Nach DC/DC-Wandlern und Schaltreglern entwickelt Recom nun Lösungen für ausgewählte Segmente des Netzgeräte-Marktes.

Nach DC/DC-Wandlern und Schaltreglern entwickelt Recom nun Lösungen für ausgewählte Segmente des Netzgeräte-Marktes. Recom

„Recom goes higher Power“, verkündet Karsten Bier, CEO der Recom-Gruppe anlässlich der Einweihung seiner neuen Firmenzentrale in Gmunden/Österreich und macht klar, dass er dabei primär an hochwertige Standardnetzteile denkt. AC/DC-Netzteile seien die logische Ergänzung zu DC/DC-Wandlern oder Schaltreglern. Es könne ein wesentlicher Vorteil für den Kunden sein, alles aus einer Hand zu beziehen. Wenn in komplexen, interaktiven Systemen plötzlich Störungen auftreten würden, könne vermieden werden, dass sich zwei Lieferanten gegenseitig den „schwarzen Peter“ zuschieben.

Auf einen Blick

Netzteile, DC/DC-Wandler und Schaltregler haben eines gemeinsam: Sie sitzen meist an kritischer Stelle eines elektronischen Designs und ihre Zuverlässigkeit beeinflusst maßgeblich die Zuverlässigkeit eines Systems oder einer Anlage. Ist die Stromversorgung störanfällig, leidet nicht zuletzt der gute Name des Anwenders. Auch die Folgekosten können erheblich sein. Sind beispielsweise schon hunderte Maschinen weltweit im Einsatz, bis man eine gravierende Schwachstelle erkennt, hat dies teure Nachbesserungen zur Folge. Deshalb ist es bei der Auswahl von Stromversorgungen ratsam, auf die Garantiezeit zu schauen und sich beim Hersteller durch Quality Audits und die Vorlage von Test-Reports zusätzliche Sicherheit zu holen. Da kann es von Vorteil sein, wenn alle Komponenten vom selben Partner kommen.

Technisch gesehen sind DC/DC-Wandler und Netzteile eng miteinander verwandt. Die größten Unterschiede gibt es bei der Leistung. Genügen bei Wandlern meist wenige Watt zur Versorgung einzelner Schaltkreise oder zur Isolation von I/O-Ports, sind bei zentralen Netzteilen Werte von 50 W aufwärts gefragt. Die neuen, bereits zur Electronica vorgestellten Produkte zeigen, in welchen Marktsegmenten man künftig Akzente setzen möchte. So waren neben sehr preisgünstigen „Open-frame“-Netzteilen zum Systemeinbau auch Lösungen für die Hutschiene sowie für die Medizinelektronik zu sehen. Alle drei gezeigten Produktfamilien sind im 1. Quartal 2015 lieferbar. Weitere Produkte sollen zur Jahresmitte folgen. Bis Jahresende möchte man die Entwicklung bis zu einer Grenze von 240 W abschließen.

Bei den preisgünstigen „Open-frame“- Netzteilen wie beim RAC48 kommen hochwertige Materialien zum Einsatz. Die Garantiezeit beträgt drei Jahre.

Bei den preisgünstigen „Open-frame“- Netzteilen wie beim RAC48 kommen hochwertige Materialien zum Einsatz. Die Garantiezeit beträgt drei Jahre.Recom

Hochwertige „Open-frame“-Netzteile für den Systemeinbau

Generell zielt Recom auf Marktsegmente, in denen die Lebensdauer vor dem Preis rangiert. Zwar habe man mit den beiden Werken in Taiwan eine ausgesprochen kostengünstige Produktion, verarbeite aber nur qualitativ hochwertige Materialien und die gäbe es nicht zum „Nulltarif“.

