Bei der Produktentwicklung stellt sich heute fast immer die Frage, ob es sinnvoll sein könnte, wenn zur Informationssammlung oder zur Steuerung eine Kommunikation mit dem Produkt möglich wäre – ein Konzept, das unter dem Namen „Internet der Dinge” (Internet of Things, IoT) bekannt geworden ist. In den meisten Fällen ist der einfachste und kostengünstigste Weg eine drahtlose Kommunikationseinrichtung.

Für diesen Zweck gibt es bereits zahlreiche, zuweilen konkurrierende Funktechnologien, die eine Kommunikation über relativ kurze Distanzen ermöglichen. Dabei wird eine sogenannte WPAN-Verbindung (Wireless Personal Area Network) genutzt. Bei IoT-Anwendungen in Consumer-Produkten, die einen sehr geringen Energieverbrauch erfordern, dürfte die Bluetooth-Low Energy-Technologie (BLE) bald am weitesten verbreitet sein. Im Jahre 2016 waren nach Angabe von Marktforschern praktisch 100 Prozent der ausgelieferten Smartphones mit Bluetooth-Technologie ausgerüstet, und mehr als 90 Prozent waren Bluetooth-Low-Energy-fähig.

Steigender Bedarf an Testlösungen

Mit dem wachsenden Markt für IoT-vernetzte Produkte kommt es zu einer erheblichen Zunahme der Anforderungen an Tests von drahtlosen Verbindungen. Traditionell waren die hauptsächlichen Nutzer von solchen Testausrüstungen Halbleiterunternehmen, die Funk-Chipsätze fertigen, sowie die Hersteller mobiler Endgeräte. Diese Unternehmen haben bereits weitreichende Erfahrungen beim Test von drahtlosen Produkten und können ihre vorhandenen Versuchsaufbauten problemlos an die neuen Technologien beziehungsweise Anforderungen anpassen.

Es gibt jedoch auch neue Arten von Unternehmen, die sich auf dem IoT-Markt etablieren. Ein typisches Beispiel ist etwa ein kleines Start-up-Unternehmen, das intelligente Softwareanwendungen beispielsweise für Hausautomatisierungsgeräte oder Fitnessüberwachungsgeräte entwickelt. Ein anderes Beispiel sind Traditionsunternehmen, die inzwischen eine vollkommen andere Art von Produkten als in der Vergangenheit herstellen, wie zu Beispiel automatisierte Elektrowerkzeuge oder Mähroboter. Diese Unternehmen sind zwar alle potenzielle Nutzer der Bluetooth-Low Energy-Technologie, doch es könnte ihnen an Erfahrung bei der Entwicklung von HF-Produkten und insbesondere im Bereich der HF-Test- und Messtechnik mangeln.

Bluetooth

Bild 1: Die Bluetooth-Low Energy-Testlösung basiert auf dem Bluetooth-Testset MT8852B von Anritsu (links) und dem Produktionstester 2300 von RTX (rechts). Anritsu

Diese Entwickler haben eins gemeinsam: Sie benötigen eine Testlösung, die kostengünstig, validiert, flexibel, skalierbar, leicht zu bedienen und gleichzeitig leistungsstark ist. Das gemeinsam von Anritsu und RTX entwickelte Bluetooth-Low Energy-Testsystem ist eine schlüsselfertige Lösung für diese Anforderungen und steht nun zur Verfügung (Bild 1).

Gemeinsames Entwicklungsprojekt

Die neue Testlösung basiert auf dem Bluetooth-Testset MT8852B von Anritsu und dem Produktionstestsystem RTX 2300. Anritsu ist Mitglied der Associate Bluetooth SIG und hat bei der Entwicklung der Bluetooth Core Specification mitgeholfen. Die Baureihe MT8852 wird seit mehr als einem Jahrzehnt weltweit eingesetzt. Sie unterstützt alle Bluetooth-Standards von Version 1.2 bis 5 und verfügt über vorkonfigurierte Test-Scripts für Einzeltasten-Tests. Das Prüfobjekt lässt sich über UART, USB, USB-Adapter oder Zweidraht-Schnittstellen direkt vom MT8852B aus steuern.

Beim RTX 2300 handelt es sich um eine Testlösung, die für Produktionstests an allen Mobilgeräten eingesetzt wird. Sie beinhaltet eine Reihe von modularen Messgeräten, wodurch sie gut konfigurierbar ist. Zu den einzelnen Modulen gehören beispielsweise eine programmierbare Stromversorgung (PSV), ein Digital-Voltmeter (DVM), ein Signal-Multiplexer und eine Pneumatiksteuerung. Das seit zehn Jahren eingesetzte  RTX 2300 lässt sich individuell anpassen und bietet ein HF abgeschirmtes Gerätefach, das eine gerätespezifische Sondenhalterung ermöglicht.

Bluetooth

Bild 2: Die vom Anritsu-/RTX-Testsystem unterstützten Bluetooth 4.2-Testparameter. Anritsu

Durch die Kombination aus MT8852B und RTX 2300 ergibt sich eine Lösung für eine automatische und damit entsprechend leicht bedienbare Testeinrichtung (ATE), die derzeit die Bluetooth-Standards 4.0 bis 4.2 unterstützt. Die Bluetooth-4.2-Testparameter, die vom Bluetooth-Low Energy-Testsystem standardmäßig unterstützt werden, sind in Bild 2 dargestellt.

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