Wir sind heute vernetzter denn je. Es gibt kaum noch einen Moment, in dem wir nicht über Smartphones, Tablets und Laptops meist kabellosen Zugriff auf Daten und Informationen haben, die unseren Alltag komfortabler gestalten. Je mehr die Digitalisierung, und mit ihr einhergehend die Vernetzung in unseren Tagesablauf vordringt, desto mehr stören wir uns an den Dingen, die mit der digitalen Welt nicht harmonieren wollen. Denn wenn plötzlich nicht nur Geräte, sondern ganze Abläufe und Handlungen auf das Netz angewiesen sind, steigt der Frust umso mehr, wenn etwas, das aus dem Blickwinkel des Endkunden eigentlich ebenso vernetzt sein müsste, isoliert erscheint.

Bild 1: Bosch Concept Car auf der CES made by EDAG.

Bild 1: Bosch Concept Car auf der CES made by EDAG. Edag/Trive.me

In Sachen Digitalisierung kann man durchaus so manchem Fahrzeug Anachronismus unterstellen, weil die Verbindung zum Netz spürbar gekappt ist. Deshalb wundert es kaum, dass immer mehr Menschen den Anspruch an ständige Vernetzung auch an ihr Auto stellen, und Kaufentscheidungen nicht zuletzt davon abhängig machen, ob das Fahrzeug im Netz ähnlich flott unterwegs ist, wie ihr Smartphone.

Und es wundert noch weniger, dass sowohl die Öffentlichkeit als auch die Fachwelt ihren Blick in diesen Zeiten immer häufiger auf große Elektronikmessen wie beispielsweise die CES als auf Automobilausstellungen richten. Dies geschieht nicht grundlos, denn die Innovationen im Bereich Mobilität, die unsere Gesellschaft prägen, kommen  nicht mehr nur auf vier Rädern daher, sondern sie sind meist in unseren Hosentaschen, auf dem Schreibtisch oder im Wohnzimmer zu finden. Mit den auf der CES ausgestellten Produkten finden wir uns in der immer komplexer werdenden Welt einfacher zurecht. Wir verstehen schneller, wir kommunizieren effektiver, wir arbeiten effizienter. Und in so einer digitalen Welt erscheint ausgerechnet das Sinnbild für Mobilität und Fortschritt, das Automobil, stellenweise orientierungslos – auch mit Blick auf die Tatsache, dass es eben nicht nur um elektronische Spielereien geht. Es geht hier im weitesten Sinne auch um die Nachhaltigkeit, die uns der „4.0“-Sachverhalt mit der Vernetzung von Technologien verspricht.

Was das Auto von der IT lernen kann

Bild 2: Die Entwicklungszyklen bei automotiven Prozessen und bei agiler IT-Entwicklung sind ziemlich unterschiedlich.

Bild 2: Die Entwicklungszyklen bei automotiven Prozessen und bei agiler IT-Entwicklung sind ziemlich unterschiedlich. Edag/Trive.me

Die Vernetzung eines derart geschlossenen Systems, wie es das Automobil nun mal seit jeher ist, erfordert allerdings ein radikales Umdenken – nicht nur in der Produktion sondern bereits bei der Konzeption und Entwicklung von Lösungen. Die traditionell in der Automobilindustrie genutzten Entwicklungsprozesse sind für neue Denkweisen zu unflexibel, was vor allem daran liegt, dass das Auto vom zentralen Nutzen her gedacht zunächst einmal ein komfortables Statussymbol zum Fahren sein soll. Dementsprechend konzentriert sich die Entwicklung auf die Produktion eines Produktes, das bestmöglich komfortabel fährt.

Es ist ein hierarchischer Prozess, der sehr stark auf festgelegten und gut dokumentierten Arbeitsweisen beruht, der aber völlig konträr zur Denk- und Arbeitsweise der IT- und Software-Welt ist. Denkt man vernetzt, denkt man agil. Denn im Gegensatz zum statisch entwickelten Produkt geht es in der digitalen Welt um Flexibilität – auch nach Einführung des vermeintlich fertigen Produktes. Dies geschieht nicht grundlos, weil die Kundenorientierung und Kundenfreundlichkeit im Vordergrund stehen, und da Benutzung und Nutzen sich mit dem Kunden und seinen Bedürfnissen stetig ändern, muss auch das Produkt letztlich offen und flexibel genug sein, um sich seinem Nutzer anzupassen. Dieser Umstand führt allerdings zu Reibereien, weil die Welt von Beta-Versionen und Updates bisher noch nicht so richtig zur Null-Fehler-Politik des automobilen Sektors passen will. Bisher.