So möchte man sich auch bei den technisch und preislich sehr attraktiven „Low-cost“-Serien RAC48 und RAC60 qualitativ von Billigprodukten abheben. Die mit einer Grundfläche von zirka 100 × 50 mm2 (4 × 2 Zoll) bei nur 30 mm Höhe sehr kompakten Geräte verzichten auf ein eigenes Gehäuse und sind ideal zum Einbau in flache Systeme mit nur eine HE geeignet. Mit ihrem Eingangsspannungsbereich von 90 bis 264 VAC können sie weltweit eingesetzt werden. Am Ausgang stehen wahlweise 5, 12, 15 oder 24 V zur Verfügung. Zur einfachen Montage werden Anschlussstecker mitgeliefert. Die Class-II-Netzteile arbeiten bei Temperaturen von -20 bis +70 °C. Sie sind bis 3 kV/1min isoliert und gegen Überspannung, Kurzschluss und Überlast geschützt. Die für den Systemeinbau in Industrieelektronik und Kommunikationstechnik konzipierten Netzteile haben eine Garantiezeit von drei Jahren.

Zunächst sind zwei Serien mit Leistungen von 48 (RAC48) beziehungsweise 60 W (RAC60) zu einem 100er-Preis von zwölf Euro aufwärts lieferbar. Damit liegt man im unteren Bereich vergleichbarer Angebote. Versionen mit doppelter Leistung sind zur Jahresmitte geplant.

Der Einsatz modernster Wärmebildtechnik erlaubt ein thermisch ausgewogenes Design, wobei die Elkos in möglichst kühlen Bereichen platziert werden.

Der Einsatz modernster Wärmebildtechnik erlaubt ein thermisch ausgewogenes Design, wobei die Elkos in möglichst kühlen Bereichen platziert werden.Recom

DIN-Rail-Netzteile schaffen zehn Jahre im Dauerbetrieb

„Lebensdauer und Zuverlässigkeit hat für unsere Produkte oberste Priorität“, betonte Bier bei der Vorstellung seiner neuen Din-Rail-Netzteile und verweist auf die besonders lange Garantiezeit von sieben Jahren. Während ein PC oft schon nach drei Jahren „zum alten Eisen“ gehöre und im Fall eines Defektes meist durch ein neues, leistungsstärkeres Modell ersetzt würde, gelte dies nicht für Industrieelektronik oder Automatisierungstechnik. Hier könne ein unplanmäßiger Produktionsausfall hohe Folgekosten haben. Dem gelte es vorzubeugen. Deshalb treibe man bei Recom einen extremen Aufwand, bevor ein neu entwickeltes Netzteil in Produktion geht.

So begnügt man sich nicht mit der Auswahl qualitativ hochwertiger Bauteile wie zum Beispiel „high grade temperature“ Elkos, die bis 105 °C betrieben werden könnten. Man verwendet auch viel Zeit, das Design elektrisch und thermisch zu optimieren. Dazu gehört es, die Elkos möglichst weit entfernt von den „hot spots“ zu platzieren. Dies ist allerdings nicht so trivial wie es sich anhört, da jeder Zentimeter Abstand mit einer längeren Leitungsführung einhergeht, was Wirkungsgrad und Störpegel negativ beeinflussen könnte.

Die neuen Din-Rail-Netzteile REDIN45 und REDIN60 lassen sich neben der traditionellen, rückseitigen Montage auch seitlich montieren, was bei Schaltschränken mit geringer Einbautiefe von Vorteil ist.

Die neuen Din-Rail-Netzteile REDIN45 und REDIN60 lassen sich neben der traditionellen, rückseitigen Montage auch seitlich montieren, was bei Schaltschränken mit geringer Einbautiefe von Vorteil ist.Recom

