösende Highspeed-Kamera und ein Touchpad. Die eingesetzte lernende Bildverarbeitung unterscheidet Prüflinge anhand von Trainingsbildern in Gut- und Schlechtteile, die zuvor von einem Mitarbeiter eingelernt werden.

Das Inspektionssytem APAS Inspector von Bosch unterstützt bei die Fertigung mithilfe von lernender Bildverarbeitung.

Das Inspektionssytem APAS Inspector von Bosch unterstützt bei die Fertigung mithilfe von lernender Bildverarbeitung. Redaktion IEE

Für die Kommunikation zwischen Besucher und Aussteller sorgen auf der Messe derweil Veranstaltungen wie die Integration Area, bei der Systemintegratoren ihre Lösungen präsentieren (Eingangsbereich Halle 1), oder das Forum Industrial Vision Days, bei denen Experten über neue Kamera-Techniken, Optiken, Bildverarbeitungs-Software sowie aus Forschung und Entwicklung berichten.

Bei all dem Fortschritt, den der Sektor Bildverarbeitung erfährt, zeigt sich Dr. Horst Heinol-Heikkingen im Vorfeld der Messe überzeugt: „Wir sind jetzt in der Vision angekommen sind.“ Die Bildverarbeitung sei mittlerweile ein organisches Element von Maschinen geworden, so das Vorstandsmitglied der VDMA-Fachabteilung industrielle Bildverarbeitung. Aktuell „heiße Themen“ in der Bildverarbeitung sieht er unter anderem bei 3D und Embedded Vision, zu der der VDMA eine Podiumsdiskussion am 9. November veranstaltet.

Auf der Vision gibt es spannende Neuheiten rund um die Bildverarbeitung zu sehen.

Auf der Vision gibt es spannende Neuheiten rund um die Bildverarbeitung zu sehen. Messe Stuttgart

Speziell das 3D-Segment Time of Flight könnte einen genaueren Blick wert sein. Basler zum Beispiel zeigt eine neue Time-of-Flight-Kamera, die laut Unternehmen die erste industrielle VGA-Kamera im Mainstream-Preissegment ist, die nach diesem Prinzip arbeitet. In einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit weiteren Unternehmen und Forschungseinrichtungen entstand außerdem ein fahrerloser Schubmaststapler, der die menschliche Sprache versteht und mithilfe von 3D-Bildverarbeitung Gesten deutet.

Keine reine 3D-Lösung, sondern eine 6D-Kamera, stellt Matrix Vision vor. Neben 3D-Punktewolken liefert MVBlue Sirius Bewegungsvektoren und RGB-Farbinformationen. So ist die Kamera in der Lage, Objekte zu erkennen, die sich mit Informationen zu Form, Farbe, Größe und Geschwindigkeit beschreiben lassen.

Zur Hyperspektraltechnologie haben unter anderem die Unternehmen Allied Vision und Stemmer Imaging/Perception Park Lösungen parat. Während Allied Vision Kameras für den sichtbaren und Infrarotbereich, mit bis zu 550 Bildern pro Sekunde und einer Auflösung bis zu 29 Megapixel mitbringt, basiert die Lösung von Stemmer Imaging/Perception Park auf dem sogenannten Chemical Color Imaging. Damit lassen sich die chemischen Eigenschaften und Merkmale von Objekten unterscheiden und somit beispielsweise faulige Stellen an Obst und Gemüse erkennen.

Bildverarbeitung verdoppelt Umsatz

Die wichtigsten Exportmärkte für die Bildverarbeitungsbranche waren 2015 China und die USA.

Die wichtigsten Exportmärkte für die Bildverarbeitungsbranche waren 2015 China und die USA. VDMA

Zwei Milliarden Euro: Im Jahr 2015 hat die Bildverarbeitungsindustrie einen Rekordumsatz erzielt und dabei ein Plus von 9 % gegenüber dem Vorjahr eingefahren. Innerhalb von zehn Jahren hat sich der Umsatz der Branche damit verdoppelt. Die Technik boomt, da Maschinen und Roboter mithilfe von Bildverarbeitungssystemen ‚sehen‘ lernen. Das ist nicht nur für die klassischen Industriezweige interessant, sondern auch für intelligente Verkehrssysteme oder die medizinische Operationstechnik. Die Nachfrage wird wesentlich von in Deutschland entwickelter Technologie getrieben, erläutert Dr. Heinol-Heikkinen, Geschäftsführer Asentics und Vorstandsmitglied VDMA Industrielle Bildverarbeitung. Diese Entwicklung schlage sich für die deutsche Bildverarbeitungsindustrie in hervorragenden Umsatz- und Wachstumszahlen nieder. „Die Zukunftsaussichten sind exzellent“, so Heinol-Heikkinen. Für 2016 rechnet der VDMA mit einem Umsatzplus von 8 % auf 2,2 Milliarden Euro.

Im deutschen Markt stieg der Umsatz 2015 im Vergleich zu 2014 um 13 %. Exportiert wurde vor allem ins europäische Ausland: Der Anteil am Gesamtumsatz belief sich hier auf 23 %. Asien folgt mit 21 %, wobei China mit 9 % annähernd die Hälfte am Gesamtumsatz ausmacht. Das Wachstum betrug dort 19 %. Ebenfalls wachstumsstark war Nordamerika mit einem Plus von 8 %. Die USA, Kanada und Mexiko machten zusammen 12 % am Gesamtumsatze aus. Betrachtet man die einzelnen Branchen bleibt die Automobilindustrie weltweit stärkster Abnehmer der Bildverarbeitung mit 22 % am Gesamtumsatz, gefolgt von der Nahungsmittel- und Getränkeindustrie mit etwa 9 %.

Für das laufende Jahr rechnet der VDMA damit, dass Asien den Umsatz um 15 % steigern wird, in Amerika mit 14 % und in Europa mit 5 %. Asien und Amerika seien eindeutig Wachstumsmotoren. Hinsichtlich Europa bleiben die Experten vorsichtig: Gründe sind die Entwicklung der Rohstoffpreise,  Wechselkurse und politische Krisen.