Denkansätze vernetzen, um schneller zu werden

Es sind weniger Kompromisse, als vielmehr neue Denkansätze gefordert – Denkansätze, die allerdings nicht disruptiv das bestehende auslöschen, denn eines steht außer Frage: Auch wenn das Automobil im Vergleich zur Netzwelt nicht die Nase vorne hat, ist es ein ausgereiftes, aus dem Alltag nicht wegzudenkendes Produkt. Damit die automobile Entwicklung im digitalen Wettbewerb marktfähig bleibt, führt somit kein Weg daran vorbei, integrativ zu denken, und das Beste der unterschiedlichen Arbeits- und Denkweisen so zusammenzubringen, dass etwas Neues entstehen kann.

Trive.me

Bild 3: Fahren 4.0 ist softwaregestützt.

Bild 3: Fahren 4.0 ist softwaregestützt. Edag/Trive.me

Trive.me ist als eigenständige Marke der EDAG Engineering GmbH eine Antwort auf die Frage, die uns alle beschäftigt: Wie wird das Auto digital und dadurch noch besser? Der Ableger des größten unabhängigen Gesamtfahrzeug- und Produktionsanlagenentwicklers sieht sich dabei nicht nur als Lösungsproduzent für Software sondern vor allem auch als Integrator und Inkubator für eine diversifizierte zukunftsfähige Automobilindustrie. Bei Trive.me paart sich das Know-How der „klassischen“ Automobilentwicklung mit dem Anspruch, die richtigen Menschen, Ideen, Denkansätze und Entwicklungen für die Umsetzung eines besser vernetzten Fahrens zusammenzubringen. Schließlich geht es um Lösungen, die unter dem Aspekt des „Fahrens 4.0“ die Mobilität ebenso nachhaltig verändern sollen wie seinerzeit die Einführung von Apps für Smartphones.

Trive.me als Inkubator für junge Automotive-Start-Ups.

Im Gegensatz zu ambitionierten Start-Ups verspricht Trive.me nicht nur Ideen, sondern es hat bereits die Möglichkeiten, diese in die sehr komplexe, hoch professionalisierte und teils politisch geprägte Automobilentwicklung zu integrieren. Zum einen ist die Marke als Teil eines etablierten Entwicklungsdienstleisters fest in der Branche verankert und entsprechend gut vernetzt: Man weiß, was es zu beachten gilt, wenn man im automobilen Sektor etwas mit Innovationen verändern möchte. Darüber hinaus greift Trive.me auf das Wissen von über 1500 Software- und Hardware-Experten zu, die in der Materie zuhause sind. Dieses Wissen wird in der neu geschaffenen Einheit ergänzt durch Freidenker und IT-Spezialisten, die neue Ideen nicht nur anstoßen sondern auch umsetzen.

Damit bewegt sich Trive.me als Start-Up in der Welt von Mobilitätslösungen. Wo für andere Start-Ups, die sich in die Welt der Mobilität einklinken wollen, das Automobil und seine Entwicklung eine kaum zu durchblickende Blackbox sind, bietet Trive.me Insider-Know-how. Die Mitarbeiter wissen also bereits bei der Ideenentwicklung nicht nur sehr genau, ob etwas funktioniert. Sie wissen auch, wie es sich am besten in bestehende Technologien integrieren lässt. Dieser Aspekt macht Trive.me als Inkubator für andere junge Unternehmensgründer wiederum attraktiv. Trive.me ist mit seinen Lösungen nicht nur Produktanbieter sondern möchte mit diesen auch als Art Katalysator für Ideen anderer Start-Ups fungieren. Als Symbiose sollen so für die Automobilhersteller hochwertige und für Endkunden attraktive Systemlösungen entstehen, die gut in den Fahrzeugentwicklungsprozess passen beziehungsweise leicht adaptiert werden können. Somit schafft Trive.me eine vom Fahrzeughersteller unabhängige und dadurch neutrale Plattform, die Start-Ups sowohl mit dem notwendigen Zugang in die Automotive-Welt als auch mit dem komplexen Know-how helfen kann.

Ideen auf die Straße bringen

Eckdaten

Das Vernetzen von Software, Technologie und Mensch ist die große Stärke, die das Start-Up Trive.me mit auf die Straße bringt. Trive.me bringt Informationen da zusammen, wo sie sinnvoll und nützlich sind sowie das Leben vereinfachen. Das Start-Up beschäftigt sich nicht nur mit der Kommunikation sondern vor allem mit der Integration. Als Marke von Edag ist dabei für entsprechendes Automotive-Know-how gesorgt.

