Hier queren die Seekabel das Mittelmeer auf dem Abschnitt zwischen Italien und Ägypten. Der Anker eines Schiffes hat die beiden (Glasfaser)-Seekabel durchtrennt und damit die Übertragungskapazitäten zwischen den Kontinenten drastisch verringert. Vor der nordafrikanischen Küste laufen die beiden Seekabel in relativ flachem Gewässer, aber doch so dicht nebeneinander, dass ein auf Reede liegendes Schiff mit dem Anker die metallbewehrten Glasfaserkabel zerreißen konnte. Von Ägypten auf führen die Seekabel dann weiter durch das Rote Meer, um Jemen herum in den Indischen Ozean. Zwei Betreiber sind für die Seekabel verantwortlich: Die Britische Flag Telekom in Sipson West Drayton (Middlesex) und die Sri Lanka Telekom in Colombo. Während die Engländer ihr Seekabel von der Küste Cornwalls bis nach Japan führen, verbindet die Sri Lanka Telecom Marseille in Frankreich mit einer Vielzahl von Ländern bis hin nach Indien und Singapore (Bild: Sri Lanka Telekom). Die Flag Telekom hat bereits aus Catania ein Reparaturschiff mit Ersatzkabelteilen auslaufen lassen und bei der ägyptischen Regierung um Genehmigung der Reparaturen in deren Hoheitsgewässern beantragt. Das größte Problem war zunächst, für die Nutzer dieser Leitungen Ersatzverbindungen zu schaffen. Satellitenverbindungen mit den nötigen Bandbreiten stehen so kurzfristig nicht zur Verfügung (und sind auch teuer), um Südafrika herum gibt es die erforderlichen Kapazitäten schlicht nicht. Landverbindungen auf zwischen Asien und Europa über diese Distanz gibt es wegen der Kriegsähnlichen Wirren im vorderen Orient nur sehr eingeschränkt. Zwischen Westeuropa und Indien sowie Singapore gibt es große Datenströme, nachdem viele Softwareentwicklungen vor allem nach Bangalore in Indien ausgelagert wurden und sich in Singapore ein neuer Schwerpunkt der Halbleiterindustrie gebildet hat, wo auch europäische Unternehmen fertigen oder fertigen lassen. Und dann passierte einen Tag später etwas, was seither Gerüchte über eine vorsätzliche Zerstörung der Seekabel aufkeimen ließ: Am 1. Februar wurde um 6 Uhr morgens 56 km vor der Küste von Dubai auch noch das dritte Seekabel FALCON zwischen Europa und Asien zerstört, zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten (UAE) und Oman. Zum Zeitpunkt der Kabelunterbrechung herrschte schlechtes Wetter im Hafen von Abu Dhabi, den man deshalb geschlossen hatte. Flag Telekom hat zunächst mit Hilfe der Saudi-Arabischen Integrated Telecom Company eine terrestrische Ersatzroute zwischen der Anlandestation Al Khobar und Jeddah installiert. Das reichte aber nicht aus, um die ausgefallenen Kanäle zu ersetzen, so dass man zum Zeitpunkt dieses Berichts noch nach Alternativrouten suchte. Da die Kunden ihre Datentransporte nach übermittelten Gigabyte zahlen, das Anmieten von Ersatzkanälen kurzfristig aber sehr teuer ist, werden die Beschränkungen wohl bis zur Fertigstellung der Reparaturen zumindest teilweise bestehen bleiben. Am schnellsten könnte diese Reparatur noch vor der Küste von Alexandria vor sich gehen: Hat man erst einmal die beiden abgerissenen Enden, dann lässt sich mittels Spleißen die Verbindung binnen einer Woche wieder herstellen. Üblicherweise bemisst man die Länge des Spleißes großzügig und legt zusätzliche Längen in Form von Spiralen auf dem Seeboden ab.