Düstere Wolken über der Produktion – Cloud Computing als Risikofaktor.

Düstere Wolken über der Produktion – Cloud Computing als Risikofaktor.Kalle Kolodziej – Fotolia.com

Cloud Computing wird heiß diskutiert – nur verstehen verschiedene Anbieter, Dienstleister und Unternehmenskunden unter dem Begriff sehr verschiedene Techniken. Die neutrale Definition des Bitkom kann sich hier als hilfreich erweisen: „Beim Cloud Computing werden IT-Leistungen bedarfsgerecht und flexibel in Echtzeit als Service über das Internet oder innerhalb eines Firmennetzwerks bereitgestellt und nach Nutzung abgerechnet. Die IT-Leistungen können sich auf Software, Plattformen für die Entwicklung und den Betrieb von Anwendungen sowie die Basis-Infrastruktur wie beispielsweise Speicherplatz beziehen“. Damit wird den potenziellen Kunden einiges versprochen – von der Kostenersparnis bis hin zur Bereitstellung einer Infrastruktur, welche dazu geeignet ist, die Geschäftsprozesse eines Unternehmens optimal zu unterstützen. Hört sich zwar gut an, allerdings sind wichtige Sachverhalte reichlich verklausuliert: Etwa dass, im Gegensatz zum Outsourcing, die Kunden kaum eine Möglichkeit haben individuelle Leistungen beim Dienstleister abzufordern. Und wenn doch: Ist es dann noch Cloud? Doch dies ist bei weitem nicht das Einzige, was es hinsichtlich der „neuen“ Technologie zu bedenken gilt.

Betrachtet man die grundsätzliche Idee von Cloud Computing dann wird deutlich, dass die Interessen von Kunden und Anbietern gegenläufig sind, denn die Geschäftsstrategie basiert im Wesentlichen auf einer hohen Auslastung der vorhandenen Ressourcen. Anders formuliert es Heiko Frank, Manager bei der Ernst & Young: „Je weniger Puffer vorgehalten werden muss, desto rentabler ist das Business Model“. Dabei liegt es laut Frank fast auf der Hand, dass „dies bei Betriebsspitzen zu Performance-Problemen führen kann“. Ergibt dieses Modell in der Produktion dann überhaupt einen Sinn? Einer Fertigungsumgebung muss unbedingt performante Prozesse in Echtzeit aufrecht erhalten, um die benötigte Taktzahlen zu gewährleisten. Stand heute schafft das keine Cloud, meint Rainer Glatz, Geschäftsführer im VDMA: „Aufgrund von spezifischen Anforderungen wie Zuverlässigkeit, Effizienz oder Hochverfügbarkeit ist es momentan undenkbar, zeitkritische Prozesse in der Produktion über öffentliche Cloud-Services zu steuern“.

Sicherheitsrisiken nicht unterschätzen

Das ist noch längst nicht alles. Auch das Thema Sicherheit gibt Anlass zur Sorge. So halten Experten wie Prof. Norbert Pohlmann, FH Gelsenkirchen, das Szenario eines Cyberwars in dieser Konstellation nicht mehr nur für bloße Fiktion. „Mit Stuxnet wurde im vergangenen Jahr demonstriert, was im Bereich des Möglichen liegt“, erklärt Pohlmann, „und ebenso, mit welcher Dynamik die Entwicklung von neuen Angriffsvektoren hier mittlerweile vonstatten geht.“ So ließe sich, mittels Software, die Zerstörung von Server-Strukturen in Rechenzentren relativ leicht bewerkstelligen – eine mögliche Folge: Stillstand in der Produktion.

Dahingestellt ist jedoch, ob diese Debatte zum jetzigen Zeitpunkt rein akademisch ist. Oder wie Prof. Udo Kalinna, FH Emden, es formuliert: „Die Frage ist doch einfach – was soll die ganze Diskussion? Es gibt heute ganz andere Probleme in der Produktion. Sobald alle Protokolle vereinheitlicht sind, kann man sich dann gerne weiter über den Nutzen von Cloud streiten.“