Zwei Visionen sind bereits in der Umsetzung. Trive.account ist ein individueller„Car Account“, vergleichbar mit einem Nutzerprofil bei mobilen Endgeräten. Allerdings bindet Trive.account aus gutem Grund die Funktion nicht an das Fahrzeug sondern an den Fahrer. Ähnlich wie Smartphones, Laptops und Tablets sich kaum noch durch rein technische Leistungsmerkmale sondern vielmehr durch die Software und ihre Funktionen unterscheiden soll auch Trive.account die Nutzbarkeit und den damit verbundenen Mehrwert eines Computers auf vier Rädern sichtbar machen. Die Funktionalität des Produkts steht im Vordergrund, und die wird erst durch individuell konfigurierbare Software ermöglicht. Durch den Account ist es beispielsweise möglich, neue Assistenzsysteme genau dann freizuschalten, wenn und wo der Fahrer diese braucht. Realisieren lässt sich das durch die intelligente Kombination ohnehin verbauter Hardware (Sensorfusion) und zusätzlicher Software. Funktionen wie ein Tempomat, ACC, Verkehrszeichenerkennung oder sogar die Motorleistung selbst sind weitere Beispiele, die sich nachträglich über den Account aufrüsten beziehungsweise als Leistungsmerkmal freischalten lassen.

Function/Performance on Demand

Software- und Hardwarefunktionen können erstmalig über Trive.account separat vermarktet und nachträglich im Fahrzeug genutzt werden. Dieser Gedanke des „Function and Performance on Demand“ ermöglicht es, die Funktionen eines Fahrzeugs ganz losgelöst vom Besitz zu betrachten, denn mithilfe des Trive.account lassen sich Funktionen nicht nur im eigenen Fahrzeug nutzen, sondern auch in weiteren kompatiblen Fahrzeugen der gleichen Marke zur Verfügung stellen. Einmal erworbene Funktionen sind somit über den Produktlebenszyklus hinweg in neuen oder temporär genutzten Fahrzeugen (Carsharing) verwendbar, sofern die Hardware den Funktionsumfang unterstützt.

Bild 4: Fahrzeugfunktionen lassen sich in Zukunft "On Demand" freischalten.

Bild 4: Fahrzeugfunktionen lassen sich in Zukunft „On Demand“ freischalten. Edag/Trive.me

Damit findet ein Paradigmenwechsel beim Verständnis von Funktionen im Fahrzeug statt. Für Fahrzeughersteller und Fahrzeug-Endkunden entstehen dadurch bisher nicht da gewesene Vorteile, denn zum einen können Hersteller in neuen Geschäftsmodellen Fahrzeuge weitaus kundenspezifischer und weit über den Verkauf hinaus wertschöpfend nutzen. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Verkauf von Updates, die sich per Download aufspielen lassen. Dabei erhält der OEM Aufschluss über das Nutzerverhalten, was ihm wiederum neue Möglichkeiten für Kundenbindung und Kundenservice ermöglicht, um so die Bindung an die Marke zu stärken. Zum anderen hat der Endkunde mit Trive.account gänzlich neue Finanzierungsmöglichkeiten. Da die Endkunden Software-Funktionen auf Nachfrage (On Demand) buchen können, besteht theoretisch sogar die Möglichkeit, das Fahrzeug günstiger zu verkaufen. Der Kunde ist nicht gezwungen, beim Fahrzeugkauf alle Funktionen zu berücksichtigen, die er bei der Erstanschaffung vielleicht gar nicht braucht. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass der Endkunde schneller auf neue Funktionen im Fahrzeug zugreifen kann, da neue Innovationen nicht mehr an Hardware-Entwicklungszyklen gebunden sind. Diesen Komfort kennen die Verbraucher bereits von anderen technischen Produkten wie Smartphones oder Fernsehern, bei denen sich nachträglich Funktionen freischalten lassen. Somit kann der Fahrzeugnutzer das Fahrzeug an sich ändernde Bedürfnisse anpassen.

Parken mit der App

Auf den ersten Blick vielleicht weniger einschneidend, aber dennoch nicht minder komplex ist Trive.park, die zweite, fast marktreife Entwicklung von Trive.me. Diese App soll nicht nur dabei helfen, leere Parklücken in Parkhäusern sondern auch den vorher ausgewählten Wunschparkplatz-Typ (E-Fahrzeug, SUV, Mutter mit Kind und so weiter) zu finden. Gepaart ist das Ganze mit einem geeigneten Indoor-Navigationssystem, welches für die rasche Orientierung sorgt. Um eine derartige Idee sinnvoll umzusetzen, reicht es natürlich nicht, Software zu entwickeln. Man muss sich zum einen mit den Sensoren im Fahrzeug auskennen, zum anderen auch in die Infrastruktur hineindenken, denn Trive.park kann letztlich nur funktionieren, wenn Fahrer, Fahrzeug und Parkhaus kontinuierlich und in Echtzeit miteinander kommunizieren.