Die besten Kompromisse lassen sich sehr zuverlässig durch den Einsatz modernster Labortechnik finden. So kann bei Recom die Auswirkung einer Design-Änderung sofort mit einer Wärmebildkamera verifiziert werden. Auch hat man das neue Headquarter mit einer 3-m-EMV-Kammer ausgestattet, um jederzeit normkonforme Messungen leitungsgebundener und abgestrahlter Emissionen durchführen zu können. „Wir können jedes Design zeitnah evaluieren, ohne uns in die Warteschlange bei einem akkreditierten Labor einreihen zu müssen“ sagt Bier und betont, dass man so die Potenziale und Grenzen der Prototypen weit besser und schneller ausloten könne. Bevor ein Produkt den Weg zum Kunden fände, würde eine feste Anzahl von Produktionsgeräten in 1000-Stunden-Tests einer beschleunigten Alterung unterzogen, um zuverlässige Aussagen über ihre Lebensdauer machen zu können. Bei den neuen DIN-Rail-Netzteilen sei eine „Design Lifetime“ von > 85.000 Stunden ermittelt worden, was rund zehn Jahren Dauerbetrieb entspräche.

Zunächst sind zwei Geräteserien mit Leistungen von 45 (REDIN45) und 60 W (REDIN60) lieferbar. Alternativ zur üblichen Ausgangsspannung von 24 VDC sind auch 12 VCD verfügbar. Die Netzteile sind bis 3,75 VAC/1 min isoliert und gegen Überspannung, Kurzschluss und Überlast geschützt. Der Wirkungsgrad erreicht sehr gute 87 %. Die Module sind nur 41 mm breit und können „ohne Sicherheitsabstand“ dicht an dicht auf der Hutschiene montiert werden. Die Umgebungstemperatur darf bis zu +70 °C betragen. Für Schaltschränke mit sehr geringer Einbautiefe lassen sich die Module auch seitlich montieren.

Netzteile für maximalen Patientenschutz in der Medizintechnik

Die „medizinischen“ Netzteile RACM100 und RACM150 gehören zu den Kleinsten ihrer Klasse und entsprechen mit einer Isolation von 2 × MOPP der 3. Edition der EN60601-1.

Die „medizinischen“ Netzteile RACM100 und RACM150 gehören zu den Kleinsten ihrer Klasse und entsprechen mit einer Isolation von 2 × MOPP der 3. Edition der EN60601-1.Recom

Weitere Schwerpunkte möchte Recom im Bereich der Medizintechnik setzen. Hatte man dieses Marktsegment bislang schon mit einer Reihe hoch isolierter DC/DC-Wandler versorgt, kommen jetzt „medizinische Netzteile“ mit 2 × MOPP (means of patient protection) hinzu. Für solche Netzteile sind insbesondere rund um den Trafo Luft- und Kriechstrecken von 5 und 8 mm einzuhalten, was in der Regel zu größeren Abmessungen führt.

Dank einer ausgefeilten Trafotechnik ist es gelungen, die vermutlich kleinsten Netzteile zu entwickeln, die in der Leistungsklasse von 100 und 150 W verfügbar sind. Damit trägt man dem Umstand Rechnung, dass der Platz in modernen Diagnosesystemen oft sehr limitiert ist.

Die 100-W-Version (RACM100) ist ganze 91 x 62 x 39 mm3 (L × B × H) groß und erreicht einen Wirkungsgrad von sehr guten 92 %. Das leistungsstärkere Modell (RACM150) leistet 150 W und ist rund 25 mm länger. Beide Geräte sind durch ein Metallgehäuse nach allen Seiten geschützt. Am Ausgang stehen wahlweise 12, 15, 24 und 48 V zur Verfügung. Die Ausgangsspannung kann in Grenzen justiert werden.

Beide Geräte sind gegen Überspannung, Kurzschluss und Überlast geschützt und gemäß UL/EN60601 zertifiziert. Die Isolation von 4 kVAC/1 min und die sehr niedrigen Leckströme von bis zu 75 µA genügen mit 2 × MOPP den höchsten Ansprüchen in punkto Patientenschutz. Die Garantiezeit liegt bei fünf Jahren.

Die wichtigsten technischen Daten im Überblick.

Die wichtigsten technischen Daten im Überblick.Recom