Professor Walter Schumacher, Vorsitzender des Drives-Komitees des Kongresses der SPS/IPC/Drives

Professor Walter Schumacher, Vorsitzender des Drives-Komitees des Kongresses der SPS/IPC/Drives

Energie war in den letzten 20 Jahren verglichen mit heute immer noch eine reichlich und preiswert verfügbare Ressource im Vergleich mit den Kosten menschlicher Arbeit. Auch der erste Ölpreisschock Anfang der 70er Jahre hatte diese Haltung nicht wesentlich geändert. Es geht jetzt aber nicht nur um eine Reduzierung des Treibhauseffektes und eine Reduktion des Ausstoßes an CO2 , sondern auch ganz banal um eine Senkung der Kosten. Wenn man sich dann noch klar macht, dass im Energieverbrauch der Industrie 70% der elektrischen Energie durch Motoren in Bewegung umgesetzt wird, so lässt sich ermessen, welche Potenziale hier noch erschlossen werden können.
In der Trendsession Energie-Effizienz werden von Experten Ansatzpunkte geliefert, durch welche Maßnahmen die Energie-Effizienz gesteigert werden kann und welche Beispiele es jetzt schon gibt, im gesamten Lebenszyklus einer Anlage Energie und allgemein Ressourcen zu sparen. Das Thema wird aus der Sicht der Hersteller und Betreiber eingehend beleuchtet.
Bisher galt das Thema Energiesparen oder Energie-Effizienz als wenig sexy und doch eher trocken. Die Ingenieure betrachteten es als weitgehend ausgeforscht: Man nehme etwas mehr Kupfer und Eisen in die Motoren und etwas mehr Silzium in die Umrichter: Die letzten Zehntelprozentpunkte im Wirkungsgrad werden halt teuer, sollen die Kaufleute ausrechnen, ob sich die Investition amortisiert …
Doch das Thema verdient eine vielschichtige Systembetrachtung, spielen doch so viele Aspekte eine Rolle. Nicht nur effiziente Komponenten und Netzrückspeisung im Bremsbetrieb sind wichtig, sondern auch eine den geplanten Anwendungen der Maschine angepasste Auslegung der Maschine, Planung einer effizienten Prozessführung, und schließlich der richtige Betrieb einer installierten Maschine im optimalen Betriebspunkt für das zu produzierende Produkt mit geringen Standby-Zeiten.
Alle Player müssen ihren Teil zur Effizienz beitragen:
Komponentenhersteller, Anlagenbauer, aber auch Betreiber bestimmen gemeinsam die Effizienz über die Lebensdauer der Anlage. An der einzelnen Stelle lassen sich vielleicht nur wenige Zehntel sparen, aber insgesamt entstehen im Produkt der vielen Faktoren doch große Möglichkeiten. Die Komponentenhersteller können nicht nur die Energiewandlungswirkungsgrade verbessern, sie können auch den Projektierern Software-Werkzeuge an die Hand geben, um eine optimale Dimensionierung der Baugrößen zu ermöglichen. Damit wird uneffektiver Teillastbetrieb vermieden und gleichzeitig eine Überlastung verhindert. Auch Komponenten mit einem breiteren Wirkungsgradmaximum wären denkbar.
Anlagenbauer können ein Energie-Monitoring vorsehen, damit der Betreiber den Energieaufwand von einzelnen produzierten Chargen oder sogar Einzelstücken erfassen kann. Nur so kann er die Anlage mit unterschiedlichen Produkten jeweils Energie-optimal fahren.
Die Trendsession soll konkrete Schritte zum effizienten und verantwortungsvollen Umgang mit Energie aufzeigen und allen Beteiligten die Chancen verdeutlichen, die auch in dieser neuen Situation stark ansteigender Energiekosten liegen. Insgesamt liegt in der neu aufgeflammten Energiediskussion auch eine riesige Chance für die Deutsche Wirtschaft, die schon immer ein sehr gutes Engineering anbieten konnte. Wir müssen unseren Vorsprung ein Sachen Energie-Effizienz ausbauen, um auf dem Weltmarkt exzellente Produkte anbieten zu können.